Kein Freund der „Gummiparagrafen“: VfB-Fußballchef Thomas Herndl sieht das Vorgehen des BFV kritisch und die Quotienten-Regelung als „sehr negativ“ an.
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Kein Freund der „Gummiparagrafen“: VfB-Fußballchef Thomas Herndl sieht das Vorgehen des BFV kritisch und die Quotienten-Regelung als „sehr negativ“ an.

Bezirksligist hofft auf Saisonfortsetzung

VfB Forstinning: Rechtsweg nicht ausgeschlossen

  • vonJulian Betzl
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Der VfB Forstinning steht momentan auf dem zweiten Platz der Bezirksliga und würde bei einem Saisonabbruch nicht aufsteigen. Thomas Herndl denkt über den Rechtsweg nach.

Forstinning – Nur ein, zweimal pro Woche fährt Thomas Herndl derzeit noch am Forstinninger Sportpark vor. „Für Corona-konforme Aktionen, die Anlage muss ja gepflegt werden“, erklärt der Fußball-Abteilungsleiter des VfB. Genutzt werden die getrimmten Rasenflächen gerade nur vom Juniorenbereich bis hoch zu den 14-Jährigen. „Für den Nachwuchs haben wir uns aufgerafft, um ihn zu beschäftigen, damit wir die Spieler nicht final verlieren. Ansonsten ist in unserem sportlichen Bereich eine ziemliche Müdigkeit eingetreten.“

Ein wenig mag diese Müdigkeit auch von der Hilflosigkeit herrühren, die den gesamten Amateursport den Großteil der vergangenen 13 Monate über lähmt, verärgert und verunsichert. Schließlich hängen nicht nur die VfB-Kicker seit November in der Warteschleife. „Dabei wäre der Breitensport Teil der Lösung, mit allen Pros und Contras“, ist sich Herndl sicher, der das politische Krisenmanagement auf allen Ebenen inzwischen „in Gänze“ nicht mehr versteht.

VfB Forstinning: Saisonabbruch hätte schon früher kommen können

Das gelte auch für den Bayerische-Fußball-Verband, der zuletzt einen Vier-Punkte-Plan für den weiteren Umgang mit der Spielzeit 2019/21 vorgelegt hat (wir berichteten). Unter Punkt zwei erklärt der Verband, dass es ein sportliches Saisonende bis zum Stichtag 30. Juni nur geben könne, wenn in ganz Bayern spätestens ab dem 3. Mai ein „nahezu uneingeschränkter Trainingsbetrieb“ möglich wäre. „Ich halte das zwar nicht für ausgeschlossen, vermute aber, dass es zum Abbruch kommen wird, den man wie andere Landesverbände schon viel eher hätte in Erwägung ziehen müssen. Da wäre dem Herrn Koch (Anm.d. Red: Verbandspräsident Rainer Koch) kein Zacken aus der Krone gefallen“, findet Herndl. „Der BFV hat sich mit seinem Gummi-Paragrafen aber immer alle Türen aufgehalten.“

Sollte sich Thomas Herndls Prognose bewahrheiten, die Saison nach dem neu geschaffenen § 93 der Spielordnung abgebrochen und Auf- und Absteiger per Quotienten-Regelung ermittelt werden, „würde sich das für uns sehr negativ auswirken“. Mit nur einem Zähler weniger und einer absolvierten Partie mehr im Vergleich zu Spitzenreiter Bruckmühl, würde Forstinnings Bezirksliga-Team als Vizemeister nicht einmal die Chance auf Relegationsspiele erhalten.

Herbdl: „Die Quotientenregelung ist nicht gerecht“

„Das ist nicht gerecht, zumal wir die Rückrundentabelle anführen, ein schwächelndes Bruckmühl zuletzt zuhause besiegt haben und voll im Flow mit den Verstärkungen im Winter noch alle Möglichkeiten hatten, im Minimum über die Relegation in die Landesliga zu kommen.“ Da sei es fast gleichgültig, dass die Forstinninger Reserve nach der Quotienten-Regelung mit großem Vorsprung als Kreisklasse-Meister „hochverdient“ in die Kreisliga aufsteigen und die Dritte gerade noch den Klassenerhalt in der A-Klasse schaffen würde. Wobei: „Was willst du da feiern? Nach fast zwei Jahren. Wo und mit wem denn?“

Die ideale Party-Location, das VfB-Sportheim, würde ja auch nur mit To-Go-Bestellungen gerade vor sich hin darben. Losgelöst von den finanziellen Einbußen, sei die Gesamtsituation „einfach eine Katastrophe“, die mit einem Saisonabbruch nicht beendet wäre. „Was ist denn, wenn dieser Lockdown noch bis zur Bundestagswahl anhält? Dann wird es ja auch keine neue Saison geben. Wo sind denn die Szenarien für ein Licht am Ende des Tunnels“, fragt sich Forstinnings Fußballchef.

Solch eine Strahlkraft würde der Vier-Punkte-Plan des BFV jedenfalls nicht entfalten, der vor einem Beschluss zum Saisonabbruch erneut die Einholung eines Meinungsbildes bei allen Vereinen vorsieht. „Stand heute kann ich nicht sagen, wie wir abstimmen würden. In diesem Fall würden wir uns auch erst die Meinung des Spielerrates einholen.“ Persönlich würde Herndl die wegregulierte Aufstiegschance akzeptieren. Stand heute. „Die Bezirksliga ist eine schöne Liga, aber uns wird die Möglichkeit genommen, sportlich unsere Ziele zu erreichen. Darüber, ob wir den Rechtsweg in diesem Fall einschlagen wollen, sind wir noch unschlüssig.“

(Julian Betzl)

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