Die Planungen für den Juniorinnen-Bereich des TSV Aßling werden durch die Saisonfortsetzung erschwert.
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Die Planungen für den Juniorinnen-Bereich des TSV Aßling werden durch die Saisonfortsetzung erschwert.

Verein wollte Spielgemeinschaft mit dem TSV Grafing gründen

TSV Aßling: Saisonfortsetzung bei Juniorinnen eine „Katastrophe“

  • vonJulian Betzl
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Michael Kurzmeier, Jugendleiter des TSV Aßling, nennt die Fortsetzung der Saison bei den Juniorinnen eine „Katastrophe“. Die Planungen für den Juniorinnen-Bereich seien nun schwierig. 

Aßling – Bekanntlich will der Bayerische Fußball-Verband im Jugendbereich zweigleisig fahren, sobald der Ligaspielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Kurz und bündig: Die Jungs brechen ihre Saison ab, die Mädels führen ihre Spielzeit fort. Klingt komisch, ist aber so, und lässt bei Michael Kurzmeier bislang nur eine Schlussfolgerung für den Praxistransfer zu: „Katastrophe!“

Als Jugendleiter des TSV Aßling findet sich Kurzmeier nach den jüngsten Vorstandsbeschlüssen des Verbandes in einer bisweilen undurchsichtigen Gemengelage wieder. Zehn Nachwuchsteams haben die Büchsenberger aktuell im Ligabetrieb gemeldet. Davon sind die vier Großfeldmannschaften der Jungen (A, B, C 1+2) einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Emmering sowie dem SV Ostermünchen angeschlossen. Dieser Teilbereich bereitet Kurzmeier noch die wenigsten Kopfschmerzen. „Man hat hier mit schlüssigen Argumenten die Saison abgebrochen und viele Faktoren berücksichtigt, die bei einer Fortführung gestört hätten.“ Stichworte Jahrgangsligen und Übertritt in den Herrenbereich.

TSV Aßling: Beantragung des A-Junioren Aufstiegs fraglich

Ohne Nebenwirkungen wird der Neustart bei den „Großfeld-Jungs“ jedoch nicht verlaufen, wie das Beispiel der A-Junioren verdeutlicht. In dieser Woche beraten die Verantwortlichen der SG über die Eingruppierungsabfrage des BFV. Da der Aufstieg bei den Junioren mittels Quotientenregelung erfolgt (wir berichteten) und die A-Junioren der SG (25 Punkte) als Drittplatzierter mehr als 80 Prozent der Quotientenpunktzahl des Erstplatzierten Palling/Traunwalchen (31) eingefahren haben, könnte man sowohl für die Kreisklasse als auch die Kreisliga melden. Obwohl sieben Junioren des Jahrgangs 2001 im Sommer in den Herrenbereich übertreten, glaubt Trainer Klaus Sigl mit Blick auf die Nachrücker aus der B-Jugend zwar nicht an einen Qualitätsverlust. „Aber die Menge an Spielern ist nicht mehr da und die ist in dieser Altersstufe kriegsentscheidend. Ich weiß noch nicht, ob wir den Aufstieg beantragen sollen. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich selber weitermache.“

Dass letztere Frage momentan in vielen Wohnzimmern seiner NachwuchsspielerInnen anklingt, kann sich Kurzmeier vorstellen. Insbesondere bei den über 40 Mädchen im Aßlinger Nachwuchsbereich. Langfristiges Ziel war es, in jeder Altersklasse eine reine Mädchenmannschaft beim TSV anbieten zu können. Bisher schafft man das nur in der C- und E-Jugend. Wobei die C-Juniorinnen auf die Unterstützung der Spielgemeinschaft mit dem SV Baiern 70 angewiesen sind.

TSV Aßling: Geplante Spielgemeinschaft mit dem TSV Grafing in der Schwebe

Der Verbandsbeschluss zur Saisonfortsetzung hat nun vorerst einen großen Fortschrittsplan für den Mädchenfußball von Kurzmeier durchkreuzt: Geplant war ab Sommer eine SG mit dem TSV Grafing für die U13, U15 und U17 zu bilden. „Bei zwei gleichwertigen Damenmannschaften wäre das sinnvoll und die Verhandlungen waren schon sehr weit, alles geplant und abgesprochen“, sagt Kurzmeier. „Mir ist bis heute kein einziger sachlicher Grund für eine Fortsetzung der Saison bei den Mädels bekannt und sie entspricht auch nicht meinen Erfahrungen im Austausch mit den Kollegen in anderen Vereinen.“

Nicht nur die Planungen mit Grafings Spartenleiter Robert Haseitl, gemeinsam zu einem neuen Knotenpunkt für den regionalen Mädchenfußball wachsen zu können, sieht Kurzmeier nun bedroht. Auch sorgt er sich um sechs zwölfjährige Mädchen, die bereits „seit einem Jahr teilweise bei den älteren Jungs geparkt sind und auf ihren Einsatz warten“.

Die Frage, wo die Mädchen, die bislang bei den Jungs (U13/U15) mitgespielt haben, mit dem Wiederbeginn weiterspielen sollen, konnte Kurzmeier auch von Verbandsseite noch niemand beantworten.

TSV Aßling: Anfrage auf Nachmeldung einer Mädchenmannschaft

Noch drängender wird die Problematik, wenn Kurzmeier erzählt, dass sich die Zwölfjährigen unter 14-jährigen Jungs „nicht unbedingt wohl“ fühlten und lieber in einer reinen Mädchenmannschaft spielen wollen. Die Anfrage auf Nachmeldung einer Mädchenmannschaft in den laufenden Spielbetrieb hat Kurzmeier bereits an die zuständige BFV-Bezirksvorsitzende Cornelia Richter weitergeleitet. „Ansonsten versuchen wir eventuell für die betroffenen Spielerinnen ein Zusatzspielrecht mit dem TSV Grafing abzusprechen.“

Ohne sichere Starttermine und Mannschaftsstärken abschätzen zu können, müssen Jugendleiter wie Michael Kurzmeier gerade Aufstiegsmöglichkeiten bei den Jungs abwägen, bezüglich Nachmeldungen und Zusatzspielrechten von Mädchen nachhaken, den Diskurs mit Partnern für Spielgemeinschaften aufrechterhalten, einen Corona-konformen Trainingsbetrieb mit organisieren, SpielerInnen und Eltern auf dem Laufenden halten und in Sachen Webinare, Vorschläge und Verbandsbeschlüsse am Ball bleiben. Ehrenamtlich versteht sich.

Text: Julian Betzl

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