Widerstandsfähiger Anzinger: Selbst mit gebrochener Nase, die er sich im Landkreis-Pokalspiel gegen Emmering zugezogen hatte, warf sich Benno Stadler (Mitte) in jeden Zweikampf, hier im Kreisliga-Duell gegen Grafing.
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Widerstandsfähiger Anzinger: Selbst mit gebrochener Nase, die er sich im Landkreis-Pokalspiel gegen Emmering zugezogen hatte, warf sich Benno Stadler (Mitte) in jeden Zweikampf, hier im Kreisliga-Duell gegen Grafing.

Benno Stadler berichtet in der Serie „Grenzgänger“

SV Anzing: Rückkehr „eine klare Sache“ - Stadler über Intermezzo mit SVO

  • vonJulian Betzl
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In der Serie „Grenzgänger“ spricht der Anzinger Benno Stadler über sein Erlebnis beim SV Ostermünchen. Nach zwei Jahren kehrte er zum SV Anzing zurück.

Anzing/Ostermünchen – Kurzfristig und damit möglichst schmerzlos musste der Wechsel in der Winterpause 2010 vonstatten gehen. „Trotzdem habe ich sehr gezittert, als ich in Anzing zu unserem Abteilungsleiter gegangen bin“, erinnert sich Benno Stadler an die vielleicht emotionalste Unterredung seines Fußballerlebens.

Um die Gravitas des vermeintlich alltäglichen Vereinswechsels eines Amateurkickers erfassen zu können, muss man Stadlers Wurzeln kennen. Der heute 32-Jährige ist in Anzing nicht einfach nur klassisch im Fußball- und Burschenverein aufgewachsen, sondern auch in den örtlichen Traditionsbetrieb „Zum Kirchenwirt“ hineingeboren worden, der seit über 75 Jahren von der Familie geführt wird. Ein Heimatverbundener in Reinkultur. Mit einem Vereinswechsel habe er „eigentlich nie gerechnet“, sagt er, „weil es für mich als jüngerer A-Jugendspieler schon das Höchste war, bei den Anzinger Herren mit zu trainieren, die ich alle kannte“.

Weshalb der Ur-Anzinger dennoch im Winter 2010 den SV Ostermünchen als aufnehmenden Verein im Spielerpass eintragen ließ, erklärt Stadler so: „In Anzing hat die alte Garde um Christian Rauch, Thomas Hollerith, usw. der Reihe nach aufgehört, nachdem wir drei Saisons in der Kreisklasse immer Richtung Aufstieg gespechtet haben. Irgendwie war danach weniger Zug drin, in der Liga waren wir eher hinten drin.“ Und eine gute Portion Ehrgeiz habe ihn auf dem Platz schon mit Kindesbeinen angetrieben.

Ein Weltmeister als Sturmpartner beim FC Bayern

Mit der Anzinger F-Jugend habe er unter anderem mit dem späteren Falke-Faktotum Alex Schmidbauer „alles zerschossen“ und bei einem Hallenturnier schließlich einen Jugendtrainer des FC Bayern aufmerken lassen. Schmidbauer und Stadler wechselten zu den E-Schülern der Bayern, wo Stadler kurioserweise im Sturm vom späteren Weltmeister Mats Hummels flankiert wurde. „Das war für mich als Oberlöwenfan dort schon lustig“, schmunzelt Stadler besonders über einen Trainerrüffel, den er sich bei einem Turnier einfing, weil er unentwegt versuchte, mit der blauen Fraktion von 1860 München anzubandeln.

Stadlers rotes Intermezzo währte ein Jahr. „Das war nicht meins, da muss man schon ehrlich sein. Ich war glücklich, zurück in Anzing zu sein.“ Da es dort ab der C-Jugend an Spielern mangelte, ehe ab der B-Jugend die JFG Linsee gegründet wurde, feierte Stadler mit dem VfB Forstinning in der Erdinger Gruppe zwei Aufstiege binnen drei Jahren.

Im Winter mit drei Bulldogs zum Auswärtsspiel

Den krassen Kontrast dazu erlebte er anschließend mit der JFG Linsee in der Münchner Gruppe. „Da sind wir oft als Bauern beschimpft worden. Gut, im Winter sind wir teilweise wirklich mit drei Bulldogs zum Auswärtsspiel gefahren. Im Sommer kamen alle mit dem Mofa.“ In Stadlers letzten Jugendjahren reifte schließlich dieser „eine große Ansporn“ heran, der ihn zittrig beim Abteilungsleiter antanzen ließ: „Es muss doch irgendwie zu schaffen sein, mit meinem Heimatverein einmal Bezirksliga zu spielen!“

Da die Anzinger davon 2010 aber weit entfernt waren und die Ostermünchner Leo Stahuber und Peter Niedermeier dem gesellige Benno Stadler beim gemeinsamen „Versumpfen“ auf einer Hochzeit ein Vorspiel-Versprechen beim SVO abknüpfen konnten, wurde Stadlers Fernziel vorübergehend auf Wiedervorlage gelegt. „Technisch war ich nie der Stärkste, wollte aber wissen, ob ich es in der Bezirksliga schaffen kann. Und beim SVO hat viel zusammengepasst.“

In Inn/Salzach wird „das Drumherum mehr gelebt“

Schnell sei er vom Fußballkreis Inn/Salzach begeistert gewesen. Angefangen beim enormen Stellenwert des Fußballs für die einzelnen Dörfer und Gemeinden. „Ein gewaltiger Unterschied zum Münchner Kreis. Da wird das ganze Drumherum noch mehr gelebt. Auswärts war es selbstverständlich, dass man gemeinsam ins Vereinsheim einkehrt.“ Am Beispiel des beliebten Rosenheimer Sparkassenpokals, der bereits an Vorrundentagen gerne 800 Zuschauer anlockt, verdeutlicht Stadler den Unterschied: „Das ist mit nichts im Ebersberger Kreis vergleichbar. Während da von den Emmeringern 200 Fans mitfahren, wurde das bei unserer ersten Teilnahme letztes Jahr im Anzinger Umfeld kaum wahrgenommen.“

Die fast obsessive Identifikation mit seinem Dorfverein á la Emmering sei gerade im Münchner Speckgürtel mit den vielen Alternativangeboten und dem immer „oberflächlicher werdenden Vereinsleben“ kaum zu finden, im ländlichen Rosenheimer Raum dafür fast Usus.

Vereinswechsel für Benno Stadler schlussendlich „eine klare Sache“

„Kreisliga-Ikonen“ wie seinen Ostermünchner Kapitän und bis heute guten Kumpel Bernd Schiedermeier „kennt von Berchtesgaden bis Aßling jeder Fußballer, weil der sich gefühlt überall alle Spiele angeschaut hat“. Einen ansatzweise vergleichbaren Bunter-Hund-Status würde Stadler im Raum Ebersberg höchstens Oberpframmerns Spielertrainer Manu Lutz oder den De Prato-Brüdern zuschreiben – „und die kommen gebürtig aus Grasbrunn!“.

Zweieinhalb Spielzeiten lang konnte sich Benno Stadler als Sechser und Stammspieler die Bezirksligatauglichkeit in Ostermünchen fürs eigene Seelenwohl nachweisen. Mission erfüllt. Zurück zu den Wurzeln. Die vormalige „alte Anzinger Garde“ um Stefan Ess und Christian Rauch hatte gerade die Abteilungsleitung übernommen und diverse Rückholaktionen verlorener SVA-Söhne gestartet. Mit Stefan Bürgermeier und André Wolff als Trainerduo war der wohl letzte Vereinswechsel für Benno Stadler somit „eine klare Sache“.

Bezirksliga mit Anzing? „Nicht unrealistisch!“

Auf Anhieb gelang 2014 der Aufstieg in die Kreisliga. Das Vereinsleben außerhalb des Platzes wurde reanimiert, die Nachwuchsarbeit und spielerische Entwicklung forciert und ein inzwischen „gestandener Kreisligist“ aus der Taufe gehoben. Seinen ultimativen Jugendwunsch vom Bezirksligaspiel im schwarz-weißen Anzinger Dress hält Benno Stadler als überzeugter Optimist inzwischen für realistisch.

(Julian Betzl)

Unsere Serie: Grenzgänger

Andere Kreise, andere Sitten – oder doch nicht? Der Landkreis Ebersberg gehört überwiegend zum BFV-Kreis München. Im Süden ein Teil zum Kreis Inn/Salzach, während im Norden mit dem Kreis Erding der BFV-Kreis Donau/Isar beginnt. In loser Reihenfolge stellen wir Aktive und Ehemalige vor, die auf beiden Seiten der Grenzen gekickt haben.

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