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Perfekte Ballkontrolle: Maxi Hennig (r. im Spiel gegen Greuther Fürth) ist seit acht Jahren beim FC Bayern.

Fußball

Besser als Barca, Juve oder Ajax: Ein Eichenrieder im Bayern-Superjahrgang

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Maxi Hennig (14) gehört zum 2006er-Team des FC Bayern - eine Mannschaft, die seit Jahren zusammenhält und überall Erfolge feiert.

Eichenried – Nachwuchsspieler beim FC Bayern München – bedeutet das nicht ständiger Konkurrenzkampf und Angst vor dem Aussortieren? „Nö“, sagt Maxi Hennig, „so schlimm ist das nicht“. Hört sich nach dem gesunden Selbstbewusstsein eines Fußballers an, der erst jüngst zu einem Lehrgang der U15-Nationalmannschaft eingeladen wurde. Doch sein Vater Marc unterlegt das auch mit einer Zahl: „Von neun Spielern, die damals in der U9 angefangen haben, sind immer noch acht da.“ Maxi Hennig gehört zu den 2006er-Bayern – das ist ein außergewöhnlicher Jahrgang, der auch beim großen FCB besonders aufmerksam verfolgt wird.

Der Kern der Mannschaft stammt aus München und vor allem aus dem Umland, einer kommt aus Neu-Ulm, einer aus Landshut. So ein Team Bavaria – das ist natürlich gut fürs Image des Rekordmeisters, der schließlich das Regionale in seinem Vereinsnamen trägt. Aber die Buben gewinnen halt auch noch alles. Maxi Hennig erzählt von Siegen gegen Atlético Madrid, gegen Barcelona oder Ajax Amsterdam.

Partien gegen internationale Topvereine – „für Maxi ist das so normal wie für mich Spiele zwischen Altenerding und Steinkirchen“, sagt der Vater. Allein gegen Juventus Turin habe er schon gut zehnmal gespielt, sagt der Sohn. Auch alle Topmannschaften Londons kenne er aus zahlreichen Partien, fügt er hinzu, ohne prahlerisch zu wirken. Er antwortet ja nur auf die Fragen. Ein Highlight sei ein Hallenturnier in Holland vor 4000 Zuschauern gewesen. Vor den Spielen sei er da schon ein wenig nervös gewesen, gesteht der 14-Jährige. „Aber wenn‘s los geht, denkst du nicht mehr an die Zuschauer“, sagt er und erzählt von dem brasilianischen Team, das in der Halle mit Mütze und Handschuhen gespielt hat.

Seit acht Jahren ist Maxi Hennig beim FC Bayern. Zuvor kickte er beim FC Ismaning. Bereits mit vier Jahren habe ihr Sohn in einem Fußballverein spielen wollen, erzählt seine Mutter Katrin. Die Wahl fiel auf den FC Ismaning. Das war zum einen praktisch, „weil ich ohnehin Annalena zum Training nach Unterföhring fahren musste“, berichtet sie von ihrer Tochter, Leistungsturnerin und Mitglied der Cheerleading-Nationalmannschaft. Zum anderen war es auch ein Glücksfall, weil sich in Ismaning ein hochkarätiges Trainertrio um die Kleinen kümmerte. Einer davon: Stefan Leitl, jetzt Trainer des Zweitligisten Greuther Fürth.

Mit sechs kam die Einladung des FC Bayern zum Probetraining, fortan war der Eichenrieder ein Roter, gleichzeitig aber noch immer Spieler des FC Ismaning. „Die Bayern fingen mit dem Spielbetrieb erst in der U9 an. Vorher waren die Buben in einem Förderkader, bestritten Testspiele“, erzählt der Vater.

Ebenbürtige Gegner zu finden, sei da schwer gewesen. Er habe mal ein Spiel gegen die Jugendmannschaft eines Spezls vermittelt. „Dessen Mannschaft war in der Punktrunde ungeschlagen, und gegen Bayern stand es dann nach dreimal 20 Minuten 0:46.“

Samstag in der U8 für Ismaning, Sonntag Training bei Bayern, damals noch an der Säbener Straße, „das war schon eine Mordsfahrerei“, erinnert sich der Vater. „Aber für Maxi war das natürlich ideal. Er war von klein auf bei Bayern und kannte schon alles, als es dann mit der U9 so richtig losging.“

Seitdem ist Maxi Hennig also Teil dieses eingangs erwähnten ganz besonderen Jahrgangs. „Das ist ein verschworener Haufen, und auch wir Eltern verstehen uns super und unternehmen viel zusammen.“ Statt eines internen Konkurrenzkampfes herrsche hier vor allem Teamgeist. Das liege wohl auch daran, dass im Kader nur 18 Mann stehen. „Da kommt jeder zu seinen Spielen“, sagt Marc Hennig, dem auch gefällt, dass den Trainern die Ausbildung wichtiger sei als das Siegen.

Wobei: Diese Mannschaft verliert ja ohnehin so gut wie nie. In der Regionalliga Süd, die höchste Klasse in der Altersklasse U15, hatte der FCB vor der Corona-Pause alles gewonnen. Der härteste Gegner sei der FC Augsburg. „Die sind richtig gut“, sagt Hennig. Bayern liegt dennoch schon sieben Punkte vorn.

Zurück zur Ausbildung: Vor der Corona-Pause sah das so aus: Vormittags der Unterricht des Achtklässlers in der Realschule Oberding, nachmittags geht’s dann viermal die Woche ins Nachwuchsleistungszentrum an der Ingolstädter Straße: montags Athletiktraining, dienstags und donnerstags intensive Ausbildung, freitags lockeres Training. Der Vater, der einst selbst bei der SpVgg Fürth hochklassig gespielt hat, ist begeistert von den Bedingungen beim FC Bayern. „Am Campus hat jeder Jahrgang einen eigenen Trainingsplatz, einen eigenen Physio“ – und natürlich ein Trainerteam (darunter übrigens der Finsinger Andreas Rössler), das hauptamtlich und damit entsprechend professionell arbeitet. „Die Kinder trainieren mit einem Brustgurt. Alle Leistungsdaten werden aufgezeichnet. Die Heimspiele werden gefilmt und unter der Woche analysiert.“

Was Maxi Hennig da kritisch zu hören bekommt? „Dass er zu schnell abgibt, nicht eigensinnig ist“, antwortet der Vater. „Er sieht halt den Mitspieler, der besser steht. Ihm ist es nicht wichtig, selbst das Tor zu schießen. Das wird ihm durchaus vorgehalten.“ Aber: Die Trainer wüssten sehr wohl, was sie an dem Eichenrieder haben. „Mit seinen 1,62 Metern ist er zwar nicht der Größte, aber Maxi ist sehr athletisch und hat fußballerisch eigentlich keine echten Schwächen.“ Deshalb stellen die Trainer den Linksfuß immer öfter auf der Sechs auf. Vater Marc Hennig weiß warum: „Seine Außenbahn hat er immer im Griff. Die Trainer wollen nun sehen, wie er sich macht, wenn er von allen Seiten angreifbar ist.“

Momentan freilich gibt’s gar keine Spiele. Der Spielbetrieb ist wegen Corona unterbrochen. Der Campus ist für den Nachwuchs tabu. „Wir haben jetzt Online-Training“, erklärt Maxi Hennig. Die Spiele fehlen ihm, übrigens auch die Partien der Profis, bei denen er gern als Balljunge dabei war. Und natürlich vermisse er seine Spezln, die Jungs vom Jahrgang 2006 eben. Diese Mannschaft, die seit sechs Jahren nahezu die gleiche ist. Ganz im Gegensatz übrigens zu Teams wie Ajax („Da sind nur noch vier von früher dabei“) oder dem FC Barcelona, der in ganz Spanien Talente zusammengeholt habe. Maxi Hennig: „Beim letzten Spiel kannte ich nur noch einen Spieler.“

Der 2006er-Jahrgang auf ewig zusammen. Wird das immer so weiter gehen? Bis in die Bundesliga? „Natürlich träume ich von einer Profikarriere, wer tut das nicht“, sagt Maxi Hennig. „Aber dafür brauchst du auch Glück und darfst dich nicht schwer verletzen.“ Dass sich das Talent des Realschülers herumgesprochen hat, beweisen die regelmäßigen Anrufe von Spielerberatern. „Aber momentan schafft das der Papa noch selber“, sagt der Vater lachend.

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