Christian Rauch (l.) als Co-Trainer und Christian Rickhoff als Chefcoach übernehmen beim SV Anzing das Sagen bei der Kreisliga-Mannschaft.
+
Christian Rauch (l.) als Co-Trainer und Christian Rickhoff als Chefcoach übernehmen beim SV Anzing das Sagen bei der Kreisliga-Mannschaft.

Nach Krebserkrankung wieder zurück

SV Anzing: Christian Rauch wird Co-Trainer - „Mein Herz hat Hurra geschrien“ 

  • vonJulian Betzl
    schließen

Als die Anzinger Abteilungsleitung bei ihm anfragte, wägte er zunächst ab. Am Ende folgte er seinem Herz und nahm den Co-Trainer-Posten an.

Anzing – Als Fußballer hat Christian Rauch um die Jahrtausendwende, insbesondere in den glorreichen Zeiten der Markt Schwabener Falken, die Höhen und Tiefen des gehobenen Amateurbereichs miterlebt. Den Höhenflug der Falken von der Bezirksoberliga über die Landesliga in die Oberliga Bayern genauso wie den Sinkflug mit dem FC Aschheim aus der Bezirksoberliga. „Ich kenne mich also mit hohen Ansprüchen und beiden Seiten aus.“

Bei seinem Heimatverein SV Anzing trug der 41-jährige Neufarner sowohl das schwarz-weiße Dress mit der Rückennummer 16 („daher der Spitzname CR16“) als auch sechs Jahre lang die Verantwortung als Jugendtrainer und stellvertretender Abteilungsleiter, bis er sich 2017 aus dem aktiven Vereinsleben zurückzog. Zeit für neue Impulse, fand der Familienvater. Für den Verein und sein Privatleben.

Christian Rauch: Fußballverrückt trotz Krebs

Vor einem Jahr erkrankte Rauch schwer an Krebs und merkte als passionierter Kicker, dass er selbst im Krankenhausbett nicht vom runden Leder lassen konnte. Über Print- und Onlinemedien blieb er stets auf dem Laufenden, was sich im regionalen Sportgeschehen bewegte. „Auch das eine oder andere Spiel auf Sporttotal habe ich mir angeschaut.“

Dass sich der heute 30-jährige Poinger Christian Rickhoff seinen Spitznamen „CR7“ auf den Bezirksligaplätzen nachweislich durch eine konstant zuverlässige Torquote beim FC Finsing verdiente, blieb Christian Rauch also keineswegs verborgen. „Wir haben ja auch auf dem Platz schon gegeneinander gespielt, und für den Verein war er wohl schon länger ein Wunschkandidat“, war Rauch dennoch überrascht, als Rickhoff kürzlich bei ihm vorstellig wurde und ihm die Kabinentür zum aktiven Vereinsleben plötzlich wieder offenstand. „Nach meiner langen Krankheitszeit habe ich nicht gewusst, ob ich diese Kabinen-Atmosphäre nochmal erleben darf. Die Stimmung, den Schweiß, das Stollengeklapper.“

Rauch und Rickhoff mit vielen Parallelen

Seinem Herzensaufschrei gab Rauch nicht impulsiv nach. In mehreren Unterredungen steckten die beiden CRs ihre jeweiligen Vorstellung auf und ums Grün genauestens ab – und stießen auf erstaunlich viele Parallelen: „Beide haben Bankkaufmann gelernt, beide sind jetzt Projektmanager, beide Frauen heißen Steffi und haben Fußball gespielt. Dass es auch auf dieser Ebene passen könnte, haben wir aber erst entdeckt, nachdem es schon inhaltlich gepasst hat.“ Und rein sachlich legt Rauch auf die Rollenverteilung besonders großen Wert: „Christian Rickhoff ist hier der ganz entscheidende Mann. Persönlich hat er den Verein und mich überzeugt, dass er als Typ super nach Anzing passt.“

Da er die – gerade am Spieltag – gespaltene Rolle eines Spielertrainers aus eigener Erfahrung kenne und um ihre Schwierigkeit weiß, sieht Christian Rauch seine Hauptaufgabe künftig darin, Rickhoff organisatorisch-delegierend den Rücken frei und am Spielfeldrand den Überblick zu behalten. „Beim Spielertrainer war ich schon immer von der Zweier-Konstruktion überzeugt.“

Zurück zur Normailität

In der Startphase gehe es nun für das neue Trainergespann darum, zur „Normalität“ und dem Spaß des Kreisligafußballs zurückzukehren. „Immer unter dem Deckmantel von Corona, muss der Fußball für die Spieler möglichst verletzungsfrei wieder zu einer Priorität werden. In der Liga dürfen wir dann hinten nicht in den Abstiegsstrudel reinrutschen.“

Von den Begleitumständen einer Rückkehr zum Ligaalltag hänge sportlich auch die mittel- und langfristige Perspektive der Anzinger Herren ab. Eigengewächse wie Adrian und Kilian Blumberg, Andi Schmid oder Tim Lehrmann hat Christian Rauch bereits in der A-Jugend mitgeformt. Er glaubt: „In dieser jungen Mannschaft steckt immenses Potenzial drin. Das Team hat sich in den letzten Jahren toll entwickelt, was ich auch beim letzten Heimspiel gegen Srbija sehen konnte. Mittelfristig ist auf alle Fälle mehr drin, als nur gegen den Abstieg zu spielen.“

Christian Rauch erfüllt sich seinen Wunsch

Das große Entwicklungspotenzial hat für Rauchs Kopfentscheidung zur Zusage des Co-Trainer-Postens eine wichtige Rolle gespielt. „Ein Wunsch, den ich in meiner Krankheitszeit für mich persönlich definiert habe, war es, noch einmal Trainer sein zu können. Dass das jetzt so überraschend ausgerechnet in Anzing klappt, ist einfach mega für mich!“ JULIAN BETZL

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare