Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, dass wir eine große Familie geworden sind. Murat Saglar, Noch-Spielertrainer des TSV Steinhöring.
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Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, dass wir eine große Familie geworden sind. Murat Saglar, Noch-Spielertrainer des TSV Steinhöring.

Spielertrainer verlässt Kreisklassist

TSV Steinhöring: Murat Saglar sagt im Sommer Servus

  • vonJulian Betzl
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Murat Saglar verlängert seinen Vertrag beim Kreisklassisten TSV Steinhöring nach vier Jahren nicht. Der Traum vom Aufstieg bleibt für Saglar damit wohl unerfüllt.

Steinhöring – An Planungssicherheit habe es seiner Mannschaft während seiner inzwischen fast vierjährigen Amtszeit nie gemangelt, versichert Murat Saglar. Spätestens zur Wintervorbereitung habe der Steinhöringer Spielertrainer seinen Kreisklasse-Kickern immer mitgeteilt, wie es für ihn nach der Saison weitergeht. Nun kündigte der 41-Jährige seinen Abschied an. Umständehalber via Textnachricht in der WhatsApp-Gruppe. „Am liebsten hätte ich es persönlich gemacht, aber ich finde es wichtig, den Spielern jetzt den Impuls zu geben, dass im Sommer etwas Neues kommt – auch damit sie keine überstürzten Entscheidungen treffen.“

Saglar: Aus einer Mannschaft ein Team geformt

Saglar bereitet eine andere Amtsübergabe vor, als sie zu Beginn seines eigenen Engagements vonstatten ging, das er quasi als „Notfallkommando“ im Frühjahr 2017 angenommen hatte. Der etablierte Kreisklassist war den Abstiegsrängen nach 18 Punkten aus der Hinrunde nähergekommen. Und nach einer deftigen 1:6-Heim-Klatsche gegen den späteren Meister TSV Oberpframmern sah man nach dem 16. Spieltag schließlich Handlungsbedarf. Abteilungsleiter Ebbi Massih-Tehrani schritt ausgerechnet auf Abwehr-Routinier Murat Saglar zu, der erst vor wenigen Monaten vom FC Ebersberg an den Bachkramerweg gewechselt war. Tehranis ersten Satz hat Saglar nicht vergessen: „Muri, du kannst aus der Mannschaft wieder ein Team machen!“

Am 2. April 2017 taucht Steinhörings Nummer 18 erstmals offiziell auch als Trainer im Spielberichtsbogen auf. Patrick Unterhaslberger erzielt in der 75. Minute den 2:1-Siegtreffer zu Saglars Einstandssieg beim ASV Glonn. Nur zwei Tage später folgt ein 1:0-Erfolg in Parsdorf. Insgesamt holt der TSV aus Saglars ersten fünf Partien als Chefcoach 13 Zähler und beschließt die Spielzeit auf Rang fünf. „Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, dass wir eine große Familie geworden sind, in der auf dem Platz jeder bereit ist, alles für den anderen zu tun“, beschreibt Saglar seinen größten Trainererfolg, der „viel mehr wert ist als ein Aufstieg“.

Saglar: Traum vom Aufstieg bleibt unerfüllt

Eine zerstrittene Mannschaft, die sich „auf dem Platz pausenlos gegenseitig angepöbelt hat“ auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen, habe jedoch nicht auf Anhieb und erst recht nicht als Alleinherrscher funktioniert. „Ich war immer bestrebt, alle ins Boot zu holen, Verantwortungen zu übergeben, mir viel anzuhören und hatte den Riesenvorteil, als Spieler selbst auf dem Platz vorangehen zu können.“

Dennoch ist Murat Saglar bislang an seinen sportlichen Zielen gescheitert. Der Grafinger macht keinen Hehl daraus, dass er sich nur zu gerne mit dem ersten Kreisliga-Aufstieg in der Vereinshistorie verewigt hätte. Da er seine bis zum 30. Juni gültige Übungsleitervereinbarung in Steinhöring „definitiv“ nicht verlängern werde, rechnet sich Saglar für die Erfüllung seines sportlichen Wunschtraums nur noch theoretische Chancen über einen immer unwahrscheinlich wieder anlaufenden Ligapokal aus. „Wenn man realistisch ist, war das Spielermaterial für die Kreisliga qualitativ vorhanden, aber an der nötigen Kadertiefe hat es auch am Ende unserer tollen Saison 2018/19 gefehlt, als wir sensationell Dritter geworden sind.“

Aus den damals 15 ungeschlagenen Spielen hebt Saglar den 6:0-Heimsieg über den späteren Aufsteiger ATSV Kirchseeon heraus. „Vor dem Spiel habe ich zur Motivation den Artikel aus der Ebersberger Zeitung mit der Überschrift ‘Topspiel, das keines ist‘ in die Kabine gehängt.“

Saglar: Das Team braucht eine Veränderung

Bei den Gesprächen in diesem Winter habe Saglar den Eindruck bekommen, dass seinem Team allmählich eine neue Kabinenansprache guttun würde. „Ich habe hier in einer tollen Zeit tolle Jungs kennengelernt, die auch fußballerisch besser geworden sind, denke ich. Besonders bedanken möchte ich mich bei unserem Präsi Franz Bundlechner, Abteilungsleiter Bertram Sprenger, meinem gesamten Team und unseren Hooligans wie der Familie Thurnhuber, die sogar mit ins Trainingslager gefahren sind.“ Nicht zu vergessen Ebbi Massih-Tehrani, der „einem Trainer-Nobody aus der B-Klasse das Vertrauen geschenkt hat“.

Der scheidende Übungsleiter ist zuversichtlich, dass der TSV bald einen adäquaten Nachfolger präsentiert, der den Aufstiegstraum erfüllen kann. „Schließlich ist der FCE ja auch aufgestiegen, nachdem ich weggegangen bin, sogar zweimal“, schmunzelt Saglar. Er selbst wolle die Restsaison bei seinem „Herzensverein“ und sich ab Sommer wohnortnah ausschließlich auf eine Trainerbank zurückziehen. „In Steinhöring kann ich auch ganz gut nur Fan sein und mich mit den vielen Freunden auf ein Spezi am Spielfeldrand treffen.“

(Julian Betzl)

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