Und wieder hat’s gekracht: Albert Gröber bejubelt einen seiner 26 Treffer, die er für den TSV 1860 München erzielt hat.
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Und wieder hat’s gekracht: Albert Gröber bejubelt einen seiner 26 Treffer, die er für den TSV 1860 München erzielt hat.

Gröber traf 26 Mal in 66 Spielen für den TSV 1860 München

Albert Gröber: Mit 20 fast gestorben, drei Jahre später der Löwen-Bomber

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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In der Serie „Erdings Top 100“ wird das fußballerische Leben von Albert Gröber aufgezeigt. Der Stürmer erzielte in 66 Spielen für den TSV 1860 München auf 26 Tore.

Eitting – Dr. Reinhard Kubo will auf dem Tennisplatz nur ein paar Bälle schlagen, doch dann rettet er Albert Gröber das Leben. Auf dem Fußballplatz nebenan ist der Mittelstürmer des FC Moosinning mit dem Torwart des SC Vachendorf zusammengerauscht. Der linke Augenhöhlenboden ist zertrümmert, die Schlagader dahinter abgedrückt. Es ist der 19. September 1987, als der Bezirksliga-Fußballer auf der Trage wegkippt. Herzstillstand.

Gröber, der spätere Torjäger des TSV 1860 und der SpVgg Unterhaching, ist da gerade mal 20 Jahre alt. Aber die Ärzte im Landkreis kennen ihn schon. Aus seinem frühen Bulletin: Blinddarm-OP, Blutvergiftung, rheumatisches Fieber, eine schwere Gehirnerschütterung mit 16. „Da bin ich mit dem Berglerner Torwart zusammengekracht“, erinnert sich Gröber. Das – und was noch kommen wird – habe ihn immer nur temporär vom Fußball abgehalten, sagt er.

Fußball in den 1980ern: „Die Alten haben dich sofort rasiert. Da hast du nicht aufgemuckt“

Auch nicht der Verweis, den er schon in der Grundschule kassiert. „Da lag ein Ball, und der Lehrer hat mir verboten, den anzurühren. Aber ich konnte nicht anders. Ich musste dandeln.“ Mit acht fängt Gröber beim FCM an – anfangs als Libero. „Aber ich bin immer nach vorne gerannt. Irgendwann hat mein Trainer aufgegeben“, sagt er lachend. Der junge Albert war überall auf dem Platz – und in allen Mannschaften: „Ich habe schon als C-Jugendlicher in der A-Jugend ausgeholfen.“ Ein großer Förderer ist in diesen Jahren Trainer Franz Lenz. Mit 17 spielt Gröber in der Ersten. „Bis auf den Freitag hatte ich jeden Tag Training oder Spiel“, sagt er.

Der FCM fördert sein größtes Talent – aber es ist die harte 80er-Jahre-Schule. „Die Alten haben dich sofort rasiert. Da hast du nicht aufgemuckt. Wenn du in der Kabine deine Klamotten an den falschen Haken gehängt hast, dann lagen die am Boden.“ Gröber fügt sich in der Rolle des Lehrlings, trägt die Koffer. Andererseits tunnelt er schon mal die Routiniers. „Und die haben dich danach aus den Schuhen gehauen, so war das eben.“ Trainer Otto Humplmair schont ihn auch nicht gerade: „Gegen Wacker Burghausen hat mich mal ein 35-Jähriger abgekocht. ,Der oide Mo macht mit dir, was er will‘, hat der Otto geschimpft. Und ich habe mir vor lauter Wut in die Haxn bissen und bin beim nächsten Training gerumpelt wie ein Irrer.“ Dieser Ehrgeiz habe ihn besser gemacht, davon ist Gröber überzeugt.

Drei Monate nach Herzstillstand Rückkehr auf den Fußballplatz

Seine Klasse spricht sich früh herum. Ein Probetraining beim TSV 1860 ist schon vereinbart. Dann kommt jener dramatische Herbstsamstag. „Ich kann mich noch erinnern, wie ich auf der Trage gefroren habe. Dabei waren über 30 Grad. Ich habe meine Hand nach einer Jacke ausgestreckt, die mir Trainer Toni Bönig reichte. Von da an weiß ich nichts mehr.“ Dr. Kubo reanimiert den jungen Mann. Im Sanka wird’s dramatisch. Später wird ihm der Arzt gestehen, dass er fast schon die Hoffnung aufgegeben hat.

Drei Monate danach steht der Moosinninger schon wieder auf dem Platz. Und er trifft und trifft. Der FCM spielt inzwischen in der Bezirksoberliga. Im Pokal geht’s gegen den TSV 1860 München, der 2:0 vorn liegt. Dann trifft Gröber zweimal. In der Verlängerung schaffen die Löwen noch ein 4:2, aber Trainer Willi Bierofka hat sich einen Namen notiert. Ohne Probetraining wird Gröber verpflichtet.

Für den damals 22-Jährigen erfüllt sich ein Lebenstraum: Er war immer schon ein Blauer – und jetzt darf er im Grünwalder Stadion auflaufen. 66 Spiele wird er für die Löwen bestreiten und dabei 26 Tore schießen – was für eine Trefferquote. Dass es nicht mehr Partien werden, liegt am Verletzungspech. Bereits im ersten Jahr reißt sich Gröber das Kreuzband. Hinzu kommen eine Schultereckgelenkverletzung, eine Leistenoperation, ein Bänderriss. Trotzdem wird Gröber die Zeit bei den Löwen nie vergessen.

Albert Gröber: 66 Spiele und 26 Tore für den TSV 1860 München

Zum Beispiel das DFB-Pokalspiel gegen den SV Werder Bremen an einem Mittwoch im November 1989. Die tz titelte vor der Partie: „Rehhagel spionierte und sah starken Gröber“. 28 000 Zuschauer feuern die Löwen an. Gröber ist in der Startelf, in der auch Stephan Beckenbauer, Walter Hainer und Reiner Maurer stehen. Und Armin Störzenhofecker, der die Blauen in Führung schießt. Marco Bode und Kalle Riedle drehen die Partie zwar noch. „Aber in den letzten zehn Minuten haben uns unsere Fans nach vorne geschrien, wir haben Bremen an die Wand gespielt.“ Der Ausgleich fällt nicht mehr, doch der gemeinsame Kampf mit den Fans gegen den Favoriten – „das war schlichtweg der Wahnsinn“.

Gröber erlebt so etwas in diesen Jahren immer wieder. Der Vertragsamateur – halbtags ist er bei der Stadt München angestellt – ist der Held in der Aufstiegsrunde 1990/91. Er rettet das 1:1 gegen Neunkirchen, schießt zwei Tore gegen Pforzheim und Kassel. Dank seiner Tore sind die Löwen zurück in der 2. Liga. „Und dann stehst du auf dem Rathaus-Balkon, und 15 000 Fans feiern dich. Das ist eine Verehrung – in solchen Momenten fühlst du dich wie ein Heiliger.“

1994 wechselt Albert Gröber zur SpVgg Unterhaching

Dazu fällt Gröber die Geschichte ein, als er beobachtete, wie ein Auto Benzin verlor, weil der Tankdeckel fehlte. „Ich bin hinterher und habe den Fahrer darauf aufmerksam gemacht.“ Die Reaktion: „Der hat mich angeschaut und nur gesagt: ,Du bist doch der Albert Gröber’. Dass er gerade literweise Sprit verliert, war ihm scheinbar völlig egal.“ Gröber wird noch zweimal auf dem Balkon stehen. Nach dem Abstieg geht es sofort wieder zurück in die 2. Liga und dann auch noch in die Bundesliga. In der Beletage kommt er allerdings nicht mehr an. Sein Weg führt ihn nach Unterhaching. Werner Lorant hatte sich für das Duo Peter Pacult und Bernhard Winkler entschieden. „Die beiden haben es ja auch überragend gemacht“, gibt Gröber zu. Er selbst hat in dieser Zeit Pech mit Verletzungen, in der Vorbereitung zur Aufstiegssaison galt er als gesetzter Stürmer.

1994 wechselt Gröber also zur SpVgg Unterhaching, ist dort Stammspieler – als er gegen Ludwigsburg bei einem Freistoß angeschossen wird und sich dabei das Handgelenk bricht. Aber der inzwischen 27-Jährige beißt sich durch. Am Dienstag wird er operiert, am Donnerstag trainiert er wieder, am Samstag will er unbedingt in Ditzingen spielen. „Ich war in der ersten Halbzeit grottenschlecht und dachte, der Trainer wechselt mich aus. Und dann habe ich noch zwei Tore geschossen.“

Und dann wäre da noch dieses Traumtor gegen Lübeck. Gröber schnappt sich an der Mittellinie den Ball, stürmt bis zur Strafraumgrenze, tanzt zwei Spieler aus und trifft an die Lattenunterkante und dann ins Tor. Der große Peter Grosser eilt nach dem Spiel zu ihm: „So etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Das wird das Tor des Jahres.“ Gröber geht zum BR-Kameramann und bekommt die Antwort: „Sorry, die Akkus sind ausgefallen. Wir haben dein Tor nicht drauf.“ Ärgerlich, aber es läuft bestens mit Haching.

1997 dann der Wechsel zum FC Kufstein

Und dann bleibt Gröber bei einem harmlosen Trainingsspiel im Rasen hängen. Schien- und Wadenbein-Trümmerbruch. 27 Schrauben bekommt er in sein Bein. Neun Monate wird er nicht mehr Fußball spielen können. Aber das rückt ohnehin in den Hintergrund, als er bei der Abschlussfahrt nach Mallorca vor lauter Schmerzen nicht mehr schlafen kann. Das linke Bein ist völlig vereitert. „Man muss sich den Knochen wie ein Rohr vorstellen, das völlig zerfressen ist“, erzählt Gröber, „Im Grunde haben nur noch die 27 Schrauben alles zusammengehalten. Man hätte mir damals fast das Bein abgenommen.“

Ende 1997 beendet Gröber seine Zeit in Haching, von der nicht nur er schwärmt. „Das war eine tolle Gemeinschaft. Wir Spielerfrauen haben ständig gemeinsam was unternommen“, erzählt seine Frau Gabi. Und die Profikicker sind auch als Team unterwegs. 30 Punktspiele bestreitet Gröber für die SpVgg, schießt sieben Tore. Zum Abschied schenken ihm die Teamkollegen eine CD: „Das Gröber-Lied“. Die Fußballer singen nach der Melodie vom Kufstein-Lied eine Ode an ihren Torjäger, der ein halbes Jahr beim FC Kufstein spielt – fußballerisch eine verlorene Zeit. Der Verein steigt aus der 2. österreichischen Liga ab, was für Gröber keine Überraschung war. „Das war alles ein wenig wischi-waschi.“

Albert Gröber wird Spielertrainer beim FC Eitting

Wesentlich wichtiger allerdings: Bei einer Untersuchung stellt sich heraus, dass Gröber einen angeborenen Herzklappen-Fehler hat. „Die Ärzte haben mir gesagt, das sei nichts Akutes, aber irgendwann muss man da was machen.“ Andererseits weiß er jetzt, warum er manchmal erschöpft ist. „Kein Wunder, wenn man nur auf zwei Zylindern läuft.“ Für Gröber, der mit seiner Familie längst in Eitting wohnt, ist das auch ein Zeichen, endgültig etwas kürzer zu treten. Ein halbes Jahr hilft er seinem alten Löwen-Spezl Rainer Berg, der den Landesligisten TSV Ampfing trainiert. Dann kickt er da, wo er auch wohnt.

Und das wäre die zweite Geschichte des Albert Gröber. Nach anfänglichen Schwierigkeiten („Die haben gedacht, die müssen den Ball nur nach vorne hauen, und ich schieße dann schon die Tore“) mausert sich der FC Eitting vom Schlusslicht zum Meister. Gröber wird Spielertrainer, steigt in die Bezirksliga und in die BOL auf. Er baut ein Team auf, das als eine der besten aller Zeiten gilt – auch weil Spieler wie Manfred Röslmair, Manfred Götz, die Brunner-Brüder, Hermann Beil und Sepp Eder aus der Nachbarschaft wechseln. „Das hat nichts mit Geld zu tun gehabt“, sagt Gröber, der später Abteilungsleiter wird und noch mit 45 in der Ersten aushilft hat. „Die Burschen wollten mit mir zusammenspielen.“ Und dann fügt der heute 53-Jährige lachend hinzu: „Das wird Stefan Lex auch so gehen, wenn er in Eitting mal Spielertrainer ist.“

(Dieter Priglmeir)

Albert Gröber über ...

Seine Eltern: „Mein Vater Albert war ein toller Fußballer, der mit Moosinning in der Landesliga gespielt hat. Aber loben konnte er nicht. Gegen Kiefersfelden habe ich mal fünf Tore geschossen, und er hat nach der Szene gefragt, in der mir der Torwart den Ball vom Fuß geklaubt hat. Meine Mutter Resi war und ist einfach immer für mich da. Auf sie kann ich immer bauen.“ Seine Familie: „Meine Frau Gabi, meine Söhne Christian und Johannessind mein Rückhalt. Das habe ich gemerkt, als ich mal kurz vor einem Burnout war. Die Familie hält immer zusammen und steht an erster Stelle. Und seitdem ich Opa bin, ist natürlich Marlene unser Star.“

Karsten Wettberg: „Ein Pfundskerl, den man nicht unterschätzen sollte. Er hat genau gewusst, was er macht. Sonst wäre er nicht so erfolgreich gewesen. Ich telefoniere noch heute mit ihm.“

Werner Lorant: „Er hatte schon eine gewisse Arroganz. Aber er hatte ja auch schon was vorzuweisen, war Bundesliga-Spieler und UEFA-Cup-Sieger. Klar, war er ein harter Hund, aber das Training war ja nicht umsonst. Sagen wir mal so: Das hat damals einfach zuammengepasst: Wildmoser war a Bazi, und der Lorant war a Bazi.“

Thomas Miller: „Einmal hat er mich in die Dusche geholt. Ich musste ihm vor dem Spiel ein paar schmieren. Dann war er heiß. ,Bertl, den Kerl frissiheid!‘ Tom ist ein super Typ mit einer Hammer-Power. Ich habe ihm die Bundesliga eigentlich nicht zugetraut. Aber als er gegen Andy Möller gespielt hat, hätte der sich am liebsten nach einer Viertelstunde auswechseln lassen.“

Beste Löwen-Spieler: „Das waren damals die Strategen Kneißl und Trares. Und natürlich unser Torwart Rainer Berg.“

Fans: „Die Verehrung ist Hammer. Klar, wurde auch geschimpft, wenn wir schlecht waren. Aber Fan-Aktionen wie heute, dass man so richtig angegangen wird, das hat’s bei uns nie gegeben,“

Lorenz-Günther Köstner: „Ein akribischer Trainer, der seine Hachinger Spieler ganz genau kannte. Wenn jemand verletzt war, wusste er immer den aktuellen Heilungsstand.“

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