Im Trikot der Roten: Jungprofi Julia Pollak ist in den Kader des Champions-League-Teilnehmers FC Bayern München aufgerückt. Die Ebersbergerin trainiert und spielt nun auf dem FCB-Campus im Münchner Norden.
+
Im Trikot der Roten: Jungprofi Julia Pollak ist in den Kader des Champions-League-Teilnehmers FC Bayern München aufgerückt. Die Ebersbergerin trainiert und spielt nun auf dem FCB-Campus im Münchner Norden.

Junioren-Nationalspielerin

TSV Ebersberg: Pollak unterschreibt Profivertrag beim FC Bayern

  • vonJulian Betzl
    schließen

Julia Pollak (18) unterzeichnet beim FC Bayern München einen Profivertrag. Die Junioren-Nationalspielerin wurde beim TSV Ebersberg ausgebildet.

VON JULIAN BETZL

Ebersberg – Den Großteil ihrer Zeit verbringt Julia Pollak gerade auf einem 33 Hektar großen Areal der ehemaligen Fürst-Wrede-Kaserne an der Ingolstädter Str. 272 in München. Tritt die 18-Jährige morgens dort ihren Dienst an, erwartet sie ein langer, durchgetakteter Tag. Wenn sie abends die Haustür zu ihrem Elternhaus in Ebersberg aufsperrt, „bin ich nach den Einheiten und Eindrücken total k.o.“, sagt sie.

Julia Pollak: Ab jetzt fester Bestandteil der Profimannschaft

Nun nimmt Julia Pollak nicht etwa an einer Art Testgruppe des neuen Freiwilligendienstes der Bundeswehr teil, den Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer kürzlich angekündigt hat. Vielmehr hat sich das Fußballtalent einen großen Traum erfüllt und beim FC Bayern München ihren ersten Profivertrag unterschrieben. Damit ist die Juniorennationalspielerin, die ihre Grundausbildung in der Jugend beim TSV Ebersberg genossen hat, nun fester Bestandteil der Bundesligamannschaft, die gerade auf dem FC Bayern Campus für den Saisonstart schuftet – und der angestrebten Profikarriere ein großes Stück nähergekommen.

Julia Pollak: Erst Verletzungspech, dann Corona und Abitur

Dieser Karrieresprung war für Julia Pollak vor vier Monaten kaum absehbar. Nachdem sie im Mai 2019 in Bulgarien mit der DFB-Auswahl den Titel bei der U 17-Europameisterschaft gewonnen und im Elfmeterkrimi gegen die Niederlande (4:3) einen entscheidenden Treffer versenkt hatte, suchte sie anschließend das Verletzungspech heim. Bei zwei Bänderrissen im Sprunggelenk waren in der abgebrochenen Zweitliga-Saison mit der FCB-Reserve für Pollak lediglich fünf Einsätze drin. Gerade als sie auf dem Platz wieder in Tritt gekommen war, grätschte ihr das Coronavirus mit einer monatelangen Zwangspause dazwischen.

Für eine ambitionierte 18-jährige Fußballspielerin, die gerade um ihre sportliche Zukunft kämpft und in einer entscheidenden Entwicklungsphase steckt, sei die monatelange Zwangspause eine mentale Herausforderung gewesen, gibt Pollak zu. „Allerdings konnte ich mich mit den Abiturprüfungen schnell auf ein anderes konkretes Ziel fokussieren. Insofern ist mir Corona schultechnisch zugutegekommen.“ Anstatt im FCB- oder DFB-Dress Bällen und Gegenspielerinnen hinterherzujagen, hatte die flexible Flügelspielerin plötzlich unerwartet viel Zeit, sich über die Schulbücher zu beugen. Die gewohnt stressige Doppelbelastung aus Sport und Schule war weg und der Schulabschluss wurde mit der Gesamtnote von 2,9 erfolgreich gemeistert. „Eine zwei vor dem Komma war mein Ziel“, grinst die frischgebackene Abiturientin.

Julia Pollak: Vorerst volle Konzentration auf den Fußball

Über ein Studium oder eine Ausbildung denkt Julia Pollak vorerst nicht nach. Schließlich wurde ihr von ihrem Herzensverein, bei dem sie vor vier Jahren in der B-Jugend angeheuert hat, ein Angebot unterbreitet, das sie nicht abschlagen konnte und wollte. „Ich bin einfach froh, dass der Verein trotz meiner Verletzungen so viel Vertrauen in mich gesetzt hat.“ Für die Vertragsdauer von zwei Jahren will sich Julia Pollak voll auf den Fußball fokussieren und „schauen, wie weit ich kommen kann“. Da wäre es „für mich gar nicht möglich, nebenbei ein Studium zu machen“. Weil sie noch nicht 20 Jahre alt ist, wird sie neben dem Profiteam auch weiterhin im Kader der Zweitliga-Mannschaft der Roten stehen und dort wohl in jedem Fall Spielpraxis sammeln können.

Qua Vereinsmentalität ist der amtierende Vizemeister der Bundesliga dazu verpflichtet, schnellstmöglich wieder für Titelnachschub im Vereinsmuseum zu sorgen. Dafür muss Cheftrainer Jens Scheuer in der Sommervorbereitung nach sechs namhaften Abgängen (darunter die langjährige Spielführerin Melanie Leupolz) einen großen Umbruch moderieren. Von den bisher acht Neuzugängen rückt lediglich eine Feldspielerin aus der Reservemannschaft zu den Profis auf: Julia Pollak.

FC Bayern München: Frauen vor Finalturnier der UEFA Women´s Champions League

Und komischerweise kam der Ebersbergerin auch auf diesem Weg Corona irgendwie gelegen. Das anfängliche Kleingruppen-Training sei sowohl zur Eingewöhnung an das neue Umfeld als auch für die Ballgewöhnung nach der Zwangspause nahezu ideal gewesen, berichtet die 18-Jährige aus Ebersberg. „Ich kannte ja viele Spielerinnen nicht und war anfangs in der Kabine auch eher zurückhaltender.“ Das hat sich bei einem zweitägigen Teamevent in den Tiroler Bergen geändert. „Obwohl hier natürlich alles auf Titel ausgerichtet ist und darauf, international vorne dabei zu sein, ist der Teamgedanke sehr groß.“

Nach dem ersten Testspiel gegen Zürich (Samstag, 14 Uhr in Wangen) wird der Mannschaftsgeist schon bald auf eine harte Probe gestellt. Am 21. August reisen die FCB-Frauen zum Final-Turnier der UEFA Women’s Champions League nach Bilbao. Im Viertelfinale wartet am Samstag, 22. August, Titelverteidiger Olympique Lyon, für das Halbfinale stünden der FC Arsenal oder Paris Saint-Germain bereit. Das Endspiel findet am 30. August in San Sebastián statt (Anstoß aller Partien ist um 20 Uhr).

Julia Pollak: Großer Unterschied bei den Profis was Tempo und Qualität angeht

Ob sie in Spanien ihre ersten Minuten auf dem europäischen Parkett genießen wird, kann Julia Pollak aktuell noch nicht so recht einschätzen. „Grundsätzlich ist der Unterschied bei den Profis, was Tempo und Qualität angeht, groß. Für mich ist es daher erst mal wichtig, in die Mannschaft rein zu finden und so viel wie möglich mitzunehmen.“ Zumindest dürfte ihre Flexibilität, auf allen vier Außenpositionen einsetzbar zu sein, die Chancen auf Spielminuten ebenso erhöhen wie ihre vielleicht größte Waffe: „Außer mir haben wir nicht viele Linksfüße.“

Mit ihrem ersten Arbeitspapier in der Schublade und einem freien Blick für den Ball, hat Julia Pollak ihren Talent-Status abgelegt. Sie nimmt ihren neuen Profialltag an der Ingolstädter Str. 272 in München, zwischen Trainingseinheiten, Leistungstests, Behandlungen und Verschnaufpausen im Aufenthaltsraum, jetzt in Angriff. (JULIAN BETZL)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare