Ballkontrolle und Angriffslust: Christian Käser im Trikot des TSV Poing, hier beim Ligapokalduell im Herbst 2020 gegen Forstinning.
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Ballkontrolle und Angriffslust: Christian Käser im Trikot des TSV Poing, hier beim Ligapokalduell im Herbst 2020 gegen Forstinning.

Gemeinsam mit Spielertrainer Stefan de Prato

TSV Poing: Ohne Aufstieg unvollendet - Christian Käser will angreifen

  • vonJulian Betzl
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Insgesamt fünfmal überquerte Christian Käser (24) in seiner bisherigen Klub-Vita die Land- und Fußballkreisgrenze zwischen Erding und Ebersberg.

Poing/Ottenhofen – Das „Grenzgänger-Gen“ bekam der gebürtige Ottenhofener von seinem Vater Thomas Käser vererbt, der unter anderem für den VfB Forstinning auflief. „Als mein älterer Bruder Michael und ich noch klein waren und bei Ottenhofen in der E-Jugend gespielt haben, waren wir manchmal bei seinen Spielen dabei, haben aber lieber nebenan auf dem Bolzplatz gekickt“, erinnert sich Christian Käser heute noch gut an einen dieser brüderlichen Abendkicks auf der Forstinninger Sportanlage.

„Wir hatten vorher 6:7 gegen Forstern verloren, der Trainer hatte mich blöd angemacht, und ich hatte keinen Bock mehr zu spielen. Auf einmal hat uns der damalige D-Jugendtrainer von Forstinning, Jürgen Kistler, angesprochen und gefragt, wer wir denn sind.“ Eigentlich, so erklärt Christian Käser, sei Kistler wohl primär hinter seinem talentierteren, drei Jahre ältere Bruder her gewesen. Letztlich schloss sich jedoch das komplette Ottenhofener Käser-Angriffsduo der JFG FC Salzburg an und durchlief dort die restliche Jugendausbildung. Anschließend wurde Michael Käser vom Verletzungspech verfolgt: Hüftverletzung und Kreuzbandriss. Nur fünfmal stand er für die VfB-Erste in zwei Kreisligaspielzeiten auf dem Feld, hatte zwar ein Angebot des VfL Osnabrück vorliegen, scheiterte aber am Medizincheck.

DJK Ottenhofen: Christian Käser schwärmt von Fans des Kreisklassisten

In seinem letzten Jahr bei den A-Junioren scheiterte indes Christians VfB-Zukunft an seinen Arbeitszeiten im Einzelhandel in Erding, die öfter mit den Trainings- und Spielzeiten kollidierten. Die wenigen Spielminuten und „blöden Kommentare“ veranlassten ihn dazu, dem Ruf des neuen DJK-Spielertrainers Tobias Grünewald zurück in den Heimatort zu folgen.

„In Ottenhofen gibt es drei Gruppen“, erklärt Christian Käser den DJK-Kosmos. „Da gibt es die Uralteingesessenen, für die es nur Ottenhofen und den Fußballverein gibt. Dann gibt es diejenigen, die sich gar nicht damit identifizieren können. Und Leute wie mich, die dazwischenstehen und mit beiden Seiten cool sind.“ 100 Anhänger bei Auswärtsspielen und bis zu 300 Fans im Rücken an der Herdweger Straße seien keine Seltenheit, schwärmt Käser von der verschworenen Ortsgemeinschaft, die in seinen ersten drei Jahren beim Kreisklassisten 68 Käser-Treffer bejubelte.

Christian Käser: Nach drei verpassten Aufstiegen zum SV Hohenlinden

Bedient und beschützt wurde Käser dabei von einem baumlangen Techniker im Mittelfeld, „den im ganzen Kreis Erding wirklich jeder kennt“: Thomas Ostermaier. Sogar seinen Bruder überredete Christian Käser kurzerhand zum Comeback. „In der Hinrunde 15/16 lief es sogar richtig gut, wir haben ziemlich aufgeräumt.“ Ausgerechnet im Derby gegen Klettham zog sich Michael Käser erneut einen Kreuzbandriss zu und beendete daraufhin seine Fußballkarriere.

Nach drei verpassten Aufstiegen konnten weder er noch DJK-Ikone Ostermaier den ambitionierten jüngeren Bruder zum Bleiben bewegen, als 2017 Kreisligist SV Hohenlinden mit Tainer Ralf Santelli und vielen Kumpels wie Valentin Katterloher, Simon Haberl oder Kapitän Sebastian Ittlinger lockte. „Im Kopf habe ich mir diesen Schritt eigentlich nie ganz zugetraut“, sagt Käser, „aber wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich gerne nochmal in genau dieser Besetzung von meinem ersten Jahr in Hohenlinden spielen.“

Christian Käser: TSV Poing statt Karrierende

Tatsächlich sei der Fußball in der Münchner Gruppe um einiges technischer und schneller geworden. „Da ging es nie so krass auf die Socken wie im Erdinger Kreis, und jede Mannschaft hatte gute Kicker drin.“ Zwei persönliche Käser-Highlights aus eineinhalb Jahren SVH: Ein Viererpack beim 8:1-Erfolg bei Srbija sowie ein 4:0-Triumph beim Derby in Anzing zur Erdinger Volksfestzeit. Sportlich lief Käsers zweite Saison in „Herlin“ sogar besser, doch in der Winterpause ging es wieder zurück zur DJK. „Viele Neuzugänge, viele Sachen haben nicht mehr gepasst, da war kein Mannschaftsgefüge mehr da.“ Dort wird es ihm nach dem Abstieg in der A-Klasse zu bunt. „Gerade bei den Reserven hatte ich Angst, dass die mir die Beine brechen, so wie die angeflogen kommen. Ich kann es mir nicht leisten, deshalb in der Arbeit zu fehlen.“

Nach 21 Toren in 14 Partien wollte Käser im Vorjahr „eigentlich aufhören“. Vergangenen Sommer verwarf er diese Pläne schnell wieder, zog nach Poing und ließ sich erneut von einem erfolgsorientierten Konzept jenseits der Landkreisgrenze überzeugen. Diesmal lotste ihn Abteilungsleiter Ludwig Auer gemeinsam mit dem künftigen Spielertrainer Stefan De Prato zu A-Klassist TSV Poing. Ein großes Ziel will der gebürtige Ottenhofener noch erreichen, unabhängig von Liga und Landkreis: „Einen Aufstieg hätte ich schon gerne mal im Herrenbereich erlebt. Als Fußballer fühle ich mich da schon unvollendet.“

Neue Serie: Grenzgänger

Andere Kreise, andere Sitten – oder doch nicht? Der Landkreis Erding gehört zum BFV-Kreis Donau/Isar, der Landkreis Ebersberg überwiegend zum BFV-Kreis München. In loser Reihenfolge stellen wir Ihnen Aktive und Ehemalige vor, die auf beiden Seiten der Grenze gekickt haben.

(Julian Betzl)

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