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Von Togo zum TuS: Aboulaye „Abou“ Nikabou hat sich in die Erste gekämpft

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Von: Daniela Oldach

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Oftmals einen Schritt voraus: An der Schnelligkeit und dem Ballgefühl von Aboulaye Nikabou beißen sich die Gegner (hier Thomas Deuschl vom TSV Isen) regelmäßig die Zähne aus.
Oftmals einen Schritt voraus: An der Schnelligkeit und dem Ballgefühl von Aboulaye Nikabou beißen sich die Gegner (hier Thomas Deuschl vom TSV Isen) regelmäßig die Zähne aus. © Christian Riedel

Die Liebe führte Aboulaye Nikabou von Togo nach Oberding. Hier fühlt er sich längst zuhause und kickt begeistert beim TuS in der Kreisklasse.

Oberding - „Wir gewinnen 2:0 und holen die drei Punkte. Punkt.“ Für Aboulaye „Abou“ Nikabou ist die Ausgangssituation gegen den FC Hörgersdorf klar. Kreisklassist Oberding muss gegen den vermeintlich schwächeren Ligakonkurrenten einen Dreier holen. Denn zwei Unentschieden und eine Niederlage aus den vergangenen drei Spielen sind nach Ansicht des TuS-Stürmers eindeutig zu wenig.

Schwer fällt es dem 29-Jährigen aber, wegen einer Knieverletzung nur am Spielfeldrand dabei zu sein. Aber Abou ist ein leidenschaftlicher Kämpfer – und das schon sein ganzes Leben.

Den ersten Bällen jagte er in Aledja Kadara, einem Dorf im westafrikanischen Staat Togo hinterher. Hohes Gras und eine spartanische Ausrüstung, aber eine unbändige Lebensfreude und die Lust am Toreschießen prägten den immer gut gelaunten Stürmer. In seiner Heimat ist er nur der Eto’o, benannt nach Samuel Eto’o. Und darauf ist Nikabou sehr stolz. Denn der frühere kamerunische Stürmer Eto’o ist sein großes Vorbild.

Vorbild Thomas Müller: Rückennummer 25 beim TuS übernommen

Aber auch Bayern-Spieler verehrt er glühend: Torwartlegende Oliver Kahn, Ex-Bayer David Alaba und Thomas Müller. Dessen Nummer 25 trägt auch Nikabou beim TuS. „Ich war schon immer Bayern-Fan. Bei uns zuhause bist du entweder für den FC Bayern, für Paris Saint-Germain oder für Real Madrid“, erzählt er und muss sich lachend an eine Anekdote erinnern. In seiner Heimat sollten Bayern-Trikots angeschafft werden, aber es gab keine mehr. Da wurde kurzerhand auf die Dressen des FC Liverpool umgeschwenkt, „denn die sind ja auch rot. Und so spielten wir als Bayern-Fans halt mit Liverpool-Trikots“, erzählt er.

Doch nicht der Fußball, sondern die Liebe hat Nikabou nach Deutschland gebracht. 2011 flog die Oberdingerin Johanna Bayer zusammen mit Freunden nach Togo. In dem westafrikanischen Staat am Golf von Guinea lernte sie nicht nur Abou, sondern auch ein ganz anderes Leben kennen. Die Sympathie zwischen den beiden war von Anfang an da, kommuniziert wurde mit Händen und Füßen. Denn Johanna sprach kaum Französisch und Abou nur wenig Englisch. Erst vier Jahre später flog die junge Frau für drei Wochen wieder nach Westafrika. Und dann ging alles recht schnell. Im Dezember 2015 stieg die Erzieherin erneut in den Flieger, um für drei Monate in der Heimat Abous zu bleiben. Dann war für die Verliebten klar, dass sie sich eine gemeinsame Zukunft aufbauen möchten.

Dafür verließ Nikabou im September 2016 seine Heimat. Geheiratet wurde im November 2016. Abou wollte aber auch in Oberding Fuß fassen. Am Vormittag besuchte er einen Deutschkurs, am Nachmittag arbeitete er bei der Firma SKS. Ein Traum von ihm war zudem, eine Ausbildung zu machen. Und dieser Wunsch wurde Wirklichkeit. Nikabou macht bei der Firma Berndt eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Im kommenden Sommer wird er fertig sein.

Kein englischer Rasen, aber unbändige Lebensfreude: Abou „Eto’o“ Nikabou kickte mit Begeisterung in Togo.
Kein englischer Rasen, aber unbändige Lebensfreude: Abou „Eto’o“ Nikabou kickte mit Begeisterung in Togo. © privat

Privat ist Söhnchen Amin der ganze Stolz des jungen Paares. Der dreieinhalbjährige Bub hat die Fußball-Leidenschaft seines Papas geerbt. „Der Ball war von Anfang an Amins Lieblingsspielzeug“, erinnert sich Johanna Nikabou lächelnd.

Apropos Fußball. Ein Leben ohne Kicken war auch in Deutschland für Nikabou undenkbar. „Und dann war der Abou auf einmal am Fußballplatz“, erinnert sich Tus-Abteilungsleiter Tobias Huber an die erste Begegnung. Doch den Spielerpass zu bekommen, gestaltete sich als schwieriges Unterfangen. Die FIFA wurde eingeschaltet, der Verband in Togo musste sein Okay geben.

Ins Training aber ging er schon. Kapitän Tobias Stürzer übersetzte die Anweisungen des damaligen Trainers Hans Bruckmeier ins Englische. „Das Bairisch hab’ ich nicht so sehr verstanden“, erinnert sich Nikabou. Und auch mit der Abseitsregel hatte er damals so seine Probleme. „Wenn der Abou das Abseits kapiert, schießt er in jedem Spiel fünf Tore, hat der Brucki damals gesagt“, erinnert sich TuS-Fußballchef Huber.

„Das hat uns alle sehr getroffen. Und wir waren uns auch unsicher, ob er zurückkommen wird.“

TuS-Fußballchef Hubner

Nach drei Monaten hielt Nikabou seine Spielberechtigung in der Hand. Nach der Winterpause in der Saison 2017/18 wurde er in der zweiten Mannschaft als Stürmer eingesetzt – und zog sich in seinem zweiten Spiel im Mai 2017 einen Kreuzbandriss zu. „Das hat uns alle sehr getroffen. Und wir waren uns auch unsicher, ob er zurückkommen wird“, räumt Huber ein. Doch Nikabou kämpfte erneut. Nach einem Dreivierteljahr Pause war er wieder auf dem Platz. Dann aber war es mit dem Toreschießen wie verhext. „Ich hab’ einfach nicht getroffen“, erinnert er sich kopfschüttelnd. Die Ladehemmung war am 4. Mai 2018 vorbei. An diesem Tag wurde er Vater und schoss im Abendspiel in Wartenberg zwei Tore (3:3).

Legendär ist in Oberding sein Torjubel. Dazu sitzt Abou auf dem Rasen und hüpft übers Grün, ohne Hände und Beine zu benutzen. „Das ist meine eigene Kreation zur Unterhaltung. Ein Spiel ohne Zuschauer ist sehr langweilig“, sagt er. „Der TuS Oberding ist wie meine Heimat“, packt er noch ein Kompliment drauf. Anfeindungen wegen seiner dunklen Hautfarbe hat er in seiner zweiten Heimat nicht erlebt. Zwei unschöne Situationen gab es außerhalb, doch da steht Nikabou drüber. „Ich denke mir dann immer, es zählt doch der Mensch.“

Chancen im Leben muss man nutzen. Als in der Ersten Spielermangel wegen Urlaubern und Verletzten herrschte, setzte Coach Freddy Obermeier auf Abou – und wurde nicht enttäuscht. Jetzt schießt er in der Kreisklasse seine Tore. Und geht es nach dem ehrgeizigen Stürmer, nicht ewig in dieser Liga. „Ich möchte schon aufsteigen“, verrät er. Ein erster kleiner Schritt dazu ist ein Sieg am Sonntag. Wer aber wird die vorausgesagten Tore schießen? „Da muss der Robin (Schluttenhofer, die Red.) her“, analysiert Nikabou. „Doch das Wichtigste ist der Spaß am Fußball.“ Und mit einem 2:0-Sieg ist das natürlich noch viel schöner. Punkt.

DANIELA OLDACH

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