DAS SPORTGEFLÜSTER

Anpfiff in den Erdinger Stadien: Fehlstart   –na und?

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Dieter Priglmeir meint in seinem Sportgeflüster zum Wochenende: Der Auftakt in die Punktrunde wird oft überschätzt. Beispiele dazu u.a. von Martin Grasser, Dominik Dorsch und Wast Held.

Beginnen wir die Fußballsaison 2019/20 mit Franz Beckenbauer: Der hat regelmäßig seine ersten Spiele als Trainer verloren. Danach ist er Weltmeister geworden. Deshalb raten wir auch unseren Amateurfußballern vor dem ersten Spieltag frei nach dem Kaiser: „Geht’s naus und spielt’s Fußball.“ Denn mit einer einzigen Niederlage ist noch lange nichts verloren.

Wer sich allerdings von der Lichtgestalt nicht blenden lassen will, dem legen wir die Statistik von Dominik Dorsch nahe. „Wir sind mal mit fünf Niederlagen gestartet und haben trotzdem den Klassenerhalt geschafft“, erzählt der Spielertrainer des SV Zustorf. Andererseits habe er auch schon mal eine Punktrunde mit fünf Siegen in Folge begonnen. „Und dann sind wir aus der A-Klasse abgestiegen.“

Bevor jetzt hier aber jemand mit alten Fußballweisheiten kommt wie „Wer 1:0 führt, der stets verliert“: Gewinnen ist auch am ersten Spieltag schöner als haushoch unterzugehen. Fragen wir doch mal nach bei den Hauptdarstellern jenes ungleichen Kreisklassenspiels vor zwei Jahren im Erdinger Stadion. Der SV Wörth wird dieses 8:0-Auswärtsfestival noch in guter Erinnerung haben. Die Fußballer von Türk Gücü Erding werden es nicht mal mehr wissen. Damals hatte es gefühlt 40 Grad, und den TG-Kickern war nicht vom Wörther Kombinationswirbel schwindlig, sondern weil sie wegen des Ramadan nichts im Bauch hatten.

Warum der SV Wörth dagegen vergangenes Jahr in der Kreisliga gleich zweimal in Folge unterging (1:7 gegen Mauern und 0:5 gegen Kirchdorf), darüber rätselt der damalige Trainer Wast Held noch heute. „Das war schon ein richtiger Nackenschlag“, sagt er heute.
Richtig körperlich geschmerzt hat es dagegen bei Michael Fugmann. In seinem ersten Jahr als Spielertrainer des FC Lengdorf 2 „bin ich am ersten Spieltag in der Notaufnahme gelandet. Acht Stiche über der Augenbraue, weil ich mit einem Fraunberger Dickschädel zusammengerauscht bin“, erzählt er heute.

Vom Dickschädel zum Brummschädel:Den hatten damals die Fußballer des FC Hörgersdorf. Zum Auftakt der Saison 2017/18 hatte der FCH gegen den TSV Aspis Taufkirchen das Duell der Aufstiegsfavoriten 4:2 gewonnen. „Wir sind danach geschlossen aufs Volksfest nach Dorfen“, erzählt Martin Grasser, der dreimal für seine Hörgersdorfer getroffen hate. „Es hallte immer wieder ,Spitzenreiter! Spitzenreiter! Hey! Hey!‘ durch die Halle. Wir haben gefeiert, als wenn wir aufgestiegen wären.“ Am Ende wurde Aspis Meister und Hörgersdorf Vierter.

Man kann es aber auch so machen wie der SC Kirchasch, der sein Sportplatzfest traditionell mit dem Saisonauftakt zusammenlegt. Das ist quasi Punktspielstart mit Feiergarantie. Wenn dann – wie geschehen – am ersten Spieltag gegen das haushoch favorisierte Rot-Weiß Klettham mit einer laut Spielertrainer Markus Weber „brutal kämpferischen Teamleistung“ dann noch ein 2:0 rausspringt, „dann ist ganz Kirchasch on fire“, erzählt Weber. Einige Jahre zuvor hatte der Meistermacher seine ganz persönliche Top-Premiere: In seinem ersten Landesligaspiel musste er mit dem VfB Hallbergmoos gegen den SE Freising vor 1000 Zuschauern ran. „Da ging mir schon ein bisschen das Wasser“, gesteht er. „Bis zur 85. Minute lagen wir noch 2:4 hinten, aber dann konnte ich mit einem Doppelschlag in der 90. noch ein 4:4 machen.

Und damit wissen wir, was die perfekte Sportgeschichte ist: ein Happy End nach einem kapitalem Fehlstart.

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