Sie hätten gern wieder so auf dem Platz gejubelt: Jetzt steigt der FC Schwaig vermutlich über die Quotientenregelung in die Landesliga auf – wenn der Saisonabbruch tatsächlich beschlossen wird. 
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Sie hätten gern wieder so auf dem Platz gejubelt: Jetzt steigt der FC Schwaig vermutlich über die Quotientenregelung in die Landesliga auf – wenn der Saisonabbruch tatsächlich beschlossen wird. 

Fußball-Amateur-Saison vor dem Abbruch

Wichtigste Fragen: So läuft das mit dem Saisonabbruch

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Die Fußballsaison 2019/21 steht auch in Bayern vor dem Abbruch. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

Erding – Er sollte das der Presse eigentlich nicht sagen, vermutet Ludwig Schmidt, „Aber ich würde die nach der Quotientenregelung berechtigten Vereine zwar aufsteigen lassen, den Abstieg allerdings weglassen.“ Schmidt ist Spielleiter im Fußballkreis Donau/Isar, der die Landkreise Erding, Freising, Pfaffenhofen und Ingolstadt umfasst. Und mit seinem Vorschlag liegt er nicht direkt auf der Linie des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV): „Das ist ja auch nur meine ganz persönliche Meinung.“

Und damit sind wir schon bei den Diskussionen, die es spätestens seit Dienstagabend gibt. Wie berichtet, zieht der Verband aus der Lockdown-Verlängerung jene Konsequenzen, die er in seinem Vier-Stufen-Plan bereits angekündigt hat. Nach der Streichung des Ligapokals soll nun die Saison abgebrochen werden. Die wichtigsten Fragen dazu:

Wie soll die Saison bei einem Abbruch gewertet werden?

Die aktuellen Bestimmungen der Spielordnung sehen „eine Wertung für Auf- und Abstieg nach der Quotienten-Regelung unter Wegfall der Relegationsspiele vor“, heißt es in der Pressemitteilung des Verbands. Die erzielten Punkte werden also ins Verhältnis zu den Spielen gesetzt. Der Quotient entscheidet über die Platzierung. Keine Relegation bedeutet: Die Zweitplatzierten müssen in ihren Ligen bleiben. Die Teams, die nach unten auf einem Relegationsplatz stehen, haben wiederum nichts zu befürchten.

Gibt es besondere Härtefälle durch die Quotientenregelung?

In den A-Klassen und der Kreisklasse sind die Verhältnisse zwar zumeist (Ausnahme Berglern) eng, aber dennoch klar, während in der Kreisliga sowohl im Auf- als auch im Abstieg der direkte Vergleich herhalten müsste (siehe Kasten). Die Opfer wären der verhinderte Aufsteiger FC Lengdorf und Absteiger FC Erding, der sich wiederum für seine zweite Mannschaft freuen darf, die den Sprung in die A-Klasse schaffen würde. Freud und Leid auch beim FC Schwaig, der mit der Reserve in die B-Klasse müsste, während die Erste vor einem historischen Erfolg steht: der erste Aufstieg in die Landesliga. Natürlich immer vorausgesetzt, Bayerns Vereine stimmen für den Saisonabbruch.

Wie soll die Abstimmung ablaufen?

„Der Verband ist nichts ohne seine Vereine“, sagt Ludwig Schmidt. Natürlich gebe es Regularien, die zuvor festgelegt wurden und gegen die damals auch kein Verein gestimmt habe, „aber das ist eine total zerrissene Saison, ein absoluter Ausnahmefall. Da muss man nicht die eigene Meinung unbedingt durchdrücken. Deshalb finde ich es auch sehr gut, dass die Vereine befragt werden.“ Aber wie geht das vonstatten? Holt der BFV nur ein Meinungsbild ein und entscheidet dann doch selbst in seinen Gremien? Oder gibt es eine Urabstimmung? Welche Mehrheit wäre dann nötig? Welchen Zeitrahmen setzt der Verband? Der BFV-Vorstand wollte dies in einer Sitzung am Mittwochabend beraten und am heutigen Donnerstag damit an die Öffentlichkeit gehen.

Über was genau soll abgestimmt werden?

Saisonabbruch mit oben genannter Wertung oder doch vielleicht eine ganz andere Lösung? Nicht nur Schmidt würde am liebsten auf Absteiger verzichten („Außer eine Mannschaft will freiwillig runter“). Es gibt auch einen offiziellen Brief an den Verband mit demselben Anliegen, den bereits 50 Vereine unterschrieben haben. Darunter sind zwar keine Landkreisclubs, aber die Meinung scheint dennoch weiter verbreitet. Zum Beispiel hat sich der FC Forstern dafür ausgesprochen.

Kreisspielleiter Schmidt teilt diese Idee, gibt nur eins dabei zu bedenken: „Den Vereinen muss klar sein, dass es dann zu vergrößerten Ligen mit vielleicht 17 Mannschaften kommt und es immer schwerer wird, mit der Ersten und Zweiten gleichzeitig daheim zu spielen – speziell wenn die Zweite in der B- und C-Klasse in einer höchstens Zwölfer-Gruppe spielt.“

Gibt es noch einenanderen Ausweg?

Kreisspielleiter Schmidt würde sich wünschen, dass der Verband den Vereinen mehrere Modelle zur Auswahl vorlegt. Neben der Idee mit dem Absteigerverzicht auch den Vorschlag, die laufende Saison doch noch bis zum September durchzuspielen, um dann eine abgespeckte neue Saison zu spielen. Er selbst hat bereits schon mal einen komplett neuen Modus vorgeschlagen: Playoffs im Herbst und im Frühjahr. Es gebe also viele Möglichkeiten. Schmidt sagt aber auch: „Egal, welche Entscheidung der BFV fällt. Sie wird immer falsch angesehen. In unserer Gesellschaft ist dies nun mal so.“

Haben Vereine schon Klagen angekündigt?

Im Kreis Donau/Isar gibt es laut Schmidt bisher keine Androhungen, den Klageweg zu beschreiten. Karlskron, Karlshuld und Gerolfing hätten zwar den Protestbrief bezüglich der Abstiegsregelung unterschrieben, doch sonst sei ihm da nichts bekannt.

(Dieter Priglmeir)

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