Da sitzt er, einsam und allein: Der „TSV-Boandl“ weist im Emmeringer Pfarrbachstadion auf die prekäre Lage des Fußballs und der Wirtshäuser hin. Derzeit stattet das Gerippe samt Schal dem Landgasthof Bruckhof seinen Besuch ab. 
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Da sitzt er, einsam und allein: Der „TSV-Boandl“ weist im Emmeringer Pfarrbachstadion auf die prekäre Lage des Fußballs und der Wirtshäuser hin. Derzeit stattet das Gerippe samt Schal dem Landgasthof Bruckhof seinen Besuch ab. 

Symbolik für Gastro und Sport

TSV Emmering: Der Boandlkramer schleicht um

  • vonJulian Betzl
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Manuel Sedlamaier vom TSV Emmering macht mit einem Skelett aufmerksam auf die aktuelle Lage. Sowohl die Gastronomie als auch der Sport sind betroffen.

Emmering – Noch ein bisserl wackelig auf den Beinen steuert er die Ticket-Station vom Marx Franz und Zacherl Hansi an. Nichts zu sehen. „Servus. Merci und viel Spaß!“, heißt es sonst immer. Schnell rüber zum Fensterverkauf von der Sedlmaier Christine. Ein Bier für die ausgetrocknete Kehle, zwei Wurstsemmeln gegen das Loch im Bauch. Fenster zu. Erstmal hinsetzen und sich einen Überblick verschaffen.

Komisch, die Terrasse vorm Vereinsheim, wo er sich normalerweise mit Emmerings Edelfan, dem Schäfer-Joe, vor Spielbeginn warmratscht, wirkt heute wie ausgestorben. Keiner da vom Ordnungsdienst, kein Stadionsprecher, der die Aufstellungen verkündet, keiner, der sie bejubelt oder abwinkt. Nicht einmal der Lachmann Christian hat die Holztafeln im Vereinsheim abgeholt, um sie mit rauf zu nehmen, auf den „Seniorenbalkon“ mit der analogen Anzeigetafel.

„Irgendwann, da schaff mas da ummi!“, scherzen die Jungen oft. Der klapprige Fußballfan wird es heute nicht mehr „ummi“ schaffen. Auch nicht zur Spielanalyse mit den Gegnern im Vereinsheim und schon gar nicht zum Gartenfest beim Bichler. Alles still, alles ruht, nichts rollt und läuft. Seit einem halben Jahr. Enttäuscht zieht sich der Emmeringer Boandlkramer den grün-weißen Fanschal gegen die Zugluft enger um den Hals. Wie lange kann er noch so einsam um die verwaisten Fußballplätze schleichen?

Die Geschichte hinter dem Gerippe

Den klapprigen „TSV-Boandl“ haben Martin Finsterwald und Manuel Sedlmaier ins Leben gerufen. Man könnte doch ein Gerippe an eine Bier-Infusion vor seinem Landgasthof in Bruckhof anschließen, schlug der Gastwirt „Finse“ Finsterwald seinem Spezl vor, um mit Galgenhumor auf die prekäre Lage der Wirte und Gastronomen aufmerksam zu machen. „Also bin ich im Internet auf die Suche gegangen und habe für 70 Euro dieses Faschingsskelett aus Plastik bestellt“, erzählt Sedlmaier, dem spontan noch eine andere Idee kam: „Das passt eigentlich gerade ja für Gastro und Sport gleichermaßen.“

Als Vorstandsmitglied und Pressewart wollte er die Symbolkraft des Gerippes auch für den Amateurfußball nutzen. Also warf Sedlmaier dem Skelett einen Emmeringer Fanschal um und inszenierte es in einem spontanen Fotoshooting im menschenleeren Pfarrbachstadion. Thema: „Der TSV-Boandl schleicht um die Fußballplätze.“ Inzwischen ist das „Fan-Mood-Model“, wie es der TSV in den sozialen Medien veröffentlicht hat, an seinen Infusionsständer in Bruckhof an den Gerstensaft angeschlossen. Im Fan-Jargon sagt man wohl: Frustsaufen. 

(JULIAN BETZL)

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