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Ein Sommer ohne Grätsche: Auf packende Zweikämpfe wie hier zwischen dem TSV Isen und dem TSV St. Wolfgang (blaue Trikots) müssen die Zuschauer bis mindestens September warten. 

Fußball

„Ein Virus soll keinen zum Meister machen“

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Das halten die Teams der A-Klasse 8 von der Fortsetzung der Liga im September

Erding – Die Spielzeit 2019/20 wird nicht abgebrochen, sondern nach einer Pause bis mindestens 31. August fortgesetzt. Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat dies eigenen Angaben zufolge am späten Mittwochabend einstimmig entschieden. Die Saison 2020/21 werde frühestens im Frühjahr 2021 stark verkürzt starten können. Der Beschluss des BFV gilt für den gesamten Frauenfußball und die Herren-Ligen bis einschließlich zur Bayernliga. Was halten unsere Vereine davon? Wir gehen sämtliche Ligen durch und befassen uns heute mit der A-Klasse 8.

1. DJK Ottenhofen 14 Spiele 36 Punkte

„Wir halten die Entscheidung des BFV aus sportlicher und organisatorischer Sicht für die vernünftigere Variante, da die Saison fair zu Ende gespielt und eine unvollständige Tabelle zu mehr Diskussionen führen würde“, sagt DJK-Pressesprecher Benjamin Settles. Eine Wettbewerbsverzerrung sehe er dabei nicht, „weil im Prinzip nur unsere Winterpause verlängert wurde“. Ein mögliches Abbruchszenario hätte nicht für mehr Planungssicherheit gesorgt. „Der Termin für den voraussichtlichen Spielbeginn wurde von der Bundesregierung vorgegeben und daran hätte jede andere Spielvariante nichts geändert.“ Am DJK-Kader werde sich durch diese Situation nichts ändern. Settles: „Bei uns haben auch alle Spieler schon für die kommende Saison zugesagt, und bislang gab es noch keine Andeutungen, dass die aktuelle Lage eine Auswirkung auf die sportliche Entscheidung eines Spielers hätte.“

2. TSV St. Wolfgang 14 Spiele 34 Punkte

Für TSV-Trainer Alex Auhagen war die Entscheidung alternativlos. „Ein Saisonabbruch mit irgendwelchen Tabellenständen als Endtabelle oder ein Saisonabbruch ohne Auf- und Abstieg wären erstens im wahrsten Sinne des Wortes unsportlich und wahrscheinlich auch rechtlich einklagbar.“ Deshalb müsse man die Entscheidung sowieso akzeptieren. „Sie ist in meinen Augen aber auch so richtig und verantwortungsvoll gewählt“, so der Trainer weiter, der dem TSV bereits im Dezember seine Zusage für die nächste Saison gab. Auch seine Spieler hätten ihm versichert, im Verein zu bleiben. „Hinzu kommen einige Talente aus der eigenen Jugend, die es in die Herrenmannschaften zu integrieren gilt. So wie es seit meinem Antritt die gemeinsame Philosophie ist“, erklärt Auhagen.

3. TSV Isen 13 Spiele 34 Punkte

„Wir als TSV finden es gut, dass die Saison im September fortgesetzt wird, was allerdings ja noch von der bayerischen Regierung abhängt“, sagt Isens Fußballchef Manfred Grosse. „Das liegt aber auch daran, dass wir vorne mitspielen. Würden wir auf einem Abstiegsplatz stehen, wäre es wahrscheinlich anders“, räumt er ein. Deswegen wäre es für die Isener noch besser gewesen, wenn der BFV den Stand der Vorrunde als Maßstab für Auf- und Abstieg genommen hätte. Bis auf Andi Januschkowetz, der als spielender Co-Trainer aufgehört hat, weiß Grosse noch nichts von Veränderungen im Kader.„Ich bin aber gespannt wie die älteren Spieler, die eigentlich zum Saisonende im Juni aufhören wollten, reagieren. Aber solche Probleme werden andere Vereine ja auch haben.“ Mit Spielertrainer Daniel Stangl hat der TSV unlängst um eine Saison verlängert. Für den Jugendbereich sei die zeitliche Verschiebung „richtig schade. Ich bin gespannt, wie das mit den Jahrgängen, die eigentlich in die nächste Jugendgruppe müssen, geregelt wird.“

4. SpVgg Altenerding 13 Spiele 27 Punkte

Die SpVgg hat für den Vorschlag des BFV gestimmt. „Ein Abbruch würde einigen Vereinen nicht gerecht werden“, sagt Abteilungsleiter Andi Heilmaier und führt als Beispiel Kreisliga-Spitzenreiter FC Lengdorf an. „Der BFV hat versucht, die beste Lösung zu finden und es sich nicht so leicht gemacht wie andere Sportverbände“, so Heilmaier weiter. Mit Trainer Pedro Locke habe man sich schon frühzeitig mündlich auf eine weitere Saison verständig. Bezüglich des Kaders will Heilmaier erst mal mit den eigenen Talenten aus der BOL-A-Jugend reden. „Wenn sie bei uns bleiben, dann brauchen wir keine Externen, denn wir wollen hier etwas mit unseren Leuten aufbauen.“

5. SpVgg Neuching 13 Spiele 26 Punkte

Rudi Weber hätte die Saison lieber erst im Frühjahr 2021 fertig gespielt und dann im August 2021 wieder eine neue Saison begonnen. „Eine längere Pause hätte, auch wenn’s keiner glauben will, gut getan“, sagt der Neuchinger Fußballchef. Am Kader werde sich nur dahingehend etwas ändern, dass die SpVgg durch die längere Pause noch in dieser Saison auf die Jugendspieler zugreifen kann.

6. SV Hörlkofen 14 Spiele 19 Punkte

„Wir haben die Planung über den Herbst hinweg abgeschlossen“, berichtet HSV-Trainer Christoph Böning. Angesichts des gesicherten Mittelfeldplatz, den der Aufsteiger innehat, betrachte er die Situation entspannt. „Für Vereine, die ganz oben oder unten stehen, hoffen wir auf eine sportliche Lösung.“ Böning findet: „Der BFV handelt weitsichtig und lässt sich nach dem 1. September noch alle Türen offen. Da die letzte Winterpause mit fast vier Monaten auch recht lang war, kann man ja die kommende je nach Wetterlage – die Winter werden immer wärmer – um zwei Monate kürzen. Und schon schafft man dann die Saison und kann die folgende beginnen.“ Wichtig sei es aber, sich weiter diszipliniert zu verhalten, „dann können wir alle die zukünftigen Termine selbst mitbestimmen“.

7. TSV Grüntegernbach 14 Spiele 14 Punkte

Für den TSV wird sich in dieser Runde nicht mehr viel nach oben oder unten tun. Aber Spielertrainer Alex Beintvogl hat die Vereine im Blick, die um den Aufstieg spielen. Für die sei die BFV-Entscheidung gut. Er merkt aber auch an: „Wie und wann wieder gestartet werden soll, kann keiner sagen. Es gibt einfach auch wichtigere Sachen wie Fußball, und da gehört mit Sicherheit die Gesundheit an erster Stelle.“ Er werde auch in Zukunft Trainer bleiben. „Der Kader bleibt hoffentlich derselbe. Man kann aber leider nicht sagen, was sich in der Zeit bei den einen oder anderen auch beruflich tut.“ Über ein paar Neuzugänge würde sich Beintvogl freuen. Das werde aber schon allein wegen der noch ungeklärten Frage der Wechselfristen schwierig sein.

8. FC Moosinning 3 14 Spiele 13 Punkte

Auch der FCM steht hinter der BFV-Entscheidung, wenngleich Spielertrainer Stefan Lechner vermutet, dass sich die Kader einiger Vereine verändern werden. Nicht so in Moosinning. Es sei sowieso schwierig genug, jemanden eine Dritte schmackhaft zu machen. Lechner vertraut auf seine jetzige Truppe. Der Klassenerhalt sei weiterhin das Ziel, „und ich denke mit dem jetzigen Team auch gut realisierbar“.

9. TSV Dorfen 2 14 Spiele 13 Punkte

Berni Schöberl, 2. Abteilungsleiter des TSV Dorfen, sieht die Entscheidung des Verbands kritisch: „Ich denke, man verschiebt hier das Problem, um nicht angreifbar zu sein und wälzt so die Probleme auf die Vereine ab. Die Saison fortzusetzen ist sicherlich die einfachste Lösung für den BFV.“ Für die Vereine dagegen werde eine Planung bis Juli 2021 fast unmöglich. Auch sportlich sei eine Fortsetzung nicht fair. „Es hat sich personell schon einiges getan. und wie man nach sechs Monaten Pause in die Runde wieder reinkommt ist, auch schwer zu sagen. Das hat dann nichts mehr mit der Vorrunde zu tun, wenn man es ein Jahr später fertig spielt.“ Schöberl hätte lieber einen Abbruch gehabt, um dann im Sommer die neue Saison zu beginnen. Der TSV vertraut weiterhin auf seine Trainer, „denn die machen eine super Arbeit“. Und zum Kader: „Wir schauen mal, was dem BFV noch Lustiges einfällt, danach werden wir uns bezüglich Wechsel richten. Unser Wunsch ist es aber, mit dem Team so weiterzumachen.“

10. FC Lengdorf 14 Spiele 13 Punkte

Michael Fugmann glaubt, „dass wir dieses Jahr nicht mehr kicken können. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr nächstes Jahr die jetzige Saison beenden. Die Corona Krise wird sich nicht soweit entschärfen, das wir im September wieder starten können.“ Beenden wolle er die Saison auf alle Fälle. Wie berichtet, legt der Lengdorfer Spielertrainer sein Amt nach sechs Jahren nieder. „Ich will meine Karriere nicht mit einem Abbruch beenden.“ Er gehe davon aus, „dass ich als Coach, wann auch immer, die Saison beenden darf“. Finale Gespräche mit dem Vorstand stehen aber noch aus. Der Reserve-Kader wird größer werden. Fugmann: „Es kommen sicher zwei, drei Langzeitverletzte und vier, fünf Jugendspieler zur Mannschaft.“

11. VfB Hallbergmoos 3 14 Spiele 10 Punkte

Bei einer Dritten hängt alles davon ab, wie die Personalien der anderen Teams im Verein aussehen. Die Kader-Planung steht zu 90 Prozent.

12. FC Forstern 2 14 Spiele 8 Punkte 

Ganz abgesehen von den persönlichen Befindlichkeiten und der rechtlichen Situation, hält Forsterns Pressesprecher Albert Bowinzki die Fortsetzung der Liga „für die fairste Lösung“. Nach der Vorrunde einen Schlussstrich zu ziehen, sei nicht okay, „weil dieser Wettbewerb nicht so ausgerichtet ist, dass man gegen jeden Gegner nur einmal antritt“. Außerdem, so merkt er an, würde man den Teams, die eine schlechte Vorrunde gespielt haben, die Chance nehmen, das wieder gut zu machen. „Und: Ein Virus soll niemanden zum Meister machen. Wer aufsteigen will, soll eine ganze Saison lang geil spielen.“ Ob der Zeitpunkt im September der richtige ist, „darüber kann man streiten. Oberstes Gebot ist die Gesundheit. Aber als leidenschaftlicher Fußballer möchte ich natürlich, dass es so schnell, wie es möglich ist, losgeht. Und wenn es nur drei Spiele im Oktober sind...“ Personell ändert sich in Forstern nichts. Bowinzki: „Wir gehen mit dem kompletten Kader in die neue Saison.“

13. FSV Steinkirchen 2 14 Spiele 7 Punkte

Der FSV begrüßt die Entscheidung des BFV, sagt Abteilungsleiter Uli Wieser. Daniel Scherzl ist bereits in die Abteilungsleitung gewechselt. Wann er die Zweite an seinen Nachfolger übergibt, steht noch nicht fest. Einen Kandidaten für diesen Trainerjob habe er bereits, sagt Wieser.

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