Forstinnings Fußballer und ihr Gastronom halten zusammen: Die VfB-Kicker um (v.l.) Stefan Grasser, Mathias Hirt und Sebastian Hollerieth unterstützen ihren Vereinswirt Thomas Letsch und seine Familie als Lieferdienst. 
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Forstinnings Fußballer und ihr Gastronom halten zusammen: Die VfB-Kicker um (v.l.) Stefan Grasser, Mathias Hirt und Sebastian Hollerieth unterstützen ihren Vereinswirt Thomas Letsch und seine Familie als Lieferdienst. 

VfB Forstinning-Kicker übernehmen Lieferungen und kaufen Gutscheine

Spieler des VfB Forstinning helfen ihrem Vereinswirt Thomas Letsch

  • vonJulian Betzl
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Thomas Letsch hat Ende Juli 2019 die Vereinsgaststätte des VfB Forstinning übernommen. In der Corona-Krise kann er auf die Hilfe der Spieler zählen.

Forstinning – Mit einem modernen Interieur und großen Hoffnungen wagte Thomas Letsch Ende Juli 2019 im frisch errichteten Vereinsheim im Forstinninger Sportpark einen beruflichen Neuanfang. Der 42-jährige Gastronom wollte gemeinsam mit seiner Ehefrau Maria, 35, sowie den beiden Kindern durchs „Zum Elfer“ zu seinen Wurzeln im Landkreis Ebersberg zurückkehren.

Nicht nur an Heimspieltagen des Bezirksliga-Teams vom VfB wurde Letschs „Kindheitstraum“ mit Restaurant, Bar und Terrasse von Sportlern und Besuchern gut angenommen. Die traditionell bayerische Küche mit internationalen Einflüssen – beispielsweise eine Spargelpfanne mit Scampi in Sojasauce abgelöscht – wusste zu überzeugen. Jetzt ist die Gaststube an der Aicherstraße 8 leer, die Terrasse verwaist und die Sportanlage von den Behörden gesperrt.

Zukunftssorgen sind groß

Die Zukunftssorgen sind groß beim gebürtigen Forstinninger, der in jungen Jahren selbst das VfB-Dress trug. In der Prioritätenliste der Politik steht die Gastronomie im schrittweisen Wiedereröffnungsprozess gerade sehr weit unten. „So habe ich mir das alles natürlich nicht vorgestellt. Es sieht nicht rosig aus, gerade das Personal leidet“, sagt Letsch am Telefon. Das Corona-Virus hat dem „Elfer“ wohl schon jetzt mehr zerschossen als nur eine gelungene Frühjahrssaison.

„Wir unterstützen unseren Wirt nach besten Kräften und versuchen alles, damit er bei uns bleibt“, betont Thomas Herndl. Als Abteilungsleiter der VfB-Kicker ist er nicht nur Stammgast bei Letsch, sondern auch stolz darauf, wie groß die Hilfsbereitschaft aus den eigenen Reihen für den „Elfer“ ist.

Spieler unterstützen ihren Vereinswirt

„Die Spieler unterstützen mich auf alle Fälle. Auf Abruf im Lieferdienst oder indem sie Essen bestellen und Gutscheine kaufen“, freut sich der Wirt. Jeden Tag würde einer der Jungs im Laden stehen und für ihn kostenlos die Kundschaft beliefern. Besonders Vize-Kapitän Mathias Hirt, Sebastian Hollerieth und Stefan Grasser seien „immer extrem am Start“ und hinterm Steuer. „Aber auch der Verein unterstützt mich, indem er sagt: Wenn du die Pacht zahlen kannst, gut. Wenn nicht, ist das auch kein Problem.“

Noch kann sich Letsch trotz etwa 60 Prozent Umsatzeinbußen über Wasser halten. „Nur sollte dieser Zustand nicht noch das ganze Jahr dauern.“ In der Krise will sich der Forstinninger aber nicht nur auf die Hilfe von den Vereinsmitgliedern verlassen. Seinen Liefer- und Bestelldienst hat er auf seiner Homepage und in den sozialen Netzen schnell publik gemacht und die Öffnungszeiten der Nachfrage entsprechend angepasst. „Für die Firmen außen rum bieten wir jetzt von 11 bis 14 Uhr auch eine kleine Mittagskarte an, die gut angenommen wird. Genauso wie unsere relativ späten Öffnungszeiten von 17 bis 21.30 Uhr.“

Spielbetrieb und Mannschaftsabende fehlen am meisten 

Am meisten fehlen ihm derzeit der Spielbetrieb und die Mannschaftsabende in der Kasse. Insofern ist Letsch sehr an einer baldigen Wiedereröffnung der Sportanlage gelegen. Ob die Fußballsaison dann aber fortgesetzt oder neu gestartet wird, ist dem Vereinswirt im Hinblick auf die aktuelle Diskussion rund um das Vorgehen des Bayerischen Fußball-Verbands „völlig wurscht“. Hauptsache der Ball rollt wieder. „Natürlich habe ich ohne die Spiele Verluste. Deshalb würde ich aber nie den Verband verklagen.“

Klotzen statt Klagen, lautet Letschs Devise: Für den Vatertag am Donnerstag, 21. Mai, plant er, Steckerlfisch und Spanferkel vom Grill im oder am Forstinninger „Elfer“ anzubieten. „Sollten wir dann sogar schon öffnen dürfen, will ich noch eine Drei-Mann-Band organisieren. Für das Gefühl von Normalität.“ Einen normalen Betrieb erwartet Letsch frühestens Ende Pfingsten. Selbst dann sei die Angst der Leute gewiss noch spürbar, die Reservierungsanfragen wohl eher zögerlich, weshalb er keine zweite Neueröffnung plane.

Auf ein Klientel kann die Familie Letsch sicher zählen. „Die Spieler und Trainer werden auf alle Fälle nach dem Training reinkommen.“ Bis dahin richtet Thomas Letsch im Namen aller Kollegen eine Bitte an die Bevölkerung: „Wenn ihr nur einmal pro Woche bei eurem Lieblingslokal Essen bestellt oder abholt, ist jedem Gastronomen geholfen. Uns hilft momentan jeder Euro.“ JULIAN BETZL

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