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Aktiv an allen Fronten: Johannes Oswald (hier beim letzten Heimspiel mit Zuschauern) hat ein extrem arbeitsreiches Jahr hinter sich.

Volleyball: Grafings Teammanager im Interview

Playoffs nach Winterpause? „Charmant!“

Grafings Teammanager Johannes Oswald, ein Multifunktionär, stellte sich den Fragen der Ebersberger Zeitung zum abgelaufenen Jahr der Zweitligavolleyballer des TSV und dem, was kommt.

Große Investitionen musste Johannes Oswald keine tätigen, als sich der Großteil seiner Arbeitswelt im Frühjahr ins Homeoffice verlagerte. Das Arbeitszimmer des stellvertretenden Grafinger Bürgermeisters war bereits startklar für die zahllosen Videokonferenzen, die der 29-jährige Multifunktionär wohl noch einige Zeit lang weiterführen wird. Auf kommunal- wie auf sportpolitischer Ebene. Allerdings denkt der Teammanager der Grafinger Zweitligavolleyballer im ausführlichen Jahresrückblick mit der Ebersberger Zeitungoffen darüber nach, ob er an den virtuellen Vorstandssitzungen der Volleyball Bundesliga (VBL) langfristig überhaupt noch teilnehmen möchte.

Herr Oswald, an wie vielen Web-Konferenzen haben Sie in den vergangenen zwölf Monaten teilgenommen?

Johannes Oswald: An unzähligen. (lacht) Im Landtagsbüro laufen seit dem Frühjahr alle Besprechungen nur noch online. Beim Volleyball hatten wir digitale Mannschaftsbesprechungen. Dazu die Konferenzen im VBL-Vorstand sowie in den Arbeitskreisen der Liga und natürlich die Fraktionssitzungen zur Vorbesprechung für die Stadtratssitzungen.

In welcher Funktion haben Sie vermutlich in Summe die meiste Zeit vor dem Rechner verbracht?

 Wenn man die normale Arbeit für das Landtagsbüro ausnimmt: im Verband und der Liga. Da ist es dieses Jahr extrem viel gewesen. Im Verein hatten wir ja die Möglichkeit, dass wir uns doch ab und zu gesehen haben.

An welchen Stellen hat das vergangene Jahr Ihre Arbeitswelt nachhaltig positiv und negativ beeinflusst?

Es ist schon ein Vorteil, dass ich mir im Homeoffice täglich eine Stunde Fahrt nach München hin und zurück spare. Diese Zeit kann ich jetzt besser nutzen. Genauso muss ich für die VBL-Vorstandssitzungen nicht mehr nach Berlin gurken. Aber ideal wäre eine Hybridlösung. Beim Verband werden wir auch in Zukunft öfter an den virtuellen Besprechungen festhalten. Im Landtag wird es aber wieder so wie vorher werden.

(...)

Wie hoch war für Sie die Arbeitsbelastung als Multifunktionär in entscheidenden Gremien? Und haben Sie zwischendurch daran gedacht, eines Ihrer Ämter aufzugeben?

Insgesamt sehr schwankend. Es gab sehr ruhige Wochen und dann wieder Killerwochen, meistens am Monatsanfang, wo abends eher zwei als eine Konferenz waren und dann noch Heimspieltage dazukamen. Unabhängig davon denke ich trotzdem darüber nach, eines der Ämter in der Volleyball-Richtung aufzugeben. Gerade auf der Vorstandsebene der VBL ist der Arbeitsaufwand und Input extrem geworden, er gibt mir aber nicht das zurück, was ich mir davon erhofft hatte. Ich dachte anfangs, mehr verändern zu können. Um die vorhandenen Strukturen aufzubrechen, fehlt gerade aber die Energie und beidseitige Bereitschaft.

Rathaus, Fraktion, Verein oder Verband – wo sitzen die Zoom-Spezialisten und wo die Techno-Saurier?

In der Fraktion haben wir das sehr gut hinbekommen und bei Verein und Verband funktioniert das auch gut. Im Rathaus durften wir uns ja treffen und haben den Rest über Telefon und Mail geregelt. Ansonsten hätten wir das unter den drei Bürgermeistern sicher auch gut hinbekommen. Der Stadtrat hat in der Stadthalle getagt.

Und nun zum Sport: Wie viele Wochenarbeitsstunden haben sich in diesem Jahr nur für die Grafinger Volleyballer angesammelt?

Schwankend. Vor Heimspielen eher 35 Stunden. In spielfreien Wochen auch nur mal zehn, fünfzehn. Die Auswärtsfahrten nicht mitgerechnet, weil die sich wie ein Hobby anfühlen. Die genieße ich gerade eher noch intensiver, weil man rauskommt, es sportlich gut läuft, Trainerteam und Spieler mir viel zurückgeben und da einfach eine tolle Gemeinschaft unterwegs ist. Wir wissen dieses Privileg zu schätzen.

Nachdem die vergangene Zweitligasaison Mitte März abgebrochen wurde, haben Sie einen Restart ohne Zuschauer für Grafing anfangs kategorisch ausgeschlossen. Wie lange kann die Abteilung ohne Zuschauereinnahmen überleben und wie groß ist der Einnahmenverlust bereits jetzt?

Das kann ich nicht genau beziffern. Pro Heimspiel fehlen uns ungefähr 2000 Euro an Spieltagseinnahmen aus Eintrittsgeldern, Essensverkauf und so weiter. Gleichzeitig ist der Aufwand durch die Tests gestiegen, nämlich acht Euro pro Person und Spieltag bei circa 20 aktiv Beteiligten. Diese Saison bringen wir schon zu Ende – je nachdem ob wir spielen dürfen – da uns die Sponsoren sehr treu geblieben sind. Dass ein paar von ihnen coronabedingt nicht mehr können, tut uns schon mehr weh, aber wir fordern da auch nichts.

Und die Spielergehälter?

Diesen finanziellen Aufwand haben wir komplett zurückgefahren. Die Spieler verzichten in dieser Saison freiwillig sogar auf ihre minimale Aufwandsentschädigung und unser Trainer (Markus Zymmara, Anm. d. Red.) arbeitet tatsächlich ehrenamtlich. Alle stehen da gemeinsam total zurück, sonst würde es auch nicht funktionieren.

(...)

Als VBL-Vize haben Sie die Saisonunterbrechung bis zum 10. Januar mitgetragen. Als TSV-Funktionär wollten Sie unbedingt bis Weihnachten weiterspielen. Eine Niederlage gegen sich selbst?

Nein, eine Niederlage eher nicht. Das war eine demokratische Entscheidung, die muss man hinnehmen. Als Sprecher der Arbeitskreise habe ich ja selbst für die Unterbrechung gestimmt, weil die Stimmung intern so war. Persönlich hätte ich anders gestimmt, weil ich das Infektionsrisiko an einem Spieltag nicht sehe, da es ein umfangreiches Testszenario und Hygienekonzept gibt. Die Grafinger Belange werden bei solchen Entscheidungen aber hinten angestellt, da ich als Zweitligasprecher schon versuche, immer im Sinne der Südstaffel abzustimmen.

Stand heute: Glauben Sie, dass die aktuelle Spielzeit sportlich und mit allen Partien zu Ende gespielt wird?

Theoretisch ist das aktuell mit Doppelspieltagen noch möglich. Es gibt einen harten Kern von Teams in der 2. Liga Süd, der die Saison auch zu Ende bringen will. Eine Möglichkeit wäre, am Spielmodus etwas zu drehen, beispielsweise mit Playoff-Runden an den Wochenenden.

Würden Sie den Playoff-Modus persönlich den Doppelspieltagen vorziehen?

Ich fände das schon charmant. Für mich hat oberste Priorität, dass die Saison Ende April zu Ende ist. Mit unserem funktionierenden Hygienekonzept haben wir doch gerade den riesigen Vorteil, dass wir in dieser Situation überhaupt spielen dürfen. Den Stichtag 2. Mai für die Einreichung der Lizenzunterlagen, können wir nicht zu weit nach hinten schieben. Außerdem hatten wir im vergangenen Sommer schon kaum eine Beachsaison, und wir brauchen die Zeit auch, um Planungssicherheit für die Folgesaison zu gewinnen.

(...)

Haben Sie deshalb ganz bestimmte Neujahrswünsche? Vielleicht in Richtung der neuen Turnhalle im geplanten Berufsschulzentrum?

Ich glaube, an der Halle wurde schon wieder gekürzt und der Baubeginn nach hinten verschoben. Von der ersten Liga will ich aktuell aber nicht sprechen, weil sich dafür unser Umfeld komplett ändern müsste und uns wie beschrieben gerade andere Sorgen umtreiben. Wenn man uns jedoch die Erstliga-Perspektive nehmen würde, wäre das schon bitter. Konkret wünsche ich mir, dass das Virus an uns allen ohne große Nachwirkungen vorübergeht – das ist aktuell das Wichtigste.

Das Interview führte Julian Betzl

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