Ab dem Jahr 2010 führte Walter Hommelsen die Zornedinger Sparte. Nun gab er seinen Posten ab. 
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Ab dem Jahr 2010 führte Walter Hommelsen die Zornedinger Sparte. Nun gab er seinen Posten ab. 

Abteilungsleiter Walter Hommelsen im Gespräch

TSV Zorneding: Hommelsen spricht von „Wohlfühloase“

  • vonOlaf Heid
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Nach einer Dekade tritt Abteilungsleiter Walter Hommelsen ab. Im Interview spricht er über seine Zeit beim TSV Zorneding.

Vor zwei Jahren ließ sich Walter Hommelsen, 61, noch einmal zu einer letzten Amtsperiode überreden. Nachdem er eine volle Dekade lang in der Fußballabteilung beim TSV Zorneding als omnipräsenter Frontmann agiert und maßgeblich die Jugendarbeit angeschoben hat, räumt Hommelsen gemeinsam mit Stellvertreter Manfred Hauser nun endgültig seinen Platz in der ersten Reihe. Diesen haben nun Jakob Bouacha als Abteilungsleiter und Mark Grusz als Stellvertreter übernommen.

Im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung zeichnet Hommelsen das Bild einer Zornedinger „Wohlfühloase“ nach, wo in den vergangenen zehn Jahren viel richtig und „eigentlich nichts grob falsch“ gelaufen sei.

Als Sie im April 2010 gemeinsam mit Manfred Hauser die Fußball-Abteilungsleitung übernommen haben, wie muss man sich da die Aufgabenverteilung vorstellen, Herr Hommelsen?

Walter Hommelsen:Da muss ich korrigieren. Der Manni ist erst ein paar Jahre später für Hans Reiser dazugekommen, der das Amt sechs Jahre lang gemacht hat. Mit Manni hat das wunderbar harmonisiert, wir waren uns in fast allen Fragen einig. Als Platzwart war er mehr für die praktischen Dinge auf der Sportanlage zuständig und ich für den Bürokram. Gleichzeitig haben wir den Fußball-Förderverein gegründet, der uns auch über Bandenwerbungen ein paar tausend Euro in die Kassen gespült hat, die wir immer gleichmäßig zwischen Herren und Jugend aufgeteilt haben.

Auf was sind Sie im Rückblick auf Ihre Amtszeit besonders stolz?

So direkt eigentlich auf nichts Spezielles. Aber als wir vor sieben Jahren mit Petar Jokic das erste Mal in unserer Geschichte den Aufstieg in die Kreisliga geschafft haben, war das mit Sicherheit ein Highlight. Auch als wir einmal den Erdinger Meister-Cup nach Zorneding geholt haben. Oder die A-Junioren von 1860 München ein Jahr lang wegen des Stadionumbaus ihre Heimspiele bei uns ausgetragen haben. Da konnten wir ein bisschen in die große Fußballwelt schnuppern – und gute Platzmiete einnehmen.

Andersherum: Was ist im Nachhinein richtig schiefgegangen?

Hmmm… eigentlich im Großen und Ganzen nichts. Mein Ansatz war es immer, die Harmonie im Verein zu behalten. Das haben Manni und ich über die Jahre geschafft, weil wir in unserem Hobby nicht auch noch Stress haben wollten. Strukturelle Fehlentscheidungen haben wir jedenfalls nicht getroffen.

Aber es läuft doch nicht immer alles perfekt . . .

Natürlich sind gerade Trainerwechsel immer unliebsame Entscheidungen. Aber auch da war es mir zuletzt wichtig, dass wir mit Ralph Pöpperling und Lukas Höger als Herrentrainer sowie meinen Nachfolgern Jakob Bouacha und Mark Grusz die Entscheidungsgewalt in die Hände von lauter jungen Anfang, Mitte Zwanzigjährigen legen.

Wieso spielt das Alter dabei eine so große Rolle?

Weil wir damit unsere Linie fortsetzen. Vor acht, zehn Jahren sind unsere Talente zu höherklassigen Klubs gewechselt und wir oft ausgeblutet. Daher haben wir viele Jugendtrainer aus Reihen der Ersten und Zweiten Mannschaft rekrutiert und alle Trainer lizenzieren lassen. Für die Vorbildfunktion im Nachwuchs war das wichtig. Da sind anfangs immer noch ein paar abgesprungen. Aber heute sind wir im Herrenbereich eine ziemlich verschworene Gemeinschaft Anfang 20, die viel zusammen unternimmt und eine unheimlich gute Stimmung hat, die sich nach unten fortsetzt.

Da wird im Amateurfußball gemeinhin von Wohlfühloase gesprochen.

Es ist eine Wohlfühloase, weil auch dazugehört, dass wir nie Spieler bezahlt und den Platz und die Anlage über die Jahre hinweg ausgebaut haben. Mit einem Fußball-Käfig, einer tollen Fressbude, einem Stadionsprecher, Videowall und neuen Stadionsitzen haben wir Anreize geschaffen und uns interessant gemacht. Das sieht man auch an den Zuschauerzahlen, wo wir zuletzt trotz Pandemie 150 Zuschauer hatten. Heute kommen die Spieler deswegen sogar eher zu uns. Im Gegensatz zu anderen Vereinen haben wir in der B- und A-Jugend einen unglaublichen Zulauf.

Warum hören Sie dann auf, wenn doch gerade alles so gut läuft?

Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören. Aber arbeitsbedingt hat mir zuletzt einfach auch der Antrieb gefehlt. Und wenn du amtsmüde wirst, dir der Drive und neue Ideen fehlen, dann muss man abtreten.

Sie drücken Ihren Nachfolgern aber nicht einfach nur die Büro-Schlüssel in die Hand, oder?

Nein, wir wollen in den nächsten Wochen eine ordentliche Übergabe machen. Danach werde ich im Hintergrund mit Tipps mitarbeiten, solange das gewünscht ist. Das ist ja irgendwie auch mein Baby. Mir ist aber wichtig, dass die Neuen Entscheidungen treffen. Sie finden eine gute Struktur mit vielen Helfern vor und ich wünsche ihnen damit ein gutes Händchen.

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft der Abteilung?

Zunächst tut mir die aktuell schwierige Situation unheimlich leid für die junge Mannschaft, die das Potenzial für die Kreisliga hat. Ihr wünsche ich möglichst bald den Aufstieg, sich dann drei, vier Jahre in der Kreisliga zu etablieren und dann mal Richtung Bezirksliga zu schnuppern. Drumherum wäre mal eine Flutlichtanlage für den Hauptplatz schön, wovon wir Kosten- und Corona-bedingt derzeit weit weg sind. Auch ein Kunstrasenplatz wäre was. Mit unserem neuen Baugebiet sind wir eine Zuzugsgemeinde und mit unseren Trainingsmöglichkeiten jetzt schon am Limit.

Interview: Julian Betzl

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