Bedeutet die Absage der Saison 2020/21, dass der FC Finsing und Co. dieses Jahr kein Spiel mehr austragen?
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Bedeutet die Absage der Saison 2020/21, dass der FC Finsing und Co. dieses Jahr kein Spiel mehr austragen?

Reaktionen zum BFV-Beschluss

Re-Start am 1. September nicht zu halten?

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Der Bayerischer Fußballverband beschließt, die Saison 2020/21 endgültig abzusagen. Vertantwortliche aus den Erdinger Fußball-Vereinen bewerten die Entscheidung.

Erding – Die Fußballsaison 2020/21 der Herren und Frauen entfällt komplett. Das gab nun der Bayerische Fußballverband (BFV) bekannt und begründete dies mit dem kleinen Zeitfenster, in dem für die Saison 2019/20 noch zwischen zehn und 17 reguläre Ligen-Spieltermine sowie Platzierungs- und Entscheidungsspiele stattfinden sollen. Der Verband wolle Spielern und Vereinen nur in Ausnahmefällen Englische Wochen zumuten. Zudem würden das Saisonfinale und notwendige Entscheidungsspiele zur zuschauerunfreundlichen Zeit Ende November oder Anfang Dezember stattfinden.

„Hinzu kommt die große Gefahr, dass aufgrund witterungsbedingter Absagen das Spieljahr nicht zu beenden ist“, sagt Verbandsspielleiter Josef Janker. Sollte es die Terminsituation erlauben, so werde der BFV ein Zusatzangebot zum regulären Ligen-Spielbetrieb erarbeiten.

SpVgg Altenerding kann Entscheidung nicht nachvollziehen

Die Fußball-Vereine im Landkreis reagierten sehr unterschiedlich auf die Entscheidung des BFV. Altenerdings Fußballchef Andreas Heilmaier befürchtet „langfristige negative Folgen für den gesamten Fußballsport“. Seiner Ansicht nach habe der BFV sich ohne Notwendigkeit jetzt schon festgelegt. Die Situation habe sich seit der Entscheidung im April, die laufende Saison fortzusetzen, nicht verändert. „Auch damals war schon bekannt, wie viele Spieltage noch auszutragen sind. Darum kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum man jetzt zwei Monate später diesen bekannten Umständen nun Rechnung trägt.“ Er vermutet, dass der geplante Re-Start am 1. September nicht zu halten ist und der BFV darum diesen Beschluss gefasst hat.

„Für mich wäre es auch inkonsequent, wenn man im September wieder loslegen würde, denn was soll sich bis dahin ändern? Wir haben doch jetzt auch kaum noch Infizierte. In drei Monaten wird die Lage noch ähnlich sein, denn eine grundlegende Veränderung wird erst ein Impfstoff bringen.“

Sollte sich der Re-Start tatsächlich verspäten, gebe es zur aktuellen Entscheidung tatsächlich keine Alternative. Aber sollte es, wie aktuell noch geplant, doch schon im September losgehen, hätten sich die Altenerdinger Fußballer ein Saisonende des laufenden Spielbetriebs bis Ende 2020 und eine verkürzte Saison 2020/2021, in der man nur eine Halbserie spielt, bis Ende Juni 2021 gewünscht.

Dass die entscheidenden Spiele im grauen November keine Zuschauer haben würden, glaubt Heilmaier nicht. „Fußballbegeisterte besuchen auch im November Relegationsspiele.“ Und Englische Wochen hält er „aufgrund der überschaubaren Entfernungen“ für machbar. „Natürlich sieht es in den höheren Spielklassen ganz anders aus, aber da haben nahezu alle Vereine Kunstrasenplätze, sodass man die Saison auch bis Mitte Dezember laufen lassen kann“.

TSV Wartenberg: Entscheidung des BFV alternativlos

Thomas Rademacher, Vorstandsmitglied des TSV Wartenberg, hält dagegen die BFV-Entscheidung für „richtig und eigentlich alternativlos, wenn man bedenkt, dass der Verband ja sicherstellen muss, dass der Spielbetrieb in den Bezirken einigermaßen zum gleichen Zeitpunkt endet. Bei uns wäre das in diesem Jahr wahrscheinlich noch gut gegangen, aber im Kreis Zugspitze oder im Bayerischen Wald zu einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht“. Außerdem könne es immer mal sein, dass eine Mannschaft in Quarantäne muss, was dann? „Und ein Relegationsspiel, bei dem es um die Wurst geht, kann ich mir an einem Nikolausmarkt-Wochenende auch nicht unbedingt vorstellen“, so der Wartenberger.

Rot-Weiß Klettham: Derzeitige Trainingsmöglichkeiten unbefriedigend

Patrick Tischer, Fußballchef von Rot-Weiß Klettham, hält dem Verband zugute, dass dieser versuche, „eine vernünftige, einigermaßen planbare und sichere Lösung zu haben. Ich sehe ja in Klettham, wie schwierig es ist, mit den ganzen Vorgaben vernünftig zu planen. Tischer erinnerte an den BFV-Beschluss, dass die Saison 2019/20 auf alle Fälle zu Ende gespielt werden soll.

„Nach den Aussagen von Markus Söder bezüglich Impfstoffen und Medikamenten und der erst damit verbundenen Rückkehr zur Normalität sehe ich den 1. September als Fortsetzungstermin sehr gefährdet – das sind ja nicht mal drei Monate.“

Mit den derzeitigen Trainingsmöglichkeiten kann Tischer nicht viel anfangen. „Das hat mit Fußball nur wenig zu tun. Es erinnert mich eher ein bisserl an Angeln ohne Angel.“ Der Kletthamer Abteilungsleiter sieht das Zeitfenster für 19/20 immer kleiner werden. „Ich hoffe einfach, dass es mit der Saison 21/22 ab August 2021 wieder ganz normal läuft und wir mit der Ersten in der Kreisklasse und mit der Zweiten als Aufsteiger in der A-Klasse am Start sind.“

FC Finsing: 2020 wahrscheinlich keine Spiele mehr

Zuerst die Entscheidung, die Saison 2019/20 nach einer Pause fortzusetzen, und jetzt die endgültige Absage für 20/21 – für Dieter Heilmair schließt sich damit ein Kreis. „Wenn ich zwischen den Zeilen lese“, so der Vorsitzende des FC Finsing, „dann muss ich davon ausgehen, dass es im Jahr 2020 keine Spiele mehr geben wird und die Rückrunde damit um ein Jahr verschoben wird“. Sollte Corona heuer tatsächlich kein Spiel mehr erlauben, „dann hat der BFV alles richtig gemacht“, sagt Heilmair. „Mich verwundert aber ein wenig der Alleingang Bayerns.“ Er kenne den BFV-Präsidenten Rainer Koch seit vielen Jahren. „Das ist ein Mann, der Risiken einzuschätzen weiß. Und es muss schon gewichtige Gründe geben für so eine lange Pause, wenn in vielen anderen Bereichen die Auflagen gelockert werden.“

Für die Vereine sei die lange Pause fatal. „Es wird eine riesige Herausforderung, vor allem die Kinder und Jugendlichen im Verein zu halten. Wenn sie ein Jahr keinen Wettkampfsport haben, verlieren viele die Nähe zum Fußball.“

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