Legt Wert auf den Teamspirit, wenn er demnächst als Spielertrainer für den SV Anzing antritt: Christian Rickhoff. 
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Legt Wert auf den Teamspirit, wenn er demnächst als Spielertrainer für den SV Anzing antritt: Christian Rickhoff. 

Spielertrainer legt Wert auf Gemeinschaft

SV Anzing: Christian Rickhoff kommt als Spielertrainer

  • vonJulian Betzl
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Der SV Anzing verpflichtet Christian Rickhoff als Spielertrainer. Für den ehemaligen Finsinger ist die Gemeinschaft genauso wichtig wie Konditionstraining.

Landsham – „Kreisligafußball ist …“ leitet in den sozialen Netzwerken seit Jahren ein Sammelsurium an Anekdoten, Typologien und Bildmaterial ein, das besonders amüsante Unzulänglichkeiten der unteren Amateurklassen in Deutschland abbilden soll. Ein Beispiel: „Kreisligafußball ist, wenn ein Spieler in der Winterpause wechseln will, der Verein seinen Pass aber nicht rausrückt, weil der Spieler im Vereinsheim noch einen Deckel offen hat.“ Im Kern solcher Bonmots wird ein Teil der Fußball-Folklore abgefeiert, auf den Christian Rickhoff großen Wert legt, wenn er endlich seinen neuen Posten als Spielertrainer des SV Anzing antreten kann: Gemeinschaftsleben über den Rasen hinaus. Für den 30-jährigen Angreifer ist das „Hockenbleiben“ nach dem Abschlusstraining oder Spiel so entscheidend für die Mannschaftsmoral wie Laufeinheiten für die Grundlagenausdauer. „Gerade für mich als neuen Trainer ist es ja wichtig, dass ich von den Spielern erfahre, wie sie sich gewisse Dinge vorstellen. Auf dem Trainingsplatz hast du nicht die Zeit, groß zu diskutieren. Da gehört es dazu, dass man einmal in der Woche geschlossen in Privatklamotten zusammensitzt und sich bespricht.“ 15 Minuten oder länger, auf die Dauer komme es dabei nur bedingt an. Vielmehr gehe es heutzutage, insbesondere für die älteren Spieler darum, diesen Ausdruck des Zusammenhalts „vorzuleben“.

Christian Rickhoff: Spitzname „CR7“

So wie es Rickhoff einst selbst als gebürtiger Landshamer in seinem letzten Juniorenjahr bei den Herren des TSV Pliening-Landsham und später beim FC Finsing vorgelebt bekam. Als A-Junior mit Ambitionen verabschiedete sich Rickhoff, Spitznamen „CR7“, 2011 nach ein paar Einsätzen in der Kreisklasse aus seiner Heimatgemeinde, weil es ihm „zu chaotisch“ zuging. „Das war jedes Wochenende ein Ringen um elf Leute. Und im Training waren meistens nur sieben Hanseln da.“ Also machte er die vier Kilometer über die Landkreisgrenze rüber zum FC Finsing.

Dort ging es in seinen ersten zwei Kreisliga-Jahren unter Trainer Borislav „Bobo“ Vujanovic (heute FC Ebersberg) ab und an allerdings auch wild zu. „Ein paar Jungs waren am Spieltag noch beim Frühschoppen, haben sich im Spiel aber richtig reingehauen und sind ordentlich reingerumpelt“, würde Rickhoff eine derartige Spielvorbereitung in Anzing zwar nicht mehr durchgehen lassen. „Aber in den Donau/Isar-Kreisligen kommen eben mehr Mannschaften über die Gemeinschaft und das Körperliche. Wenn das funktioniert und du noch zwei, drei klasse Kicker dabei hast, spielst du auch mal um den Aufstieg mit.“

Rickhoff: Aufstieg mit dem Heimatverein als Spieler

Bezeichnend fürs Finsinger Wohlfühlklima empfand Rickhoff die freitäglichen Mannschaftsbesprechungen, wo wechselweise zwei, drei Spieler für die Verköstigung von 40 Mann sorgten. Da sei man automatisch länger hocken geblieben. Trotzdem zog es Rickhoff 2013 für ein kurzes Intermezzo in seinen Ausbildungsverein zurück. Anlass war eine günstige Verkettung von Umständen aus Freundschaften, Studium und Trainingsaufwand. Nur wollten die Plieninger mit ihrem Spielertrainer Adem Yildiz „wieder einmal mehr sein als der Verein an sich aber hergegeben hat“. Dank der Tore von Yildiz, Rickhoff und Kadri Kuci stiegen die Plieninger als Vizemeister in die Kreisklasse auf.

Die weiterhin überschaubare Trainingsbereitschaft machte Rickhoff den zweiten Abschied nach Finsing dafür umso leichter. „Fußballerisch habe ich aus dieser Zeit nicht viel mitgenommen.“

Sozial habe sich dennoch ein „bunter Kern“ herausgeschält, der sich bis heute an jedem Freitag vor Weihnachten am Münchner Marienplatz auf eine Glühweinrallye trifft.

Ansonsten sei für den Landshamer nach dem Neuanfang in der C-Klasse – mit Ausnahme von Christian König – inzwischen gar kein Bezug mehr zu der Plieninger Truppe vorhanden.

Rickhoff: Vorfreude auf die Anzinger Anlage

Zurück in Finsing feierte Rickhoff auf Anhieb den Aufstieg in die Bezirksliga Oberbayern Nord, wo es besonders heiß bei den Derbys mit Moosinning herging. Sein sportliches „Nonplusultra“ fand „CR7“ jedoch in den Geislinger Ängern. „Es gibt einfach nichts Schöneres, als beim FC Erding zu gewinnen und anschließend mit 60 mitgereisten Finsingern nebenan aufs Volksfest zu gehen.“

Ob ihn in Anzing vergleichbare Rivalitäten und Schmankerl-Spiele erwarten, interessiert Christian Rickhoff (noch) nicht wirklich. „Da wird man dann schon rechtzeitig aus dem Verein heraus drauf hingewiesen, dass man beispielsweise ein Derby gegen Hohenlinden keinesfalls verlieren darf. Aber wenn ich mir die Megaanlage hier so anschaue, freue ich mich am meisten auf unsere Heimspiele.“

Darunter interessante Duelle mit technisch versierten Mannschaften wie SK Srbija oder ATSV Kirchseeon. „Auf dem kleinen Kirchseeoner Kunstrasen haben wir mit Finsing in der Vorbereitung richtig auf die Mütze bekommen.“ Im Gegensatz zum Münchner Raum, unterscheide sich die durchschnittliche Ebersberger Spielweise kaum von der der Erdinger: „Drei, vier Vereine, die mit Geld gute Einzelspieler locken, die Spiele gewinnen können, spielen gegen den Rest, der eher körperlich dagegenhält.“ Somit wird besagter Zusammenhalt unverzichtbar. „Aber die Spielergenerationen ändern sich.“

Rickhoff: Zusammenhalt vorleben

In Finsing hat Rickhoff beobachtet, dass sich der Nachwuchs seit drei, vier Jahren zunehmend vorzeitig verabschiedet, wenn die Sitzungen nicht komplett ausfallen. „Die Jungen trinken nicht mehr zwei bis vier Bier mit, sondern ziehen eher in die Erdinger Clubs weiter.“

Ein verbindliches Stammtisch-Gebot wäre in Anzing dem Vernehmen nach überflüssig. Für gewisse Grundprinzipien wird sich Christian Rickhoff aber schon einsetzen. Ihm bedeutet Kreisligafußball banal gesagt auch, „dass es selbstverständlich ist, wenn die Erste der Zweiten zuschaut und umgekehrt“.

(Julian Betzl)

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