DAS SPORTGEFLÜSTER

Eine große Geste in Schwaig und viele Erdinger Fußballurlauber

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In Schwaig wurde der Fußball für einen Moment zur Nebensache, keine Frage. Aber wie ist es mit den vielen Urlaubern während der Saison?

Vielleicht ist das ja geschäftsschädigend, aber heute geht’s mal darum, den Sport nicht ganz so wichtig zu nehmen. Die berührendste Szene der Woche spielte sich in Schwaig ab, wo Maxi Hellinger knapp zwei Wochen nach dem tödlichen Verkehrsunfalls seines Vaters wieder die Stiefel schnürte.

Seine Mannschaft stand ihm in diesen schweren Tagen bei. Aber nicht nur seine eigene Mannschaft. Als der 26-Jährige am Mittwoch im Bezirksliga-Spiel gegen den FC Moosinning den 1:1-Ausgleich erzielte, gratulierten ihm sogar die Gegenspieler. Dennis Stauf etwa umarmte ihn – was für eine großartige Geste. Schön, dass – so hart und ehrgeizig es auf dem Platz auch hergeht (und das soll bitte auch so bleiben) – das Gespür für die wichtigen Dinge des Lebens nicht verloren geht.

Das betrifft auch das Thema Auslandsreisen. Auch wenn zum Beispiel Taufkirchens Trainer Sebastian Held in Richtung wanderwillige Studenten brummt: „Handwerker sind mir lieber. Die sind zuhause und stehen mir zur Verfügung.“ Man muss das verstehen, bei seiner Station in Wörth war die halbe Mannschaft in der ganzen Welt verstreut. Nicht anders war es in Altenerding, in Langengeisling (wo man inzwischen Kopenhagen als den neuen Hotspot der Welt entdeckt hat), und und und.

Man kann es auch wie Christoph Böning formulieren: „Was soll ich mich über Spieler ärgern, die gerade 1000 Kilometer entfernt sind? Andere schaffen nicht mal die 500 Meter, die sie vom Trainingsplatz entfernt wohnen.“ Wobei der Trainer des SV Hörlkofen auch denen keinen Vorwurf machen will. „Da sind verdiente Spieler dabei, die haben den Hafer für den Verein schon viele Jahre lang eingefahren.“

Schwieriger ist das Thema Kurzurlaub. „Ab Bezirksliga darfst du erwarten, dass sich die Jungs nach dem Spielplan richten“, sagte mal ein Sportlicher Leiter. Das ist aber zehn Jahre her. Inzwischen sind auch die Kicker unserer besten Teams eben dann auf Reisen, wenn es für sie am besten passt.

Beim Bezirksliga-Spitzenreiter Schwaig verabschieden sich diese Woche zum Beispiel drei Spieler in den Urlaub. Das ist auch verständlich, weil die Kicker aufgrund des Relegationsmarathons kaum eine Pause hatten. Und trotzdem darf man sich als alter Fußballer schon wundern, dass man auch nur auf eine Sekunde dieser großartigen Fußballzeiten verzichten möchte. Egal, jeder sollte selber entscheiden, ob der Fußball oder der Urlaub überbewertet wird. Oder die Arbeit. Und jeder darf mit sich selbst ausmachen, was er dem Verein und seinem Team gegenüber verantworten kann.

Nur eins sollte allen Vereinen klar sein: Jammern wegen der Personalsituation ist definitiv verboten! Und Spiele deswegen zu verlegen, gleich zweimal. Neuchings Fußballboss Rudi Weber bringt es auf den Punkt: „Mein Boss macht seinen Laden auch nicht zu, wenn ich mal nicht da bin.“

DIETER PRIGLMEIR

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