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War im Profi-Bereich der Fußballer tätig und trainiert jetzt den Kreisligisten SV Hohenlinden: Ralf Santelli (r.) weiß, wie er motivieren und seine Spieler besser machen kann.

Ex-Bundesliga Trainer im Amateurbereich

Mit Ralf Santelli hat der SV Hohenlinden einen Profi an der Seitenlinie

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Eigentlich arbeitet Ralf Santelli mit gestandenen Fußballprofis zusammen. Als Trainer des SV Hohenlinden hat er es zumindest mit gestandenen Männern zu tun– die sich unter seiner professionellen Anleitung fußballerisch bestens entwickeln.

Es ist einfach, ein Glas mit Wasser zu füllen. „Aber wenn du nicht erkennst, wann das Glas voll ist und immer weiterschüttest, wird es überlaufen“, sagt Ralf Santelli, dessen beeindruckende sportliche Vita im ersten Moment nicht zu seiner aktuellen Trainerstation passt. „Ich habe gelernt, immer nur so viel preis zu geben, wie es die Mannschaft braucht und auch versteht.“

Seit 25 Jahren beschäftigt sich der 50-Jährige intensiv mit dem Sport. Er ist Sportlehrer, Sportwissenschaftler, Sporttherapeut und UEFA-Fußballlehrer. Seinen Trainerkollegen wie Mirko Slomka oder Ralf Ragnick gab er als Assistent detailliertes Feedback in großem Umfang. Sein Erfolg ließ sich messen: Santelli stieg mit Hannover 96 und dem SSV Ulm in die erste Bundesliga auf. Etwas später schaffte er als Cheftrainer des SV Wacker Burghausen den Klassenerhalt und qualifizierte sich für den DFB-Pokal. Insbesondere in Burghausen sammelte Santelli viel Erfahrung: „Ich hatte in Stresssituationen, zum Beispiel nach Niederlagen, sofort ein Mikrofon vor der Nase. Da kannst du am nächsten Tag nicht zurückrudern und sagen, dass du das eigentlich ganz anders gemeint hast“, so Santelli. Dabei profitierte er von seiner Zeit beim Sportartikelhersteller Adidas, bei dem er sich als Referent rhetorisch weiterbilden konnte.

Geschulter Blick

Nach vielen weiteren Stationen im Profi-(Nachwuchs-)Bereich hat sich Santelli mittlerweile selbstständig gemacht. Er arbeitet als Trainer, Therapeut und bietet mit seiner Firma AmaTrack Datenerfassung- und Interpretation im Bereich Fußball.

„Ich habe meine Erfahrungen aus dem Leistungssport genommen und auf den Amateurfußball runtergebrochen.“ Und hier gilt seine Wasserglas-Metapher: die Spieler des SV Hohenlinden überlädt er nicht mit den Daten, die er in Training und Spiel erfasst. „Das würde sie überfordern“, meint Santelli, ohne despektierlich sein zu wollen. „Es gibt keinen großen Unterschied zwischen Leistungs- und Breitensport. Bei beiden wird Leistung abgerufen – allerdings auf einem anderen Level“, weiß der erfahrene Coach.

Die über das Tracking gewonnenen Daten setzt er punktuell ein: „Ich zeige einem Stürmer seine Beschleunigungswerte. Daraus geht vielleicht hervor, dass er zehn Sprints zu wenig gemacht hat. Machen das mehrere Spieler, fehlen dir 60, 70 Sprints im Spiel.“

Mit diesem Input könnten seine Kreisligisten gut umgehen, weil seinem qualitativen Feedback auch quantitative Daten zugrunde liegen. Denn auch die Spielbeobachtung müsse gelernt sein: „Man merkt es immer wieder beim Videobeweis: Wir haben die gleichen Bilder zur Verfügung, aber diskutieren darüber, was wir gesehen haben wollen.“

Durch seine zahlreichen Stationen als Trainer, Assistent und Scout habe er seinen eigenen Blick geschult. Und erkennt beim SV Hohenlinden noch großes Potential: „Man sieht das nicht nur am dritten Tabellenplatz, sondern daran, wie wir spielen und auftreten. Wir haben letztes Jahr taktisch gut begonnen und haben jetzt auch in der Defensive mehr Stabilität.“

Auch den Aufstieg in die Bezirksliga hält Santelli für möglich: „Wenn wir gut aus der Winterpause kommen, dann werden wir uns nicht dagegen wehren.“ Er wird seine Hohenlindener Fußballer auch weiterhin Training für Training intensiv fordern – ohne das Glas überlaufen zu lassen.

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