Der FC Erding tritt ab nächster Saison nur noch mit einer Mannschaft zum Spielbetrieb an.
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Der FC Erding tritt ab nächster Saison nur noch mit einer Mannschaft zum Spielbetrieb an.

Drastischer Schritt der Erdinger 

Aus für 2. Mannschaft: FC Erding tritt nur noch in der A-Klasse an 

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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Der FC Erding hat bekannt gegeben, dass in der kommenden Saison nur noch eine Mannschaft für den Spielbetrieb angemeldet wird. Eine Etablierung in der A-Klasse ist das Ziel. 

Erding – Diese Nachricht schlägt im Landkreis-Fußball ein wie eine Bombe: Der FC Erding wird für die kommende Saison nur eine Mannschaft für den Spielbetrieb anmelden. „Wir müssen diesen drastischen Schritt jetzt gehen und einen Neuanfang starten“, erklärt Ralf Sandner. Wer jetzt glaubt, der Verein versucht die Kreisliga zu halten, wo das Team derzeit auf einem Abstiegsplatz steht, liegt falsch. Denn der Kassier betont: „Wir werden in der A-Klasse antreten.“ Natürlich sei dies sehr bedauerlich, „vor allem vor dem Hintergrund, dass wir in der Saison 2018/19 noch in der Bezirksliga gespielt haben“, sagt er. „Jedoch bringt es dem Verein nichts, den Erfolgen von vergangenen Tagen nachzutrauern. Es gilt jetzt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und nach vorne zu schauen.“ 

Erfolgreiche Jahre in den 60ern 

Die Hochzeit erlebten Erdings Fußballer in den 60ern. 1966, also vor genau 55 Jahren, wurde nicht nur der TSV 1860 München Deutscher Meister, sondern der TSV Erding stieg als A-Klassenmeister in die Bezirksliga auf. Sieben Jahre hielt sich das Team in der 5. Liga, klopfte zwischendurch sogar ans Tor zur Landesliga, bis es schließlich bis hinunter in die C-Klasse ging, in die 8. und zugleich unterste Liga. Es folgten wechselvolle Jahre, mit vielen Aufs und Abs. Zwischendurch waren die Erdinger Kicker dann wieder in der Bezirksliga, was mittlerweile die 6. Liga war, und mussten wieder runter, bis die Verantwortlichen in den 2010er-Jahren zum großen Wurf ausholen wollten. Wieder in der Bezirksliga angekommen, wollte man mit Sponsorenhilfe mindestens in die Landesliga. Es wurden viele auswärtige Spieler geholt, der eigene Nachwuchs blieb dabei allerdings auf der Strecke. 2016 war die große Chance zum Landesliga-Aufstieg da, doch scheiterte der FC Erding in der Relegation am TSV Kastl. 

Sportlicher Abstieg nach Verlust der Hauptsponsorin 

Als sich die Hauptsponsorin zurückzog, ging es sportlich wieder bergab, und vor der Corona-Unterbrechung lag der FCE in der Kreisliga auf einem Abstiegsplatz. „In der letzten Saison wurde sicherlich nicht alles richtig gemacht, jedoch war das nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die entscheidenden Fehler wurden bereits vor einigen Jahren gemacht“, spricht Pressesprecher Tommy Frieß Klartext. „Viele Erdinger wurden vergrault, weil sie teilweise nicht die nötige Anerkennung oder kein Gehör geschenkt bekommen haben. Zudem wurde es verpasst, in der Ersten einen richtigen Mannschaftskern zu formen, wie es in der Zweiten der Fall ist.“ Er denkt vor allem an die Jahrgänge 1997/98/99, von denen viele potenzielle Schlüsselspieler aus der JFG zu den Herren gestoßen waren, die aber letztlich nicht beim FCE geblieben sind. „Durch eine bessere Kommunikation hätte vieles anders laufen können, das muss zukünftig mehr berücksichtigt werden“, stellt Frieß fest.

„Umbruch wurde bereits vor zwei Jahren eingeleitet“

Er weist ausdrücklich darauf hin, dass in der Abteilungsleitung in den vergangenen beiden Jahren bereits ein Umbruch eingeleitet worden sei. Viele Posten seien neu entstanden oder umbesetzt worden. „Darunter sind viele junge Spieler, die sich für den Verein engagieren möchten“, erzählt Frieß. Die Erweiterung werde fortlaufend weitergeführt. Zudem soll die Jugendarbeit in Form einer engeren Kooperation mit der JFG verstärkt werden. „Lothar Feuser, Kurt Müller und Sascha Hofmann sind kompetente Zuständige, die vor allem den Übertritt von der JFG Sempt Erding zum FC Erding vorantreiben sollen“, betont der FCE-Pressesprecher. 

Zudem blicke der Verein dem neuen Gerd-Vogt-Sportpark mit großer Vorfreude entgegen. Hier werde dem FC Erding zukünftig eine attraktive, moderne Sportanlage zur Verfügung stehen. Was die zukünftige Mannschaft des FC Erding betrifft, so werde diese laut Frieß „zu einem Großteil aus der bisherigen zweiten Mannschaft bestehen“. Lediglich Victor Koinegg (aus beruflichen Gründen) und Matthias Kurz (heuert bei einem neuen Verein an) werden dem FC Erding nicht mehr zur Verfügung stehen. „Von der bisherigen ersten Mannschaft wird ein Großteil den Verein verlassen“, kündigt der Pressesprecher an. „Die Anzahl der verbleibenden Spieler steht noch nicht fest, da aktuell noch Gespräche geführt werden.“ 

Trainerteam hofft auf Verbleib von vielen Erdingern: „Herz muss wieder grün-weiß schlagen“

Das Trainerteam mit den FCE-Urgesteinen Andreas Ostermair und Ludwig Scheidl bleibt, und so hoffen die Verantwortlichen, mehr Erdinger im Kader halten zu können. „Das Herz muss wieder grün-weiß schlagen“, hatte Sandner bereits bei der Jahreshauptversammlung im August vergangenen Jahres gefordert, und sein Abteilungsleiter pflichtet ihm bei. „Vereinstreue wird heutzutage von manchen nicht mehr so großgeschrieben, wie vor zehn Jahren“, weiß Matthias Köppen. „Junge Spieler brauchen noch mehr Betreuung, dem müssen wir uns anpassen.“ In den letzten Jahren habe man zu Beginn der Saison versucht, irgendwie einen wettbewerbsfähigen Kader für die erste Mannschaft zusammenzustellen. „Das muss ab jetzt anders laufen. Es ist wichtig, dass das Vereinswappen auf der Brust wieder mit Stolz getragen wird“, fordert Köppen. Bei der Zweiten habe er diese Einstellung seit Jahren festgestellt. „Auch wenn dieser Schritt bedauerlich ist, schauen wir nun zuversichtlich in die Zukunft. Wir freuen uns auf eine tolle Einheit. Eine Mannschaft, die für den FC Erding brennt.“ Jetzt halt eben in der 9. Liga. „Wir wären auch für die Kreisklasse berechtigt, dürfen aber jetzt nicht wieder denselben Fehler machen und die Ziele zu hochstecken“, erklärt Sandner den Rückzug in die AKlasse, in die die Zweite aufgestiegen ist. „Ein Antritt in der Kreisklasse wäre für den Beginn zu viel Druck und würde bei Misserfolgen nur wieder Unruhe in den Verein bringen. Wir möchten ein starkes A-Klasse-Team mit einem homogenen Mannschaftsgefüge stellen“, gibt er die neue Richtung vor.

(WOLFGANG KRZIZOK)

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