Ein echter Blickfang ist die kleine Kapelle, mit der sich Josef Grasser mit Unterstützung seiner Frau Elisabeth gerade seinen Lebenstraum erfüllt.
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Ein echter Blickfang ist die kleine Kapelle, mit der sich Josef Grasser mit Unterstützung seiner Frau Elisabeth gerade seinen Lebenstraum erfüllt. Das Kirchlein steht auf dem Haidberger Anwesen der Familie.

Josef Grasser aus Haidberg erfüllt sich lang gehegten Traum und baut eigene Johanneskapelle

Ein Gotteshaus im eigenen Garten

Jahrzehntelang hatte Josef Grasser einen Traum: eine Johanneskapelle auf dem eigenen Anwesen errichten. Im Alter von 65 Jahren erfüllt sich der Bucher nun endlich seinen Wunsch. Die kleine, im romanischen Stil erbaute Kirche in Haidberg entsteht fast vollständig in Eigenleistung. Demnächst geht es an die Innenausstattung.

Haidberg – Dass sich auf dem Anwesen der Grassers etwas verändert, können aufmerksame Autofahrer schon seit Monaten verfolgen. Josef Grasser wohnt mit seiner Frau Elisabeth (63) direkt neben der Staatsstraße 2332, die Buch mit Harthofen verbindet. Die Kapelle ist nur wenige Meter davon entfernt. Als nach Ostern die Bauarbeiten mit dem Aushub eines tiefen Grabens starteten, sei der Rentner von Passanten gefragt worden, „ob wir eine Güllegrube bauen“, erinnert sich Grasser lachend.

Aber auch zuletzt hat er immer wieder neugierige Nachfragen erhalten, was denn der Anlass für das Gotteshaus sei. Der 65-Jährige freut sich, dass er mit der Berichterstattung der Heimatzeitung nun alle Zweifel der Mitbürger – wenn sie auch nicht ernst gemeint waren – aus der Welt schaffen kann. „Ich mache es einfach aus Spaß und Freude“, sagt der gelernte Maurer.

Herzinfarkt mit 62 Jahren - „Das war ein Zeichen“

Freilich steckt dahinter auch ein ernster Hintergrund. Schon vor 30 Jahren hat Grasser mit seinem inzwischen verstorbenen Vater über seine Pläne gesprochen. Durch seine berufliche Neuorientierung als Feuerwehrmann hatte er jedoch nie Zeit für sein Wunschprojekt. Die 40 Jahre im Münchner Rettungsdienst haben den Bucher auch geprägt. Der endgültige „Wink mit dem Zaunpfahl“, wie er sagt, sei aber gewesen, als Grasser mit 62 Jahren einen Herzinfarkt erlitt. „Das war ein Zeichen“, ist er heute überzeugt.

Unmittelbar nach seinem Krankenhausaufenthalt startete er mit den Vorbereitungen und kaufte bei einem Bronzeschmied eine Glocke. Vergangenes Jahr wurde der Plan der Kirche fertiggestellt und beim Landratsamt eingereicht. Die Abteilung Denkmalschutz sei laut Grasser begeistert gewesen, der Plan war nach sechs Wochen genehmigt. „Neue Kapellen werden nämlich inzwischen seltener gebaut“, weiß der Bucher.

Mittlerweile ist das Projekt weit fortgeschritten und die Kapelle von der Staatsstraße aus ein richtiger Blickfang. Durch den bronzefarbenen Turm und das goldene Kreuz ist sie unübersehbar. Aufgrund seiner Kenntnisse aus der Erstausbildung erledigt Grasser – mit Unterstützung von Frau Elisabeth oder Sohn Markus – fast alles selbst.

Zwei holzgeschnitzte Maria- und Josef-Figuren besitzt Grasser Josef bereits

Eine Kapelle hatte der gelernte Maurer zwar noch nie gebaut, aber Tätigkeiten wie den Bau des Dachstuhls oder Betonarbeiten seien für ihn Routine. Unterstützung von befreundeten Handwerkern erhielt er bei dem aus Eichenholz bestehenden Zwiebelturm oder dem vergoldeten Kreuz. Kürzlich wurde das Außengerüst entfernt. Ausstehend sind nur noch die beiden Fenster, die Eingangstür sowie darüber ein Gemälde von Johannes dem Täufer.

Demnächst folgen zudem die Arbeiten im acht Quadratmeter großen Innenbereich. Boden, Elektrik und Beleuchtung stehen noch auf der Agenda, ebenso wie das Verputzen und Streichen der Wände. Zwei holzgeschnitzte Maria- und Josef-Figuren besitzt Grasser bereits.

Mit dem bisherigen Verlauf der Bauarbeiten ist der Rentner sehr zufrieden. Wie groß der Zeitaufwand bislang war, kann er nicht genau sagen, „aber es sind viele Stunden“. Auch die Materialkosten sind ihm noch nicht bekannt. Er schätzt sie auf über 30 000 Euro. Diese Investition ist es ihm aber wert.

Grasser möchte seine Johanneskapelle 2022 offiziell weihen lassen, damit dort beispielsweise auch Taufen stattfinden können. Unterirdisch hat der Bucher außerdem Platz für Urnengräber berücksichtigt. Er überlegt, ob er nach seinem Tod seine Asche in seiner eigenen Kapelle platzieren lassen will. Theoretisch könnten dort sogar mehrere Generationen ihre letzte Ruhe finden, informiert Grasser.

Auf jeden Fall soll sein Haidberger Gotteshaus ein offener Ort für gläubige Menschen sein, erläutert der Besitzer. „Wenn jemand hineingehen will zum Beten, dann darf er das auch.“

Markus Ostermaier

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