Er blickt mit Wehmut zurück: Pero Knezevic hat seinen Vertrag beim Kreisligisten SV Hohenlinden aufgelöst.
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Er blickt mit Wehmut zurück: Pero Knezevic hat seinen Vertrag beim Kreisligisten SV Hohenlinden aufgelöst.

Abschied vom SV Hohenlinden nach nur 270 Spielminuten aus privaten Gründen

SV Hohenlinden: Trainer Pero Knezevic löst seinen Vertrag auf

  • vonJulian Betzl
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  • Olaf Heid
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Mit Pero Knezevic sollte beim SV Hohenlinden ein Neuanfang vorangetrieben werden. Nun hat der Trainer nach nur 270 Spielminuten seinen Vertrag aufgelöst.

Hohenlinden „Gerade jetzt, wo man allein zuhause sitzt, merkt man, wie wichtig Vereine und Mannschaftssportarten für unser Wohl und die geistige Gesundheit sind.“ Als reflektierter Trainer, der sich auch gesellschaftlich mal nach links und rechts umschaut, ist Pero Knezevic schon länger bekannt. Nur schimmert in seiner Reflexion vor dem Hintergrund der Corona-Krise zwischen den Zeilen auch ein bisschen Wehmut durch; im Kontext seines überraschenden Abschieds aus Hohenlinden vielleicht sogar ein Hauch verletzter Trainer-Stolz.

„Ich habe die Ambition, mit dem Verein die Relegation zu erreichen. Sonst hätte es den Trainerwechsel ja nicht gebraucht“, lautete der klare Marschbefehl des 37-Jährigen bei seiner Verpflichtung vor gut drei Monaten. Nach einer ziemlich aufsehenerregenden Transferperiode im vergangenen Sommer trat in Folge eines dauerhaften Kompetenzgerangels im Winter fast die gesamte Abteilungsleitung des SV Hohenlinden zurück – einschließlich des langjährigen Lenkers und Geldgebers Ludwig Attenberger – und hinterließ Interims-Chef Theo Falterer einen Scherbenhaufen in der Führungsetage des Klubs, an dem er bis heute kehrt.

Knezevic sollte Neuanfang für den SV Hohenlinden vorantreiben

Sportlich sollte die Anstellung von Knezevic zumindest im Hohenlindener Herrenbereich einen Neuanfang und den Aufbruch in ruhigeres Fahrwasser andeuten, wenngleich sie schriftlich zunächst nur bis zum 1. Juni geschlossen wurde. Irgendwie hakte es bei dem kurzen Gastspiel des ehemaligen Schwaiger und Ebersberger Trainers aber schon von Beginn an: Erst fehlte Knezevic in der Vorbereitung krankheitsbedingt selbst auf dem Platz, dann hatte er nur einen Mini-Kader zur Verfügung, nachdem die Verpflichtung dreier Neuzugänge im letzten Moment ins Wasser gefallen war.

Faktisch stand Knezevic nur 270 Spielminuten lang an der SVH-Seitenlinie. Angefangen mit einem 3:2-Testspielsieg gegen Untermenzing, gefolgt von einer 5:6 (1:1)-Niederlage im Kreispokal nach Elfmeterschießen gegen den SV Waldeck-Obermenzing, beschlossen mit dem 2:2-Punktspielauftakt gegen Ottobrunn. Dann kam die Saisonunterbrechung.

Vertragsauflösung aus privaten Gründen

„Wenn man das Elfmeterschießen nicht zählt, was auch sehr fragwürdig war, weil der Schiri einen gehaltenen Elfer hat wiederholen lassen, dann habe ich kein Spiel verloren“, meint Knezevic schmunzelnd. Dass er seine anfänglichen Ambitionen mit den Herlinern nun über Bord werfen musste und inzwischen in seine Heimat Kroatien gezogen ist, habe private Gründe, die Knezevic nicht detailliert benennen will. Nur so viel: „Wegen einer privaten und beruflichen Neuorientierung habe ich meinen Vertrag vorzeitig aufgelöst. Wenn es dazu nicht gekommen wäre, hätten Theo und ich wahrscheinlich auch über den Juni hinaus zusammen weitergemacht.“

Das bestätigt der neue SVH-Vorsitzende auch gegenüber der Ebersberger Zeitung: „Es ist wirklich schade, dass er zurück nach Kroatien gegangen ist“, bedauert Falterer, der nach dem dritten Spiel ein langes Gespräch mit Knezevic geführt hatte. „Aber der Schritt ist aus familiären und geschäftlichen Gründen vollkommen verständlich. Wir haben ihm keine Steine in den Weg gelegt, so weh es uns auch getan hat.“

Abschied sei „wirklich schwergefallen“

Der Abschied sei ihm „wirklich schwergefallen“, betont Knezevic, „weil ich der Mannschaft sehr dankbar dafür bin, dass sie trotz des kleinen Kaders so viel Einsatz gezeigt hat“. Und auch der gesamten Fußballfamilie am Postanger wünsche er künftig viel Erfolg und eine baldige Rückkehr auf den Rasen. „Der SV Hohenlinden ist wirklich ein toller Verein mit sehr netten Leuten, die da wirklich sehr viel Herzblut reinstecken.“ Nein, so hatte sich der ehrgeizige, frühere Landesliga-Kicker seinen ungeplanten Abschied nach einem kurzen Intermezzo in Hohenlinden wahrlich nicht vorgestellt. „Aber man hat jetzt auch gerade wegen Corona gemerkt, dass man gewisse Sachen unterordnen muss. Und leider musste bei mir jetzt auch der Fußball dran glauben.“

Während Knezevic nun in Kroatien einen Neuanfang startet, steht sein Nachfolger bereits in den Startlöchern. Wer es ist, kann und will der SVH-Chef aber noch nicht bekannt geben. „Wir sind in intensiven Gesprächen und kurz vorm Abschluss“, erzählt er. Er hofft, am kommenden Wochenende bereits durch die Unterschrift Vollzug melden zu können. Es sei ein junger Trainer, der begeistern soll, verrät Falterer. „Menschlich passt er zu uns, in der Art einer wie Pero“, sieht der Vorsitzende eine „ideale Lösung“ in dessen möglichem Nachfolger. Denn wichtig ist Theo Falterer: „Unsere Jungs sollen wieder Spaß am Fußball kriegen.“ Auch nach der langen Corona-bedingten Pause.

Text: Julan Betzl, Olaf Heid

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