Der Vorsitzende mit dem Schiedsrichter-Trio des TSV Aßling: Uwe Sick ist stolz auf Dominik Kappelsberger, Jonas Hanslmayer und Wolfgang Beck.
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Der Vorsitzende mit dem Schiedsrichter-Trio des TSV Aßling: Uwe Sick ist stolz auf Dominik Kappelsberger, Jonas Hanslmayer und Wolfgang Beck.

Dominik Kappelsberger: „Der Druck als Schiedsrichter ist bei den Spielen enorm hoch“

Der TSV Aßling unterstützt das Schiedsrichterwesen

  • vonRedaktion Ebersberg
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Das Schiedsrichterwesen wird von vielen belächelt. Jeder Fußballer will Fußball spielen, aber Schiedsrichter sein, wollen die wenigsten. Oft dient dieser als Sündenbock.

Aßling – Es gibt viele ehrenamtliche Helfer in einem Verein, dazu zählen auch die Unparteiischen. Doch viele sehen in ihnen den Sündenbock für nicht gewonnene Spiele, weil sie glauben, benachteiligt worden zu sein. Viele vergessen jedoch, dass der Schiedsrichter auch ein Mitglied ist und sein Hobby genauso ausübt wie der Spieler. Der Vorstand des TSV Aßling stärkt darum ab sofort das Schiedsrichterwesen im eigenen Verein und rückt es in den Vordergrund.

Dazu hatte sich die Führungsriege der Büchsenberger Kicker drei Stunden Zeit genommen, um sich mit ihren Schiedsrichtern über Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen. „Die Schiedsrichter in einem Verein sind oft Einzelkämpfer“, sagt Aßlings Pressesprecher Felix Zeibe. „Nach der Ausbildung wird den Neulingen noch ein erfahrener Unparteiischer zur Seite gestellt, aber irgendwann, wenn der Neuling reifer geworden ist, verschwimmt die Wahrnehmung eines Schiedsrichters im eigenen Verein.“

Zu viele Spiele für zu wenige Unparteiische 

In dem letzten halben Jahr ist viel passiert. Nicht erst seit dem tätlichen Angriffen auf einen Pfeifenmann beim SV Münster (Hessen). Der BFV hatte zu Saisonbeginn bekannt gegeben, dass in der untersten Spielklasse (C-Klasse) keine Schiris mehr vom Verband gestellt werden können, da es zu viele Spiele für zu wenige Unparteiische gibt. Zusätzlich werden die aktuellen Schwarzkittel im Schnitt älter, weil zu wenig jüngere nachrücken. Der Verband verlangt von den Vereinen, dass sie einen sogenannten „Vereinsschiedsrichter“ zu den Spielen der C-Klasse stellen müssen.

„Wir haben beim TSV großes Glück, dass wir mit Wolfgang Beck einen Schiedsrichter haben, der sich sofort nach Bekanntwerden der BFV-Vorschrift in die komplette Thematik Schiri-Sein eingearbeitet hat“, betont Aßlings Vorsitzender Uwe Sick. Beim Runden Tisch des BFV Ende September berichtete der Verband, dass im Kreis Augsburg schon seit mehreren Jahren die B- und C-Klasse nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzt werden können. Der Verband ist zum Handeln gezwungen und versucht die Vereine mit ins Boot zu holen.

Der TSV Aßling hat drei Vereinsschiedsrichter

Die drei Schiedsrichter des TSV sind dabei auf den unterschiedlichsten Wegen zum „Pfeifen“ für den TSV Aßling gekommen. Der 53-jährige Beck pfeift nicht nur die Spiele der Herren II, sondern auch Freundschaftsspiele der Damen und Herren im eigenen Verein. Die Leidenschaft ist bei ihm nun soweit gereift, dass er beim nächstmöglichen Neulingskurs, seine Prüfung ablegen will.

„Das freut uns als Vorstand besonders, gerade weil wir verpflichtet sind, als Verein auch Schiedsrichter für den Verband abzustellen“, erläutert Sick. Aktuell muss der Verein vom Büchsenberg für seine Damen- und die beiden Herrenmannschaften in Summe drei Schwarzkittel pro Saison melden. Tut der TSV Aßling das nicht, wartet eine Geldstrafe vom Verband auf ihn.

Um das Geld im Verein für andere Zwecke ausgeben zu können, ist man jährlich auf der Suche nach Mitgliedern, die gerne Unparteiische sein wollen. So konnte der Schiri-Obmann des TSV, Dominik Kappelsberger, den damals 14-jährigen Jonas Hanslmayer für das Schiedsrichterwesen begeistern. Seit drei Jahren ist er nun schon erfolgreich dabei. Nach anfänglichen Spielen in der D- und C-Jugend folgten aufgrund dessen guten Leistungen bald Spiele der A-Jugend, in denen er teilweise älteren Jugendlichen gegenüberstand. Ohne die Unterstützung seines Vaters, der ihn zu den Spielen fährt, würde das nicht klappen.

Dass man es als Schiedsrichter auch über die eigene Vereinstätigkeit hinaus schaffen kann, zeigt das dritte Aßlinger Beispiel. Kappelsberger begann als Jugendlicher beim TSV mit dem Fußball Geld zu verdienen. „Ich hatte damals keine Lust auf Zeitung austragen und wollte etwas mit Fußball machen, da blieb nur das Schiedsrichterwesen“, blickt er zurück auf seine Anfangszeit.

Dominik Kappelsbergers Schiedsrichter-Karriere ging steil nach oben

Eine schlimmere Verletzung sorgte dafür, dass er damals beim höherklassigen Verein 1860 Rosenheim seine Fußballerkarriere an den Nagel hängen musste. Doch seitdem geht es für Dominik Kappelsberger in seiner Schiedsrichterkarriere steil nach oben. Aktuell leitet er nicht nur in der Landesliga mit einem Gespann die Partie, sondern auch Partien in der A-Junioren-Bundesliga. Als Linienrichter wird der Aßlinger vom Verband ebenfalls eingesetzt, hier ist er bereits in der Bayernliga unterwegs.

„Wir waren überrascht, wie viel Zeit Dominik für dieses Hobby aufbringt“, sagt Felix Zeibe staunend. Wegen der finanziellen Entschädigung übe jedoch niemand mehr den Posten eines Schiris aus. „Da wollen wir ansetzen“, hakt Zeibe ein, „für die Mannschaften in den Vereinen wird sehr viel Saison für Saison getan, aber für Schiedsrichter?“ Darum hat der TSV Aßling in der Vergangenheit bereits mit Hilfe von Sponsoren ein Funkfahnen-Set für Kappelsberger (Anschaffungskosten 700 Euro) finanziert. „Je höher man kommt, umso mehr wird verlangt“, erklärt Kappelsberger dazu. „Der Druck bei den Spielen ist sehr hoch, auch in der Landesliga wird per Videoübertragung das Pfeifen des Schiedsrichters genau beobachtet und bewertet.“

Schiedsrichter zu sein, ist mehr als nur am Wochenende zu pfeifen

Viele Außenstehende würden denken, dass man nur am Wochenende „ein paar Spiele pfeift, Geld kassiert und das war es“, so Zeibe weiter. Alle drei TSV-Schiedsrichter müssen pro Saison so genannte Lehrabende besuchen, um am Ball zu bleiben. Zum Schirialltag bei Kappelsberger gehört dazu, dass man auch unter der Woche am Abend regelmäßig mit seinem Mentor zwei Stunden lang ein Webinar abhält, in dem Videoanalysen von Szenen gezeigt werden, um die Sinne und Entscheidungskraft zu sensibilisieren und zu stärken.

„Der Verein ist sehr stolz auf seine drei Schiedsrichter und hofft, dass wir auch in Zukunft weitere junge Mitglieder finden, die sich dafür begeistern können“, so Sick. Sonst wird es im Landkreis Inn/Salzach bald so zugehen wie in Augsburg. „Wir möchten hier auch einmal in die Öffentlichkeit gehen und unseren Dank nicht nur hinter verschlossenen Türen zum Ausdruck bringen“, betont Pressesprecher Zeibe. Vielleicht wolle ja jemand Schiedsrichter werden, aber traut sich noch nicht.  

Ein Videoblog zum Thema Schiedsrichter unter www.bixe.tv; ein Interview mit Dominik Kappelsberger auf Youtube (www.youtube.com/watch?v=7KfgaYdcK_4). Interessenten senden eine Mail an 1.vorstand@tsv-assling.de.

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