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Sie gaben online Auskunft, warum die Buben die Saison abbrechen und die Mädchen nicht (v.l.): Silke Raml, Sandra Hofmann, Florian Weißmann, Josef Janker, Jürgen Igelspacher und Jürgen Faltenbacher.

Jugendfußball

„Dass jede Sparte ihr eigenes Bier macht, ist nervig“

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Der Verband trifft unterschiedliche Entscheidungen im Jugendfußball. So reagieren unsere Vereine.

Erding – Keine 48 Stunden, nachdem der Bayerische Fußballverband (BFV) die komplette Saison 2020/21 für die Herren und Frauen gestrichen hat, folgte am Montag die Entscheidung zum Jugendfußball. Der BFV hat dabei beschlossen, die Saison bei den Junioren abzubrechen und bei den Juniorinnen ab dem 1. September fortzusetzen.

In einer Pressekonferenz begründete der Verband seine Entscheidung (siehe Kasten). Die Reaktionen der Vereine im Landkreis fielen allerdings sehr unterschiedlich aus. Für den TSV Dorfen kam die Entscheidung zum Abbruch „erst einmal überraschend“, sagt Jugendleiter Christian Mildner. Die Signale des Verbands, auch aus den Webinaren, seien tendenziell anders gewesen. „Der Abbruch eröffnet uns nun, auch wenn wir die Entscheidung einige Wochen eher gewünscht hätten, die notwendigen Planungsmöglichkeiten für die kommende Saison. Eine Fortführung wäre sehr wahrscheinlich, alleine mit der Beibehaltung der Altersklassen, ein Durcheinander geworden. Jetzt haben wir, neben der Planung für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs, die Mannschaftseinteilungen vor uns – und die wird auch nicht leicht, da die komplette Rückrunde und das fehlende Training auf dem Platz zur Leistungsbewertung fehlt.“

Als „logische Konsequenz“ aus der Gesamtsituation bezeichnete Jens Baumbach die Entscheidung für den Abbruch bei den Junioren. „Wir hätten auch mit einem anderen Beschluss leben können. Aber das ist für alle die gerechteste Lösung.“ Dass nun auch der Weg frei sei für die A-Junioren zum Herrenbereich sei schön, für den TSV Wartenberg allerdings nicht von großer Bedeutung. „Bei uns kommen heuer ohnehin nur drei A-Jugend-Spieler raus.“

Claus Tebart, Vorsitzender der JFG Speichersee, hält die Entscheidung „aufgrund der Wechsel der Jahrgangsstufen nachvollziehbar, sportlich jedoch natürlich schade“. Die Jugendfördergemeinschaft mit den Stammvereinen FC Finsing und SpVgg Neuching werde ab dieser Woche in fast allen Mannschaften wieder ein Training anbieten, auch wenn es noch einige Einschränkungen gibt. „Zumindest weiß man jetzt, wie man ab Sommer mit den Mannschaften planen kann, auch wenn noch offen ist, wie es generell weiter geht. Wir hoffen natürlich, dass die neue Saison ab September stattfinden kann, und darauf werden wir uns dann konzentrieren.“

Die zweite JFG im Landkreis ist die JFG Sempt Erding, zu der Rot-Weiß Klettham, der FC Langengeisling, Türkgücü Erding und der FC Erding gehören und deren D-Jugend in der Bezirksoberliga spielt. „Wir sehen den Abbruch als die unkomplizierteste Lösung“, meint Pressesprecher Mayls Majurani. Bei einer Fortführung der Saison bräuchte es abhängig vom Jahrgang oder auch von der Liga dutzende unterschiedliche Lösungen. „Das würde auch die Vereine belasten, die im Extremfall für jede Mannschaft anders planen müssten. Deshalb macht ein Saisonabbruch für uns Sinn. Und jedes Kind und jeder Jugendliche kann, wenn es irgendwann wieder weitergeht, in dem Jahrgang kicken, in dem er auch ohne Corona-Krise wäre.“

Max Kaifel, Jugendleiter des FC Moosinning, fasst die unterschiedlichen Entscheidungen nochmal zusammen: „Die Herren und Frauen spielen keine Saison 20/21, die Jungs fangen im September neu an, und die Mädels spielen weiter.“ Hört sich nach Chaos an. Er könne grundsätzlich mit allem leben, „aber dass jede Sparte ihr eigenes Bier macht, ist nervig“. Vor allem sehe er Probleme, falls es zur zweiten Welle kommt. „Bei den Mädels und Erwachsenen ist jetzt mit viel Planungssicherheit gerechnet. Kommt eine zweite Welle, stehen allerdings die Jungs in einem Jahr an der gleichen Stelle wie jetzt.“ Eine einheitliche Lösung wäre Kaifel lieber gewesen, „aber grundsätzlich sind beide Optionen in Ordnung“.

Luky Lukschanderl, Sportlicher Leiter bei den Forstener Fußballfrauen, war selbst in der Arbeitsgruppe dabei, die für den BFV Lösungen erarbeitete. Er hält die unterschiedlichen Lösungen bei Junioren und Juniorinnen für okay. „Bei den Mädchen läuft alles einheitlich in allen Bezirken so. Somit kann man das so durchführen. Da waren wir uns alle einig, und ich finde es auch gut so.“ Er fragt sich, was bei einer zweiten Welle passieren würde. Wenn man zuvor abgebrochen hätte, „dann wären eventuell zwei Saisonen kaputt“. Bei den Junioren wäre es nicht so einfach gewesen, „weil jeder Bezirk sein eigenes Süppchen kocht. Da bekommst du es nicht auf die Reihe.“

Tobias Huber sagte, der TuS Oberding und die Spielgemeinschaften mit dem FC Schwaig und FC Eitting seien erst einmal froh, „dass jetzt endlich eine Entscheidung vom Verband gekommen ist, es hat ja leider doch sehr lange gedauert“. Grundsätzlich habe man mit einem Abbruch im Jugendbereich gerechnet. Die Entscheidung im Mädchenfußball überrasche ihn zwar persönlich, der TuS sei aber davon nicht betroffen. „Wichtig war uns der Abbruch vor allem wegen unserer älteren A-Jugend, damit die Spieler zum Beginn der Wiederaufnahme im Herrenbereich zum Erwachsenen-Kader wechseln dürfen. Alles andere hätte ich nicht wirklich verstanden.“

Der TuS könne nun im kompletten Jugendbereich, egal ob F-, oder E-Junioren oder auch in der SG ab der D-Jugend bis zur U 19 die Planungen beginnen – „vorausgesetzt, wir können ab dem 1. September wieder normal trainieren und spielen. Ab nächster Woche werden wir aber unseren Kids die Möglichkeit anbieten, unter den bisherigen Mannschaften noch bis zu den Sommerferien eingeschränkt zu trainieren, natürlich unter Einhaltung aller vorgegebenen Hygienevorschriften.“

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