Endlich wieder Zweikämpfe mit Gegnern, wie zwischen Anton Voglsinger (Emmering/r.) und Danny Hahne (ATSV), beobachtet von Stefan Mayr (l.) und Seppi Niedermaier.
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Endlich wieder Zweikämpfe mit Gegnern, wie zwischen Anton Voglsinger (Emmering/r.) und Danny Hahne (ATSV), beobachtet von Stefan Mayr (l.) und Seppi Niedermaier.

Freud und Leid nach Testspielfreigabe

„Tausende Leute im Hirschgarten - und wir spielen ohne Zuschauer?“

  • vonJulian Betzl
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Nach dem Testspiel des ATSV Kirchseeon gegen den TSV Emmering steht die Freude über die Rückkehr auf den Platz gegen das strenge Hygienekonzept.

Emmering – Kurz wusste Danny Hahne nichts mit dem Ball am Fuß anzufangen. Dann hob er den Kopf, stellte seinen rechten Außenrist scharf und wählte erfolgreich den kürzesten Weg in den rechten Torwinkel. „Ein geiles Gefühl“, das der 30-jährige Angreifer vom ATSV Kirchseeon nur zehn Minuten nach dem Premieren-Anpfiff im Landkreis seit dem Fußballstopp voll auskostete. Ein Gala-Tor. Nicht auf der Konsole, sondern auf saftig-grünem Rasen erzielt. Corona, Sololäufe im Wald und die monatelange Ungewissheit waren für Danny Hahne in diesem Moment verflogen. „Einfach genießen. Hauptsache, ich kann kicken. Und mit 30 verliert man ja auch das Ballgefühl nicht mehr so schnell.“ Breites Grinsen.

TSV Emmering: Breu rechnet mit erneuter Fußball-Unterbrechung nach den Sommerferien

In der Szene vorm 0:1 war lediglich die Hintermannschaft der Platzherren noch gewissenhaft mit Unterpunkt eins der „Allgemeinen Hygieneregeln“ des an diesem Freitagabend frisch veröffentlichten „Muster-Hygienekonzepts“ des BFV beschäftigt: der Abstandsregel. „Gut, war halt ein schönes Tor und ein schleppender Start von uns“, meinte Emmerings Kapitän Martin Breu achselzuckend. Und da er persönlich ohnehin mit einer erneuten Unterbrechung nach den Sommerferien rechne, hatte für ihn ebenfalls der pure Fußballgenuss im Elf-gegen-Elf oberste Priorität. 142 Tage lang musste Breus Team auf diese Gelegenheit warten. „Länger als jede Winterpause.“

So viel Pathos die ersten Sequenzen des Re-Starts vermeintlich hergaben, so bemerkenswert rasch verflüchtigte es sich im Pfarrbachstadion wieder. Denn im Kern war die so sehr herbeigesehnte Veranstaltung schlichtweg: ein kurzweiliges Freundschaftsspiel zwischen zwei Kreisligisten.

Interessiert verfolgt von einer Handvoll Kiebitzen in einer Grauzone zwischen Straße und Bande, sowie sechs einwandfrei Hygienekonzept-konformen Störchen auf dem Dach der Kirche St. Pankratius. Scheinbar hatte das Federvieh von oben einen besseren Durchblick als die Brüder Christian und Martin Breu, denn nach einer Viertelstunde streiften sich alle Emmeringer orange Trainingsleibchen über ihre bordeauxroten Dressen. „Wir haben beide eine Rot-Grün-Schwäche“, erklärte Martin Breu den optischen Konflikt mit den in Grün gekleideten Gästen, die nach der kurzen Unterbrechung durch Maxi Hotz auf 2:0 erhöhten. Thomas Leykam besorgte mit einem Schlenzer ins Kreuzeck den 1:2-Pausenstand (38.).

Die Halbzeit nutzte Emmerings Coach Hans Weiß neben einer intensiven Taktikschulung zum Durch- und Aufatmen, als mit Michael Maier und Simon Wimmer die ersten Wechseloptionen am Sportplatz anrückten. „Neben den Urlaubern haben nach den Absage-Meldungen am Dienstag viele Spieler ebenfalls Pläne für heute ausgemacht“, erklärte Pressesprecher Manuel Sedlmaier noch schnaufend im Trikot den kurzfristigen Personalnotstand.

Breu: Sollen Ordner die Leute wegscheuchen, die nachher beim Wirt wieder zusammensitzen?

Ein paar Meter weiter war ATSV-Coach Christian Barth derweil damit beschäftigt, seinen 18-Mann-Kader für Durchgang zwei neu einzustellen. Die anfängliche Findungsphase der jungen ATSV-Truppe, die zuletzt von gleich neun A-Jugendspielern verstärkt worden war, nutzte die Heimelf durch Treffer von Anton Voglsinger (52.) und Martin Redl (68.) zum 3:2-Endstand aus. Mindestens auf der hölzernen Anzeigetafel (hätte sie denn jemand bedient) wäre der Re-Start für den TSV also erfolgreich verlaufen, was gleichermaßen für die Premiere der neuen LED-Strahler galt.

Ansonsten will man sich mit dem neuen Ambiente rund um den Rasen nicht so recht anfreunden. „Im Hirschgarten hocken tausend Leute zusammen, da ist es für den Amateurbereich doch komplett schwachsinnig, ohne Zuschauer zu spielen“, findet Martin Breu. „Wie sollen wir das umsetzen? Sollen die Ordner die Leute wegscheuchen, die später beim Wirt eh wieder zamhocken? Außerdem leben unsere Vereine doch gerade von den Zuschauereinnahmen und dem Verkauf.“ Selbst 200 Zuschauer, die wohlgemerkt nur die wenigsten Klubs in diesen Spielklassen begrüßen, könne man problemlos ums Spielfeld herum verteilen, so der Tenor unter den Funktionären am Emmeringer Spielfeldrand.

Und die Ansteckungsgefahr auf dem Platz? „Da habe ich keine Bedenken. Ich fahre ja auch jeden Tag mit dem Bus in die Arbeit“, verwies Schiedsrichter Christian Böckl (SV Höslwang) zudem auf die bereitgestellten Desinfektionsmittel. Auch dem Pfeifenmann war der rollende Ball „seit Anfang März so richtig abgegangen“.

Dass nach seinem Abpfiff alle duschen und gleich in ihre Autos verschwinden, lässt sich vorerst wohl nicht ändern und sorgte laut Emmerings Pressesprecher Manuel Sedlmaier für ein weiteres Novum an diesem Premierenabend im Pfarrbachstadion: „Da konnten die Niederlagen noch so krass sein, aber dass man sich hier nach einem Spiel nicht im Vereinsheim zusammensetzt, hat‘s noch nie gegeben.“ (JULIAN BETZL)

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