Vom Nachwuchsleistungszentrum der Münchner Löwen zum TSV Zorneding. Sascha Bergmann übernimmt dort den Trainerposten von Ralph Pöpperling.
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Vom Nachwuchsleistungszentrum der Münchner Löwen zum TSV Zorneding. Sascha Bergmann übernimmt dort den Trainerposten von Ralph Pöpperling.

Neu-Trainer spricht im Interview

„Zorneding muss kein Sprungbrett sein!“ - Sascha Bergmann übernimmt TSV Zorneding

  • VonJulian Betzl
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Sascha Bergmann übernimmt den Trainerposten beim TSV Zorneding von Ralph Pöpperling. Im Interview spricht der der Sportwissenschaftler über seine neue Aufgabe.

Poing/Zorneding – Zur Neubesetzung seiner Trainerbank ist der TSV Zorneding quasi einen Tauschhandel mit dem TSV 1860 München eingegangen: Während Ralph Pöpperling zurück ins Nachwuchsleistungszentrum der Löwen wechselt, verlässt Sascha Bergmann seinen Co-Trainerposten bei der U16-Bayernligamannschaft und leitet ab Juli die Zornedinger Kreisklasse-Kicker an.Der 35-jährige Poinger war zuletzt vier Jahre im Löwen-NLZ als Assistenztrainer der U16 und U17 engagiert, nachdem er bei seinem Heimatverein TSV Waldtrudering über zwölf Jahre als Herrentrainer und Jugendleiter gewirkt hatte.

Im Antrittsgespräch mit der Ebersberger Zeitung erklärt der sportverrückte Sportwissenschaftler für Leistungsdiagnostik, wie viel Professionalität Hobbykicker vertragen und dass er an den Wochenenden zum Wohl des Familienlebens künftig zumindest seine Schiedsrichterpfeife an den Nagel hängt.

Wie kam Ihr Engagement beim TSV Zorneding zustande, Herr Bergmann?

Ich habe schon im März lose mit Jacky (TSVZ-Abteilungsleiter Jakob Bouacha, Anm. d. Red.) geschrieben und von seinem Plan erfahren, den Herrenbereich umzugestalten. Er hatte dieselbe Idee wie ich und die Vorteile eines Trainerduos in der Trainingsgestaltung gesehen. Zu zweit können wir besser in Kleingruppen und im Individualtraining arbeiten, sodass wir die Spieler individueller fördern können.

Welche konkreten Anreize konnte Ihr Kommilitone Jakob Bouacha setzen?

Jacky hat sich in allen Bereichen bemüht, alle Wünsche zu erfüllen. Eigentlich war eine Zusammenarbeit mit Ralph Pöpperling geplant. Als er dann das Angebot von Sechzig bekommen hat, durfte ich Florian Heppert als zweiten, gleichberechtigten Trainer mitbringen. Weitere Faktoren waren die super Anlage, die Wohnortnähe von zehn Minuten und der Anreiz, viele Jugendspieler in den nächsten Jahren hochziehen und auf ein anderes Level heben zu können.

Klingt nach einem langfristigen Projekt.

Erstmal wollen wir ein Jahr lang schauen, wie es passt. Aber Jakob, Flo und ich sehen das grundsätzlich schon als langfristiges Projekt an, bei dem wir die nächsten zwei bis vier Jahre sicher dabeibleiben wollen. Zudem bin ich sehr sesshaft und muss mich geborgen fühlen.

War die Verpflichtung Ihres Waldtruderinger Kumpels Florian Heppert (33) auschlaggebend für die Zusage?

Nein, ich hätte es auch allein gemacht. Aber es ist sehr angenehm, wenn man einen loyalen Partner dabeihat, der dieselbe Fußball-Philosophie lebt und dessen Stärken man kennt. Flo war ja auch Jugendleiter in Waldtrudering, Jugendtrainer von der D- bis A-Jugend und der Herrenreserve. Er kann super mit jungen Spielern umgehen und bringt als Lehrer dafür auch die pädagogische Seite mit.

Auch von zwei Wunschspielern war bereits die Rede …

Was unser Kaderplaner Johannes Bouacha in den vielen Gesprächen zuletzt rausgehört hat ist, dass viele Spieler nach zwei Jahren ohne gescheite Saison einfach nur wieder in ihren alten Vereinen kicken wollen. Aktuell haben wir noch keine Neuzugänge und brauchen sie auch nicht unbedingt. Hier steckt für die nächsten Jahre schon viel Qualität und Entwicklungspotenzial im Kader drin.

Sie bringen als diplomierter Sportwissenschaftler mit professioneller Trainererfahrung im Jugendbereich viel Fachkompetenz mit. Den Amateurbereich haben Sie als langjähriger Schiedsrichter, Jugendleiter und Herrencoach in Waldtrudering quasi durchgespielt. Wie viele Gehälter konnten Sie bei den Vertragsverhandlungen mit Zorneding insgesamt durchsetzen?

Das bleibt unter Verschluss (lacht). Ich weiß ja, wie es im Amateursport zugeht und was realistisch ist. Eine Aufstiegsprämie wird hoffentlich in Bier ausbezahlt (lacht).

Im Ernst: Inwiefern kann die Kreisklasse ein Entwicklungsschritt für Sie sein?

Ich habe gelernt, dass in den höheren Ligen ab der Bezirksliga viel über Vitamin B läuft. Zorneding muss kein Sprungbrett sein! Ich habe große Lust, mit jungen Spielern zu arbeiten und zu schauen, was man vom Leistungssport auf den Amateurbereich runterbrechen kann, um erfolgreich zu sein. Ich will den Verein mit meinem Knowhow aus dem Leistungsbereich bereichern und gemeinsam mit den Spielern eine Zornedinger DNA weiterentwickeln.

Auf wie viel Professionalisierung müssen sich die Spieler einstellen?

Man muss zuerst schauen, dass sich die Jungs wohlfühlen. Es wird unter der Saison bei zwei Trainingseinheiten pro Woche bleiben und nicht viele Umstellungen im Vergleich zu Ralph Pöppeling geben. On top kommt donnerstags nur eine 30-minütige Athletikeinheit dazu. Aber es ist gut zu wissen, dass im Spielerkreis selbst Potenziale für Videoanalyse und auch Physiotherapie vorhanden sind, die wir implementieren können.

Ihre Vorstellungen für den optimalen Trainingsstart?

Ab dem 4. Juli nutzen wir die ersten drei Trainings erst einmal zur Analyse, um die Spieler der drei Herrenteams kennenzulernen und zu schauen, wer dem Corona-Blues zum Opfer gefallen ist. Danach teilen wir die Kader ein. Ich erwarte von den Jungs, dass sie wieder richtig Bock haben zu kicken und möglichst viel Input von uns aufsaugen wollen. Dann versuchen wir, bei allen die Basics zurückzuholen und möglichst verletzungsfrei durch die ersten drei Monate der neuen Saison zu kommen.

Das Gespräch führte Julian Betzl.

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