TSV Grafing entlässt den Coach

Grafing - Weniger die Nachricht selbst als der Zeitpunkt kam überraschend: Fußballball-Bezirksligist TSV Grafing hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Spielertrainer Hans Weiß getrennt.

"Aus rein privaten Gründen", wie Abteilungsleiter Hans Altmann auf Nachfrage begründete. Weiß, mit dem die Grafinger zuletzt als souveräner Kreisligameister aufgestiegen waren, habe "die Mannschaft nicht mehr erreicht", so Altmann: "Die Vorstandschaft war sich einig, dass die Gräben, die sich aufgetan haben, nicht mehr zu überbrücken waren. Es musste ein Schlusstrich gezogen werden." Und das noch vor der letzten Heimpartie des Jahres.

Dass es um die Harmonie innerhalb des Teams zuletzt nicht zum Besten bestellt war, war ein offenes Geheimnis, nicht zuletzt aufgrund der immer öfter zu registrierenden verbalen Auseinandersetzungen auf dem Spielfeld. Dass ein heftiger Kabinen-Disput in der Pause des jüngsten Punktspiels in Rosenheim den Ausschlag zur Entlassung gegeben habe, wollte Altmann weder bestätigen noch dementieren. "Wir wollen jetzt keine schmutzige Wäsche waschen", erklärte der Grafinger Fußballchef: Weiß habe schließlich auch "tolle Sachen gemacht", "ein erstklassiges Training".

Allein am sportlichen Abschneiden - die Grafinger stehen mit acht Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz auf Rang neun - wollte Altmann die Kündigung nicht festmachen. "Mit einem neuen Trainer wollen wir der Mannschaft ein Zeichen setzen, für neue Ziele und Motivation sorgen. Als Spielertrainer ist das in dieser Klasse eben schwierig."

Altmann hatte schon vor geraumer Zeit kein Geheimnis daraus gemacht, dass er in personeller Hinsicht seine "Fühler in alle Richtungen" austrecken werde. Dem Vernehmen nach soll er fündig geworden sein. Auf die Frage, ob mit dem Ex-Löwen und ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig Martin Max ein Nachfolger für den Trainerposten bereits feststehe, reagierte Altmann nur kurz: "Kein Kommentar."

Für Hans Weiß kam die Entlassung dagegen eher überraschend. "Ich bin nicht einer, der angepasst ist. Vielleicht war ich nicht immer sachlich, aber im Fußball spielen auch Emotionen eine Rolle. Wenn man schaut, wo wir stehen, dann kann meine Vorgehensweise nicht gerade der verkehrte Weg gewesen sein." Er bedauerte, "dass aus Sicht der Vereinsführung atmosphärische Störungen zwischen mir und Teilen der Mannschaft" bestünden, die dazu geführt hätten, dass "einige Spieler mit einem Vereinswechsel kokettieren" würden. Weiß verwies auf die "nicht einfache Personalsituation", die "immer wieder schwierige Entscheidungen" notwendig gemacht habe, "die sicher nicht immer leicht nachzuvollziehen waren". Weiß: "Ich bin froh, mit der Mannschaft in den letzten vier Spielen eine wesentliche Verbesserung der Tabellensituation aber auch der läuferischen und spielerischen Elemente bewirkt zu haben."

Von Wolfgang Herfort

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