Das Mikro fest in der Hand: Martin Piller war einst Stadionsprecher in Haching und ist nun Radiokommentator.
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Das Mikro fest in der Hand: Martin Piller war einst Stadionsprecher in Haching und ist nun Radiokommentator.

33-jähriger Markt Schwabener kommentiert Fußballspiele für Radio und TV

Martin Piller: Aus Leidenschaft wurde der Beruf

  • vonOlaf Heid
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Martin Piller hat geschafft, wovon viele Kinder träumen. Er verdient sein Geld in den Fußballstadien dieses Landes. Als Kommentator ist er für Radio und TV im Einsatz.

Markt Schwaben – Viele Kinder träumen davon, im späteren Leben an jedem Wochenende in einem anderen Fußballstadion ihre Brötchen zu verdienen. Martin Piller aus Markt Schwaben hat das geschafft – mit Radio, intensiver Vorbereitung und einem „Mordanschlag“.

Am Freitagabend auf der Tribüne in Würzburg sitzen, am Samstag in München die Drittliga-Konferenz moderieren und am Sonntag ein Spiel fürs Radio in Ismaning kommentieren: So sieht für Martin Piller ein Wochenende aus, das seiner Meinung nach das Prädikat „Cool“ verdient hat.

Über die SpVgg Unterhaching zu Magenta Sport und Amazon

Der 33-jährige Markt Schwabener ist seit sieben Jahren professioneller Moderator. Er startete bei m94.5. Der Münchner Ausbildungs-Radiosender ist Medienpartner der SpVgg Unterhaching. Der fußballaffine Piller kümmerte sich mit einem Kollegen um das Fanradio und berichtete live von den Heim- und einigen Auswärtsspielen. Nach kurzer Zeit war er sogar Stadionsprecher der Spielvereinigung und moderierte das Online-Format „HachingTV“.

Von dort ging es dann rasant: Magenta Sport (Telekom) bekam 2017 die Rechte für die 3. Liga. Über „Kollegen und Sportfreunde“ (Piller) kam er zuerst dort ins Gespräch, etwas später buchte ihn Amazon für den Radiokommentar der Champions- und Europa-League, sowie der 1. und 2. Fußball-Bundesliga.

Piller: „Fernsehen bedeutet mehr Vorbereitung als Radio“

„Fernsehen bedeutet mehr Vorbereitung als Radio“, sagt Piller. „Im Radio muss ich erzählen was passiert. Im TV braucht man deutlich mehr Extra-Infos.“ So liegen bei jedem Fernsehspiel sechs handgeschriebene Blätter auf seinem Kommentatorenplatz. Neben den gängigen Statistik-Daten versucht er im Vorhinein auch ungewöhnliche Fragen zu stellen. Um diese zu beantworten, geht er auch mal in die Fankurve.

„Die Fans bereiten sich oft tagelang und intensiv auf Aktionen vor und tragen so maßgeblich zur Atmosphäre im Stadion bei. So etwas stelle ich in der Berichterstattung gerne heraus.“ Die Fan-Beauftragten seien vor dem Spielbeginn genauso gesprächsbereit, wie die Coaches der Teams: „Ich versuche immer, beide Trainer zu erwischen. Sie sind die besten aller Quellen. Vielleicht hat sich kurzfristig noch etwas an der Aufstellung geändert.“

Derby als Highlight

Ein besonderes Highlight war für Piller bislang das Derby der Reserve der „Roten“, des FC Bayern, gegen die „Blauen“, den TSV 1860 München. „Da hatten wir verständlicherweise Rekord-Einschaltquoten“, sagt Piller nicht ganz ohne Stolz.

Immer gerne fährt er auch nach Ingolstadt (Piller lachend: „Da krieg ich Kuchen.“). Und dort kam es auch zu einer kuriosen Geschichte. Im Duell mit den Münchner Löwen ging Ingolstadts Mittelfeldspieler Maximilian Beister sehr hart in einen Zweikampf. Piller kommentierte die Szene sofort: „Das ist ja ein Mordanschlag!“ Kaum ausgesprochen kam die Empfehlung aus der Regie, den „Mordanschlag“ zu relativieren – was Piller nur wenige Sekunden später erledigte. Zu spät für die Lokalpresse: Sie betitelte Beisters Einsteigen mit Pillers Worten. „Ich habe ihn dann angerufen und mich erklärt. Er war zuerst sauer, wir haben uns aber ausgesprochen. Ein sehr netter Typ!“, fasst Piller die Geschichte zusammen.

Übelste Beschimpfungen in den Kommentaren

Emotionen, damit muss der Fußballkommentator aus dem Landkreis umgehen können. Die Kommentare unter den Online-Videos seiner Spiele zu lesen, hat er mittlerweile aufgegeben: „Das ist kein konstruktives Feedback. Es wird zum Teil aufs Übelste über Kommentatoren geschimpft“, so Piller, der dabei einen Zusammenhang mit dem Ausgang der Partie sieht: „Nur, wenn das eigene Team verliert.“

Seine Vergangenheit als Stadionsprecher der SpVgg Unterhaching spielt Jahre später manchmal immer noch eine Rolle: „Ein entfernter Bekannter sagte mal einem meiner Freunde, dass man am Sonntag in jedem meiner Worte gemerkt hätte, dass ich eine rote Dreckssau wäre“, erzählt Piller, der sich wundern musste: „Ich hatte das Spiel, von dem er sprach, gar nicht kommentiert.“

Abhalten würden ihn solche despektierlichen Aussagen nicht. Der Markt Schwabener Fußball-Liebhaber hat große Pläne: „Ein Traum wäre natürlich, einmal das Derby der großen Bayern gegen Sechzig zu kommentieren.“ Aber auch andere Veranstaltungsarten findet der freie Moderator attraktiv, den man für entsprechende Aufträge über seine Internetseite (www.martin-piller.de) anfragen kann.

Am liebsten würde der 33-Jährige jedes Wochenende aus einem Stadion kommentieren. „Dann bin ich glücklich.“ Martin Piller hat aus seiner Leidenschaft seinen Beruf gemacht. Auch wenn sich dieser aufgrund der Corona-Krise derzeit im Wartemodus befindet.

Text: Olaf Heid

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