Konrad Rauch, Vorstand des FC Parsdorf.
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Konrad Rauch, Vorstand des FC Parsdorf.

Vorstand des FC Parsdorf im Interview

Konrad Rauch: Wenn die Regeln nicht praktizierbar sind, bringt das nichts

  • vonJulian Betzl
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Der FC Parsdor um Vorstand Konrad Rauch war einer der ersten Vereine, die kontaktlos trainierten. Im Interview blickt Rauch darauf zurück und schaut voraus.

Parsdorf – Als einer der ersten Fußballvereine im Landkreis hatte der FC Parsdorf nach der „Corona-Zwangspause“ am 19. Mai den eingeschränkten Trainingsbetrieb im Herrenbereich aufgenommen. Damals standen hinter den Schwerpunktthemen Infektionsrisiko, Haftung, Sinn und Trainingsinhalt große Fragezeichen. Als „Versuchskaninchen“ wollte Vorstand Konrad Rauch die FCP-Kicker nicht sehen und sieht sich nun, zwei Monate später, in seiner Initiative bestätigt. Weder einen Verdachts- oder Infektionsfall noch sonstige negative Auswirkungen habe er zu beanstanden, sagt Konrad Rauch der Ebersberger Zeitung.

Herr Rauch, welche Erfahrungen haben Sie aus dem eingeschränkten Trainingsbetrieb gesammelt und welche wirken womöglich noch länger nach?

Der Tenor, den ich zuletzt aus der Mannschaft gehört habe, ist, dass das verminderte, kontaktfreie Training irgendwann nicht mehr den eigentlichen Sport darstellt. Es ist einfach ein anderes Tempo. Nichtsdestotrotz waren wir einer der ersten Vereine mit einem Hygienekonzept und da uns das Thema Corona weiterhin begleitet, tun wir uns jetzt vielleicht leichter zu lockern als andere. Anfangs war das ziemlich viel Arbeit. Aber ich würde es wieder so machen. Ich habe aus dieser Zeit keinen negativen Punkt gezogen und finde, dass wir etwas gewonnen haben.

Ist der Verein durch diese Vorlaufzeit und die Vielzahl an Erfahrungswerten womöglich auch umso besser auf eine potenziell sogenannte „zweite Welle“ vorbereitet?

Man hofft natürlich, dass es dazu nicht kommt oder wieder so schlimm wird. Aber wir sind jetzt erprobt darin, wie wir es angehen müssen und haben den Trainingsbetrieb inzwischen mit den Volleyballern, die im Sand angefangen haben, und den Turnern schon auf die Halle ausgeweitet. Ich persönlich glaube nicht, dass es in ein paar Wochen einen kompletten Normalbetrieb gibt, wenn man beispielsweise auf die gestiegenen Raten in Kroatien schaut, wohin viele wieder in den Urlaub gefahren sind. Ich glaube, dass wir uns schrittweise mit Lockerungen vortasten werden. Jetzt stehen die Kabinen und Duschen zur Diskussion, wofür ich noch keine Lösung habe, aber schon bei den ersten Vorbereitungsspielen eine brauche. Nur gibt es aber keine Studie, die mir sagt, ob alle Viren beim Duschen runtergespült werden oder ob ich alles hinterher desinfizieren muss. Der Gesetzgeber hockt sich hin und macht seine Regeln. Alles schön und gut. Aber wenn die Regeln nicht praktizierbar sind, bringt das nix. Und wenn du dich als Verantwortlicher auf unbekanntes Terrain begibst, gehen sie bei einem Regelverstoß gleich auf dich los.

Kann man da zum aktuellen Kenntnisstand bedenkenlos zu einem Kontakt-Training zurückkehren, wie es seit dem 8. Juli in Bayern erlaubt ist?

Das sehe ich mit gemischten Gefühlen. Einerseits freut es mich natürlich für die Spieler, dass sie sozusagen zurück in die neue Normalität kommen. Andererseits muss ich mich auch damit auseinandersetzen, was das bedeutet: So führen wir die Trainingsprotokolle weiter, um mögliche Infektionsketten rückverfolgen zu können. Unsicherheit und Risiko schwingen immer mit. Aber wir bleiben dabei, wie wir es immer gehandhabt haben und machen unserer Sorgfaltspflicht entsprechend alles möglich, wie es die Gesetze vorgeben. Überhaupt wieder zu trainieren, war ja unser Anliegen, das ich BFV-Präsident Rainer Koch vor dem Trainingsstart in einem langen Telefonat vorgetragen und gesagt habe: Als Verband müsst ihr euch doch dafür einsetzen, dass wir irgendwie auf den Fußballplatz kommen. Da glaube ich, hat der Verband gegenüber der Politik schon sein ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen. Letztlich sind Verband und Vereine aber nur Institutionen. Wichtig ist, dass die Leute irgendwie die Möglichkeit haben, ihren Sport zu machen.

Das Interview führte Julian Betzl

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