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Nach drei Elfmetern gegen Walpertskirchen: Schiedsrichterin und Trainer treffen sich zum Interview

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Von: Dieter Priglmeir

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Emotionen eines Derbys: Iris Spitaler (l.) zeigt dem reklamierenden Walpertskirchener Trainer Sepp Heilmeier die Gelbe Karte. Da wusste er noch gar nicht, dass die Schiedsrichterin später auch noch einen dritten Elfmeter gegen sein Team verhängen wird.
Emotionen eines Derbys: Iris Spitaler (l.) zeigt dem reklamierenden Walpertskirchener Trainer Sepp Heilmeier die Gelbe Karte. Da wusste er noch gar nicht, dass die Schiedsrichterin später auch noch einen dritten Elfmeter gegen sein Team verhängen wird. © Christian Riedel

Sepp Heilmeier war unzufrieden: Im Derby pfiff Schiedsrichterin Iris Spitaler drei Elfmeter gegen seinen SV Walpertskirchen. Im Doppel-Interview sprechen sich die beiden aus.

Walpertskirchen/Moosburg – Das schelmische Grinsen hat Sepp Heilmeier noch nicht verlernt. Am Ende des Interviews erinnert der Trainer des SV Walpertskirchen an die Gelb-Rote Karte, die Iris Spitaler einst in der Bayernliga wegen Meckerns erhielt, als sie selbst noch aktive Spielerin war. Inzwischen ist die 34-jährige Polizistin eine anerkannte Schiedsrichterin, die bis in der Landesliga eingesetzt wurde.

Am vergangenen Sonntag leitete sie das Derby zwischen dem SV Walpertskirchen und dem FC Lengdorf (2:3; wir berichteten). Sie verhängte dabei drei Elfmeter – alle gegen den Gastgeber. Klar, dass Walpertskirchens Trainer Heilmeier, seine Spieler und die heimischen Zuschauer nicht gerade begeistert waren. Knapp eine Woche später haben wir Coach und Schiedsrichterin zu einem Gespräch eingeladen, zu dem auch beide sofort bereit waren. Warum auch nicht? Zwar bewerten die beiden die Elfmetersituationen noch immer unterschiedlich. Das tue aber dem gegenseitigen Respekt keinen Abbruch, wie beide versicherten. Die Schiedsrichterin weiß um die die Emotionen während eines Spiels, und der Trainer macht – ganz der faire Verlierer – deutlich, dass die Derbyniederlage vorrangig mit der Leistung seiner Mannschaft zu tun hatte.

Wollen wir zu Beginn nochmal über die drei Elfmeter reden?

Sepp Heilmeier: Den letzten kann man vielleicht geben. Aber die beiden anderen waren für mich klare Fehlentscheidungen, dabei bleibe ich. Im ersten Fall spielt unser Spieler klar den Ball. Ich habe ihn dann auch von der Pflicht freigesprochen, als Elfmetersünder einen Kasten Bier zu zahlen. In der zweiten Situation war das für mich der Oberschenkel und nicht die Hand.

Wenn Sie das so hören, würden Sie wieder so entscheiden?

Iris Spitaler: Ich würde alle drei Elfmeter wieder geben, weil sie für mich eindeutig waren. Auch das Handspiel, bei dem zwar die Hand hinter dem Rücken war, aber der Ellenbogen klar zum Ball ging.

Drei Elfmeter in einem Spiel gegen eine Mannschaft – das kommt nicht oft vor, oder?

Spitaler: Ich bin jetzt seit 15 Jahren Schiedsrichterin. Und das war auch für mich eine Premiere.

Zögert man da nicht, bevor man ein drittes Mal auf den Punkt zeigt?

Spitaler: Nein, weil man als Schiedsrichter jede Situation einzeln betrachtet und dann in einem Bruchteil einer Sekunde entscheidet.

Gab’s eigentlich sonst noch strittige Situationen in der Partie?

Heilmeier: Naja, auf alle Fälle die Gelbe Karte, die ich kassiert habe. Meiner Ansicht nach hat der Torwart klar außerhalb des Strafraums den Ball mit der Hand gespielt. Und da habe ich mich eben beim Linienrichter bemerkbar gemacht.

Spitaler: Mich hat einfach die Art und Weise des Protestierens gestört. Das ging ja die ganze Zeit so. Keine Entscheidung blieb unkommentiert. Nach der Gelben Karte war es dann deutlich besser.

Heilmeier: Naja, wenn du schon zwei Elfmeter kassiert hast, dann wirst du halt mal etwas lauter bei der nächsten strittigen Entscheidung. So viel Emotion muss einem Trainer schon zugestanden werden. Aber okay...

Wie würdet Ihr überhaupt Eure Kommunikation während des Spiels beurteilen?

Heilmeier: Ich habe zweimal das Gespräch gesucht und wurde zweimal schon ziemlich abgekanzelt. Das war bei der Gelben Karte und zuvor schon, als ich auf dem Weg in die Halbzeitpause kurz mit Dir sprechen wollte. Es ist doch so: Der FC Lengdorf hat einen Spielertrainer, der auf dem Feld steht und ständig aus der Nähe Dinge kommentieren konnte. Die Möglichkeit hatte ich nicht. Also wollte ich die Gelegenheit zur Halbzeit nutzen. Da habe ich die Gesprächsbereitschaft schon vermisst.

Spitaler: Ich habe bestimmte Grundpfeiler wie Respekt und Fairness ein bisschen vermisst – sowohl während des Spiels als auch in der Halbzeitpause und auch nach dem Spiel –, weil immer nachtarockt wurde und versucht wurde, eine Diskussion über Tatsachenentscheidungen zu beginnen.

Heilmeier: Es ist natürlich auch ein bisschen dumm gelaufen, dass wir uns vor dem Spiel nicht getroffen haben. Ich respektiere natürlich die Arbeit und Aufgabe eines Schiedsrichters. Deshalb suche ich nämlich grundsätzlich vorab das Gespräch.

Spitaler: Das finde ich auch immer gut, aber haben wir uns nicht gesehen, als ich den Schlüssel für die Kabine geholt habe?

Heilmeier: Nein, das war ein Betreuer. Der ist genauso hoch wie ich (lacht). Aber es wäre wirklich ganz gut gewesen, wenn wir uns zuvor getroffen hätten. Dann hättest du mich vielleicht nicht als den Giftzwerg kennengelernt, der ich vielleicht während eines Spiels bin, weil ich eben voll drin bin in so einem Spiel, andererseits aber auch immer versuche, aufgebrachte Spieler oder Zuschauer zu beruhigen.

War es ein Problem, dass eine Frau das Spiel geleitet hat?

Heilmeier: Nein, das ist doch keine Geschlechterfrage. Mir doch egal, ob ein Mann oder eine Frau pfeift.

Spitaler: Ich habe noch nie ein Problem gehabt. Ich bin aber auch so selbstbewusst, dass ich mich auf mein Können verlasse. Ich glaube nicht, dass jemand sagt: ,Da kommt die Quotenschiedsrichterin.‘

In einer Skala von 1 (ganz leicht) bis 10 (sehr, sehr schwierig) – wo würden Sie die Leitung dieses Spiels einordnen?

Spitaler: Ich würde eine 7 vergeben. Es war schon anspruchsvoll, denn in Derbys stecken nun einmal Emotionen. Deswegen mag ich übrigens auch solche Spiele. Höher würde ich aber in der Skala nicht gehen, denn das Tempo war jetzt nicht so arg gut.

Heilmeier: Das Spielniveau war allgemein nicht so gut. Lengdorf steht hinten drin, bei uns lief es auch schon besser. Die Verunsicherung war schon zu spüren. Und dann finde ich schon, dass gerade ein paar Lengdorfer eine relativ harte Gangart angeschlagen haben habe. Ich würde auch eine 7 geben.

Ist das Spiel für Euch jetzt abgehakt?

Spitaler: Klar.

Heilmeier: Wir hatten am Montag noch eine Spielersitzung. Klar sind wir unzufrieden – auch wegen der getroffenen Entscheidungen. Wir sind uns aber auch bewusst, dass uns nicht die Schiedsrichterin das Spiel verloren hat. Wir hätten einfach besser spielen müssen. Das war kein guter Tag von uns. Aber jetzt konzentrieren wir uns auf den nächsten Spieltag.

Freuen Sie sich schon auf Ihren nächsten Einsatz in Walpertskirchen, Frau Spitaler?

Spitaler: Ich komme gern wieder. Heilmeier: Du bist natürlich immer willkommen, gar keine Frage.

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