Sie gaben zwei Jahre gemeinsam die Richtung vor: Nun hört Andreas Schmidt (l.) im Sommer auf, und wohl auch Co-Trainer Stefan Haage. 
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Sie gaben zwei Jahre gemeinsam die Richtung vor: Nun hört Andreas Schmidt (l.) im Sommer auf, und wohl auch Co-Trainer Stefan Haage. 

Schmidt will unabhängig vom Saisonverlauf bereits im Sommer aufhören

TSV Grafing: Alexander Salem ersetzt Andreas Schmidt im Sommer

  • vonJulian Betzl
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TSV-Coach Andi Schmidt hält an seinen Rückzugsplänen zum Sommer fest. Sein ehemaliger Mitspieler Alex Salem steht als Nachfolger fest.

Grafing – „Wie die Saison weitergeht, steht in den Sternen“, sagt Jürgen Daser. Dass es unabhängig davon im Sommer zu einer Trainer-Rochade im Herrenbereich kommen wird, weiß der Technische Leiter des TSV Grafing aber schon jetzt.

Sowohl der Übungsleiter der Kreisliga-Elf, Andi Schmidt, 50, als auch Reservecoach Stefan Haage hatten bereits frühzeitig ihre Absichten deutlich gemacht, nach der Saison ihre Trainerstühle räumen zu wollen. Da sich die Saison nun aber womöglich bis ins nächste Jahr ziehen könnte, bringen diese Vorhaben die Bärenstädter zumindest in der Ersten in eine kleine Zwickmühle.

Schmidt will unabhängig vom Saisonverlauf bereits im Sommer aufhören

„Für mich ist und bleibt der letzte Spieltag Anfang Juni der Stichtag“, macht Andi Schmidt deutlich. „Ich habe ganz klar formuliert, dass für mich dann aus privaten Gründen Schluss ist. In Italien würde man interpretieren, der hat sich mit der Mannschaft überworfen. Da das bei meinem Top-Verhältnis zu Team und Jürgen Daser aber absolut nicht der Fall ist, habe ich das ja schon im Winter kommuniziert.“

Daraufhin hätten die abstiegsbedrohten Grafinger eine „Top-Vorbereitung“, gefolgt von einer „Top-Leistung“ gegen Oberföhring hingelegt (2:0). „Da hätte ich gerne gesehen, wie wir weiter angegriffen hätten.“ Die Corona-Pandemie grätschte dazwischen. Und da Schmidt einen Punktspielstart im September für „Hokuspokus“ hält – „was ist bei einem Corona-Fall im Team? Was, wenn sich Arbeitgeber querstellen?“ – würde er gerne einem hungrigen Mitspieler früherer Tage die angebrochene „Mission Klassenerhalt“ anvertrauen: Alex Salem.

Salem steckt mit dem TSV Ebersberg 2 im Abstiegskampf

Allerdings steckt das Grafinger Kindl selbst noch als Trainer der Ebersberger Bezirksligareserve im Abstiegskampf der A-Klasse 6 fest. „Das ist eine total blöde Situation. Wir sind damit das negative Beispiel für die Weiterführung der Saison“, sagt Salem.

Der 36-jährige durchlief die gesamte Jugendabteilung der Grafinger, kickte gemeinsam mit Schmidt und den TSV-Herren in der Bezirksliga, ehe er vor elf Jahren in die Kreisstadt wechselte. Dort beendete ein Kreuzbandriss nach nur drei Spielzeiten Salems aktive Karriere – und er startete gleichzeitig seine Laufbahn in der Coachingzone der „kleinen Eber“. Gemeinsam übrigens mit Zeljko Prelcec, der in den kommenden Wochen als Abteilungsleiter der Eber mit Salem eine „vernünftige Lösung“ für das Trainer-Problem finden muss.

„Beim BFV wurde mit der Fortsetzung der Saison vieles nicht zu Ende gedacht.“

Optimal wird diese wohl in keinem Fall ausfallen, befürchtet Salem. „Beim BFV wurde mit der Fortsetzung der Saison vieles nicht zu Ende gedacht. Einerseits will ich meine Jungs im Abstiegskampf nicht im Stich lassen.“ Andererseits wurde Salems Vertrag ordnungsgemäß gekündigt, sein Wechsel zum Sommer stand längst fest und ist für den ambitionierten Trainer der nächste Entwicklungsschritt. „Ich will mich weiterentwickeln, und jetzt traue ich mir zu, eine erste Mannschaft – hoffentlich in der Kreisliga – zu trainieren, wo ich bei einer jungen Truppe aus dem Vollen schöpfen kann, die richtig Bock auf guten Fußball hat.“

Die Klub-Philosophie, die Herrenkader größtenteils mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu bestücken, kennt und schätzt Salem schon aus Ebersberg. „Da ich in Grafing aber nur 50 Meter Luftlinie zum Platz wohne, kann ich nicht viel Spritgeld rausholen“, scherzt Salem, der in Grafing das Gros von Klub, Kader und Funktionären noch aus seiner Spielerzeit kennt. Etwa den aktuellen und künftigen Co-Trainer Christian Keller oder Torwart-Trainer Stephan Matejka.

Quirin Kistler übernimmt A-Klassen-Mannschaft

Genauso Grafings A-Jugendtrainer Quirin Kistler, der in die Fußstapfen von TSV-Urgestein Stefan Haage bei der A-Klassen-Mannschaft treten wird. „Bei Stefan gehen wir grundsätzlich auch davon aus, dass er im Sommer aufhört, aber die endgültigen Gespräche stehen noch aus“, sagt Jürgen Daser. „Wir sind mit Quirin, der als Aufstiegs-Coach der B- und A-Jugend die jungen Spieler aus dem Effeff kennt, aber für alle Fälle gerüstet.“

Ihren sportlichen Abschied von der Seitenlinie dürften sich Haage und Schmidt indes sicher anders vorgestellt haben. „Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, und der Alex wird mir in einem passenden Moment sicher die Gelegenheit zur Verabschiedung geben“, sagt Schmidt. „Natürlich geht mir gerade die Arbeit mit den Spielern ab. Aber dass ich den Klassenerhalt, von dem ich überzeugt bin, nicht mehr selber verantworten werde, tut meinem Stolz keinen Abbruch.“ Schließlich hatten Andreas Schmidt und Stefan Haage ihr persönliches Kapitel in der TSV-Chronik längst geschrieben. Schmidt wurde 2001 erstmals als Spielertrainer verpflichtet und feierte in einem denkwürdigen Entscheidungsspiel gegen Unterbiberg in seiner Premieren-Runde den Meistertitel in der Kreisliga.

In der darauffolgenden ersten Bezirksligasaison des TSV fokussierte er sich aufs Spielerische, während Stefan Haage gemeinsam im später wiederkehrenden Erfolgsduo mit Günter Lehner zwei Jahre die taktischen Geschicke und Laufwege des jungen Alex Salem leitete. So wird sich im Sommer, spätestens im nächsten Frühjahr, ein Grafinger Fußball-Kreis schließen.

Text: Julian Betzl

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