Einschwören vor dem Heimspiel: Als Trainer steuert Laszlo Ziegler derzeit die Frauenmannschaft des TSV Aßling auch per Taktiktafel
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Einschwören vor dem Heimspiel: Als Trainer steuert Laszlo Ziegler derzeit die Frauenmannschaft des TSV Aßling auch per Taktiktafel

Coach der Bezirksliga Frauen des TSV Aßling

Laszlo Ziegler: Die Gastfreundschaft ist hier größer als in München

  • vonJulian Betzl
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Laszlo Ziegler spielte in seiner aktiven Zeit lange im Münchner Raum. Als Trainer bevorzugt er die Salzacher Gegend, unter anderem wegen der höheren Gastfreundschaft.

Aßling/Grafing – „Wenn du gerne Fußball spielst, dann willst du natürlich auch mal auf einem Teppich wie in Heimstetten spielen“, sagt Laszlo Ziegler. Für einen leidenschaftlichen Advokaten der gelebten Amateurfußballromantik wie sie der 33-jährige Aßlinger Zeit seiner frühesten Ballberührungen zelebriert, spielen andererseits die äußeren Werte einer Sportanlage oft sogar eine wichtigere Rolle.

„Da sind mir eindeutig die Spielgruppen in Richtung Berge am liebsten, wo die Plätze oft alt sind, dafür aber meistens vom schönen Bergpanorama umgeben sind.“ Auf einer eingezäunten Münchner Bezirkssportanlage komme einfach nicht ansatzweise „so ein Feeling“ auf, wie beispielsweise im pittoresken Oberaudorf. Und sei der Stadtplatz noch so viel besser in Schuss.

Ziegler: Die Gastfreundschaft hier ist einfach größer

Zieglers Hang zum Berg verwundert nicht. Einen gewissen Antrieb zum Aufstieg muss schließlich jedes Kind als Voraussetzung mitbringen, welches die fußballerische Grundausbildung beim TSV Aßling hoch droben auf dem Büchsenberg genießen will. Ein weiteres Qualitätsmerkmal des Inn/Salzach-Spielkreises hat Laszlo Ziegler im Erwachsenenalter, erst als Spieler, mittlerweile als Trainer der Aßlinger Bezirksliga-Frauen, schätzen gelernt: „Ich empfinde eine viel größere Gastfreundschaft der anderen Vereine, im Vergleich zum Münchner Raum. Vielleicht, weil die Fluktuation der Spieler Richtung München mehr zunimmt.“ Ein gemeinsames Feierabendbierchen nach Spielende habe mit den Aßlinger Herren in Bad Feilnbach auf der Terrasse am Platz ungeachtet des Spielausgangs noch immer dazugehört. „Auch unter den Trainern habe ich jetzt viel mehr Kontakte Richtung Salzach als nach München.“

Was nicht daran liegt, dass er den Stadtkreis nie richtig kennengelernt hätte. Sechs Jahre lang, von 2012 bis 2018 trug Ziegler im offensiven Mittelfeld des TSV Grafing in diversen Münchner Spielklassen den Bären auf der Brust und spricht rückblickend sogar von seiner „schönsten Zeit als Fußballer“. Unter der Grafinger Trainer-Ikone Günther Lehner entwickelte sich Ziegler 2013/14, in der erfolgreichsten Spielzeit der Bärenstädter nach dem Bezirksliga-Abstieg 2010, zum Stammspieler. Nach sechs Relegationsspielen scheiterte der Vizemeister am Aufstieg.

Ziegler: Die Münchner Teams versuchen mehr Fußball zu spielen

Aus seinen rund 160 Einsätzen in Kreisliga sowie A- und Kreisklasse mit den Grafingern in den Münchner Spielgruppen hat Laszlo Ziegler im Vergleich mit dem Rosenheimer Raum gelernt: „Die Münchner Teams versuchen zumindest mehr Fußball zu spielen. Dagegen spielt das Kämpferische in den Inn/Salzach-Gruppen eine viel größere Rolle. Bei den Frauen ist das aber nochmal ein anderes Kapitel, weil da ortsunabhängig bei allen Mannschaften der Fußball und das Durchbringen der eigenen Taktik Priorität hat.“ Nach seiner Heimkehr auf den Büchsenberg habe sich dieser Eindruck in diversen Pokalspielen gegen die nördlicheren Landkreis-Mannschaften erhärtet. „Wir haben immer erst mal versucht, sie über den Kampf zu besiegen.“

Wenn Ziegler so darüber nachdenkt, stellt er fest, dass der Bewegungsradius der Aßlinger Fußballmannschaften in Richtung Kreisstadt eigentlich bereits in Grafing endet. „Wir hatten nicht einmal über Freundschaftsspiele eine Verbindung in den Norden des Landkreises. Man hat Teams wie Poing oder Forst-inning höchstens mal im Pokal getroffen.“

Ziegler. Wunsch nach Renaissance des Hallenzaubers

Umso wertvoller sei für ihn die Zeit in der Bärenstadt, sieben Kilometer die Attel flussaufwärts, gewesen. „Gerade im Winter 2020, bei einem AH-Turnier, war es so schön, die Jungs aus Zorneding oder Pliening wiederzutreffen, gegen die wir mit der Grafinger Zweiten gespielt haben – und dabei festzustellen, wie krass es ist, dass wir jetzt schon AH spielen.“ Charakterköpfe, die ihre Spielkreise nachhaltig geprägt haben, hat Laszlo Ziegler also auf beiden Seiten kennengelernt.

Während im Inn/Salzach-Raum eher die Trainer wie Franz Pritzl oder Harald „Burle“ Melnik „Legendenstatus“ genießen würden, „kennt im Ebersberger Raum eigentlich jeder die Namen Peter Ühlein, Felix Richter, Michael Wöhry oder Michael Steppan, um nur einige zu nennen“.

Über allem schwebt für Ziegler im Landkreisfußball aber das Vater-Sohn-Duo Petar und Slaven Jokic, die in unterschiedlichen Funktionen auch das einstige Hallen-Highlight in der Grafinger Jahnsporthalle mitprägten. Die inoffiziellen Hallenkreismeisterschaften, die früher immer Anfang Januar über zwei Tage vor vollen Rängen ausgetragen wurden, würde Ziegler zu gerne noch einmal in neuem Glanz erstrahlen sehen. Im Stellenwert angelehnt an den Rosenheimer Sparkassenpokal.

„Heute nutzen viele Vereine die Verletzungsgefahr als Ausrede dafür, dass sie nicht die Startgebühr zahlen und nach drei Spielen schon wieder ausscheiden wollen. Die Unterschiede zwischen Bezirksliga und A-Klasse sind zu groß“, meint der 33-jährige Laszlo Ziegler. „Früher war das egal. Es wurde notfalls mit A-Junioren gespielt. Man war einfach heiß drauf, zu zocken.“

(Julian Betzl)

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