Ex-Löwen geben in Grafing den Ton an

Nur wenige Stunden nach der Entlassung von Hans Weiß als Trainer ließ Fußball-Bezirksligist TSV Grafing die Katze aus dem Sack - oder vielmehr die "Löwen". Daniel Hoffmann und Martin Max, ehemals Profis beim TSV 1860 München, übernehmen das sportliche Kommando.

"Weichen muss man rechtzeitig stellen", erklärte Grafings Abteilungsleiter Hans Altmann den überraschenden Coup: "Umso schöner, dass es dann auch so kurzfristig geklappt hat."

Die Herrenmannschaften bekamen die Nachricht am Dienstagabend präsentiert: "Wir haben das für Euch gemacht", begründete Altmann den Trainerwechsel einen Spieltag vor Beginn der Winterpause. Ein Schnellschuss war es jedoch nicht. Schon vor einigen Monaten hatten die Grafinger Kontakt mit Hoffmann aufgenommen, der für Hansa Rostock und die Münchner Löwen 70 Bundesligaeinsätze bestritt. Vermittelt hatte den Kontakt ein alter Bekannter: der Ex-Sechzger und ehemalige Grafinger Trainer Dieter Seelmann.

"Dass das Thema von jetzt auf gleich aktuell werden würde, hätte ich nicht gedacht", so Hoffmann, der künftig als Cheftrainer fungieren wird. Grafing sei für ihn keine unbekannte Größe: "Schließlich wohne ich in Feldkirchen und damit nicht weit weg." Auch die erste Mannschaft hat der frühere Löwen-Keeper bereits kennengelernt - wenn auch inkognito. "Wir haben sie in Rosenheim unter die Lupe genommen. Was wir sehen wollten, haben wir gesehen. Es steckt mehr in der Mannschaft, als sie dort gezeigt hat." Deshalb sei das vom Verein ausgegebene Ziel Klassenerhalt "durchaus realistisch".

Hoffmann zeigte keine Berührungsängste, für seine erste Trainerstation "nur" einen Bezirksligisten ausgewählt zu haben. "Bundesliga, große Namen, das ist doch Vergangenheit. Jeder sollte klein anfangen und sich erst dann nach oben orientieren. Zunächst ist einmal Bescheidenheit angesagt. Wenn's besser läuft, schön. Aber dazu müssen wir gute Arbeit leisten."

Mit "wir" ist Co-Trainer Martin Max gemeint, langjähriger Schrecken zahlreicher Bundesliga-Abwehrreihen. Max bringt Erfahrung aus 396 Erstligaspielen mit, in denen ihm 126 Treffer gelangen. In der Saison 1999/2000 und 2001/2002 durfte der 39-Jährige im Trikot der Löwen die Trophäe des Torschützenkönigs in Empfang nehmen. Max gewann zudem mit Burussia Mönchengladbach den DFB-Pokal (1995) und wurde bei Schalke als UEFA-Cup-Sieger gefeiert (1997),

Von der Zusammenarbeit mit dem früheren Vollblutstürmer erhofft sich der TSV Grafing nicht nur für die erste und zweite Mannschaft einen Motivationsschub. "Unsere Vorstellungen von Jugendarbeit decken sich mit der der beiden", so Abteilungschef Hans Altmann. Dass die Verpflichtung der Fußball-Hochkaräter ein finanzielles Vabanquespiel sein könnte, streitet der Grafinger vehement ab: "Es entstehen der Fußballabteilung keinerlei Mehrkosten. Das ist über Sponsoren abgedeckt. Max und Hoffmann wollen als Freunde zusammen arbeiten und längerfristig etwas bewegen - das wollen wir auch."

Von Wolfgang Herfort

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