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Erdinger Ablöse: Leberkäs, Döner und Polstergarnitur

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Die Währung bei Spielerwechseln? Da gibt‘s viele. Ein Verein bot sogar eine Mitgift an. Spaßeshalber, nehmen wir an.

Nebenbei bemerkte der Altenerdinger Fußballchef im Rahmen der Kaderplanung (siehe Bericht oben): „Wir waren auch an ein paar Bayern-Spielern dran: Costa, Roca, Sarr.“ Seit der Pleite in Kiel habe die SpVgg davon Abstand genommen. Das verwundert uns ein wenig, denn schließlich hat Andi Heilmaier beste Kontakte zu den Roten und hätte das Trio sicher für ’n Appel und ‘n Ei bekommen. Und das meinen wir wörtlich.

Ablösesummen in Naturalien – das ist nicht ungewöhnlich in der Fußballwelt. Kenneth Kristensen wurde bei seinem Wechsel innerhalb der dritten Norwegischen Liga in Shrimps aufgewogen. Sein Landsmann Bård Erik Olsen bekam nach einem Transfer eine Pizza pro Woche. Für drei Mars-Riegel und eine Tüte Chips verließ Guiliano Grazioli den englischen Club Peterborough United. Und Marius Cioara wechselte für 15 Kilogramm Schweinswürstl von der 1. in die 4. rumänische Liga.

Letzteres wäre beim FC Türkgücü Erding undenkbar gewesen. Da war die Währung: 1 Döner. Damit lockten die Türken seinerzeit Mayls Majurani in ihre neugegründete B-Jugend. Dem Umworbenen war klar: Dieses Angebot konnte er nicht ablehnen. „Die TG-Leute wussten offenbar nicht, was für ein schlechter Kicker ich war“, sagt er heute. Ob das stimmt? Sorry, liebe Leser, aber der Mann ist Volontär bei der Heimatzeitung. Dem darf man schon glauben.

Ungewöhnlich sind also solche Deals auch in unserem Landkreis nicht, wie Kirchaschs Sportlicher Leiter Maxi Bals bestätigt: „Daniel Brenninger ist von Walpertskirchen zu uns gewechselt, weil ihm Coach Andi Hackl für jedes Spiel eine Leberkäs-Semmel versprochen hat.“ Und Wast Held ist sich sicher, dass der Kuchen seiner Frau entscheidend war, als er Michael Hastreiter und Florian Rupprecht vom Wechsel zum SV Wörth überzeugte.

Es geht aber auch andersrum. Der FC Moosinning bot quasi eine Mitgift an, wie uns Martin Grasser lachend erzählte. Es ging um seinen ehemaligen Stürmerkollegen Sebastian Maier, der vom SC Kirchasch zum FCM gewechselt war. „Wenn ihr ihn wieder zurücknehmt, dann fahr ich euch a Fuada Kartoffeln vorbei“, soll Moosinnings Fußballlegende Joe Schmid gesagt haben. Der Wechsel kam dann erst später zustande – ohne Kartoffel übrigens, aber sehr zur Freude des KSC.

Wer jetzt glaubt, den Fußballern geht es nur ums Essen, der irrt. Bier geht auch. Für Ernie Blekinsop rollte Hull City ein Fassl Bier nach Cudworth Village, wo die durstigen Ex-Kollegen schon warteten. 30 Trainingsanzüge aus dem Hause Harrods erhielt Rushall Olympic für den zweifachen englischen Nationalspieler Zat Knight vom Fulham FC, dessen Inhaber Mohamed Al-Fayed praktischerweise damals auch Harrods gehörte. Und für Verteidiger Roger Fallas schickte der CF Universidad de Costa Rica 50 Fußbälle an AS Pumas Generalena. Ist doch schön, wenn nicht der Rubel, sondern das runde Leder rollt.

Leder als Handelsware – das war auch in unserem Landkreis durchaus üblich. Bei Himolla Taufkirchen soll es in den 1970er und 80er Jahren als Handgeld für einen Wechsel Stühle, Fernsehsessel oder gar ganze Ledergarnituren gegeben haben. Finden wir okay, schließlich sorgten die Kicker ja auch für ein gewisses Punktepolster. Hilfe zur Selbsthilfe gab es hingegen 1952 für Josef Röhrl, der mit Frau und Tochter in einem Zimmer wohnte, bis ihm der Langengeislinger Bürgermeister eine Wohnung vermittelte. Freilich musste Röhrl die Miete selbst zahlen – und er musste künftig für den FCL stürmen.

Nicht möglich war indes der Deal, der einst Werner Lauer vorgeschlagen wurde. Der Altenerdinger war seinerzeit Trainer der Frankfurter Handballdamen und wollte eine Spielerin verpflichten. „Sie sagte aber nur zu, wenn wir auch ihre Lebensgefährtin unter Vertrag nehmen.“ Naja, Frankfurter Würstl kauft man vielleicht paarweise ein, meistens auch Schuhe oder Handschuhe, aber Sportlerinnen gibt’s eigentlich nicht im Doppelpack.

Manchmal reichen einfach aber auch nette Worte als Ablösesumme. Patrick Tischer wollte 2009 eigentlich seine Karriere beenden und dem Umbruch beim TSV Wartenberg nicht im Wege stehen. Dann kickte er bei einem Gauditurnier in der Gerlspeck-Halle mit. „Ich muss wohl einen ganz guten Tag erwischt haben“, erinnert er sich. Jedenfalls waren Flo Müller und Olli Kurowski so begeistert, dass sie den Torwart unbedingt zu Rot-Weiß Klettham holen wollten. Irgendwann hatten sie ihn soweit. Im ersten Training wunderte sich Tischer: „Wo sind denn eigentlich Olli und Flo“, fragte er den damaligen RWK-Chef Pedro Locke. „Sind nach Geisling gewechselt.“

Die beiden kehrten übrigens nach einem halben Jahr nach Klettham zurück. Pedro Locke ist inzwischen Trainer bei der SpVgg Altenerding. Womit wir wieder bei der Bayern-Frage wären: Sollen Costa, Roca und Sarr zur SpVgg? Warum nicht. Sie könnten sich ja ein Beispiel an Danijel Pranjic nehmen. Der hat 2009 sogar selbst einen Teil der Ablöse gezahlt, um beim FC Bayern zu spielen.

DIETER PRIGLMEIR

Erdinger Währungen bei Spielerwechseln

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