+
Der TSV Ebersberg (M. Maximilian Volk) wird sich strecken müssen, um den Rückstand aufzuholen. Foto.

Samstag gegen den TSV Bad Endorf

TSV Ebersberg geht volles Risiko - „Vorgabe: Vollgas!“ 

  • vonJulian Betzl
    schließen

Der TSV Ebersberg trifft am Samstag auf den TSV Bad Endorf. Für beide Teams ist es das erste Spiel nach der Corona-Unterbrechung.

Ebersberg – Einige Fans hätten ihm bereits telefonisch ihre lautstarke Unterstützung zugesichert, erzählt Tom Wolff. Das pusht ihn nur noch mehr. Der 48-jährige Trainer des TSV Ebersberg wartet seit Jahresbeginn auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz: Am Samstag um 16 Uhr im Waldsportstadion gegen den TSV Bad Endorf ist es endlich soweit. Und die Vorfreude sprudelt nur so aus Wolff heraus: „Ich bin schon richtig geil auf dieses Erlebnis mit den Voigas-Ebern im Rücken. Wir sind topfit, absolut positiv gestimmt und haben nur eine klare Vorgabe: Vollgas!“

Was bleibe ihnen auch anderes übrig als die große Flucht nach vorne, argumentiert Wolff mit den sieben Zählern Rückstand aufs rettende Ufer, die seit einem Dreivierteljahr die Hinterköpfe der Eber martern.

Tom Wolff: „Wir haben nix zu verlieren“

„Wir haben nix zu verlieren, wollen Endorf vorne pressen und zu Fehlern zwingen. Da wird es brennen!“ Sein „sehr hoch“ ausgerichtetes 4-1-4-1-System hat Wolff dabei aus einer Testspielbeobachtung Mitte August abgeleitet. Damals unterlagen die Kurstädter in ihrem bevorzugten 4-2-3-1 mit 3:5 bei Kreisligist Großholzhausen.

Punktspielpraxis konnten die Endorfer vergangenes Wochenende genauso wenig sammeln wie die Kreisstädter. Von Gästecoach Fanz Pritzl, einem „guten Spezl“, weiß Wolff, dass der kurzfristige Nichtantritt in Forstinning auf drei Corona-Verdachtsfälle im Team zurückging. „Deren Testergebnisse waren aber alle negativ, genau wie bei uns. Daher gehe ich davon aus, dass es am Samstag mit dem Spiel klappt.“

Ebersbergs Spartenleiter Zeljko Prelcec prognostiziert aus rein sportlicher Perspektive einen „nervösen Start“ in den Punktspielbetrieb. Wäre er allerdings alleiniger Entscheidungsträger, würde im Waldsportpark derzeit kein einziger Anpfiff ertönen. „Ich würde sofort einen Cut machen und die Liga erst starten, wenn Normalität und eine einheitliche Struktur gegeben sind.“

„Jedem muss bewusst sein, dass auf dem Platz Risiko und Verantwortung bei jedem Einzelnen liegen“

Die Themen und Aufgaben, mit denen er sich als Vereinsverantwortlicher vereinsübergreifend mit seinen Mitstreitern aktuell täglich auseinandersetzen müsse, „sind weit weg vom Ehrenamt und rauben uns den Spaß“.

Als die Eber mit ihrem Verdachtsfall vergangene Woche im Krisenmodus waren, habe Prelcec verstärkt gespürt wie „angespannt“ die Situation im undurchsichtigen Kompetenz- und Verantwortungs-Dschungel aus Sport, Politik und Gemeinwohl ist. „Seit Mai hat sich nichts geändert. Alles ist schwammig, flach kommuniziert, jeder hofft woanders auf richtige Aussagen, und die Masse schreit und verlangt gleichzeitig Normalität.“

Wenn die TSV-Funktionäre um Prelcec am Samstag rund um das Spielfeld im Waldsportpark möglichst viele Hygiene-Vorgaben beaufsichtigen – „die ja überall anders umgesetzt werden“ – widerspricht das aus Prelcecs Sicht allem, was sich auf dem Grün zwischen 22 (zumeist) ungetesteten Amateur-Kickern abspielt, die sich anschließend teilweise in öffentlichen Bereichen ohnehin wieder unter die beaufsichtigten Zuschauer und deren Kontaktpersonen mischen. „Der Wettkampf widerspricht doch eigentlich jedem Hygienekonzept!“

Mittlerweile seien Spieler auf ihn zugekommen, um zu fragen, wie sie sich am Arbeitsplatz verhalten sollen. Prelcec kann nur antworten: „Jedem muss bewusst sein, dass auf dem Platz Risiko und Verantwortung bei jedem Einzelnen liegen.“

(JULIAN BETZL)

Auch interessant

Kommentare