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Stadtderbys wird es auch im nächsten Jahr s wieder zwischen der SpVgg Altenerding und dem FC Erding geben. Im Vergleich der zweiten Mannschaften landeten die Veilchen zuletzt einen 6:2-Erfolg. Hier trägt sich Manuel Molitor in die Torschützenliste ein.  

Erdinger Fußballfusion liegt auf Eis

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SpVgg und FCE räumen schwer lösbare Probleme ein, beteuern aber: Die Gespräche laufen weiter.

Erding– Ist die Erdinger Fußballfusion geplatzt? Gemeinsame Teams des FC Erding und der SpVgg Altenerding wird es in der kommenden Saison nicht geben, melden die beiden Vereine.Altenerdings Abteilungsleiter Andreas Heilmaier beteuert aber: „Wir verlieren das Projekt nicht aus den Augen, weil wir davon überzeugt sind.“ Der FC Erding teilte in einem Brief seinen Mitgliedern mit, dass die Zusammenarbeit vertagt worden ist. Zu viele Themen seien noch zu klären. Manches sind für Heilmaier und seinem Erdinger Kollegen Mathias Köppen eher niedrige Hürden, anderes sei doch deutlich schwerer zu lösen. Die möglichen Problempunkte im Überblick:

Der Widerstand der Vereinsmitglieder

Nach den ersten Veröffentlichungen in der Heimatzeitung hatte es etliche kritische Stimmen und deftige Leserbriefe gegeben. Mitglieder beider Vereine hatten mit dem sofortigen Vereinsaustritt gedroht, sollte es zu einer Fusion kommen. Heilmaier äußerte Verständnis dafür, dass insbesondere ältere Mitglieder, die tief in der SpVgg verwurzelt sind, nicht mit dem Erzrivalen eine Sache machen wollten und Angst um den Namen haben. „Aufgrund des Berichts in der Heimatzeitung, der für uns etwas verfrüht kam, hatten wir nicht die Möglichkeit, die Mitglieder über die Zusammenarbeit und die damit verbundenen Vorteile zu informieren, sodass nach außen der Eindruck entstand, wir hätten uns nur dem Wunsch der Erdinger gebeugt. Wenn unsere Beweggründe bekannt gewesen wären, dann denke ich, hätten wir auch den langjährigen Mitgliedern die verständlichen Ängste und Bedenken nehmen können“, stellt Heilmaier fest. Es habe aber auch viele Stimmen gegeben, die den Weg gut finden, sagt der SpVgg-Chef. Erfreulich sei für ihn gewesen, „dass die Aktiven unser Vorhaben annahmen und sogar selbst in diesem Projekt mitarbeiten wollen“. Sie erhofften sich durch die Zusammenarbeit eine Quantitäts- und auch Qualitätssteigerung, die berechtigterweise Hoffnungen mache, auch wieder in anderen Klassen spielen zu können. Heilmaier: „Wir haben sehr viele treue Spieler, denen es auch bei uns sehr gut gefällt und die auch gerne bei uns bleiben. Aber aufgrund ihres Talents wollen sie einfach in höheren Ligen spielen. Ich hoffe, dass sie etwas Geduld mitbringen.“ Heilmaier weiß: „Vereinstreue wird nicht mehr so groß geschrieben wie früher. Die Fußballer suchen sich die besten Möglichkeiten aus. Und da gibt es eben in Erding und Umgebung Vereine, die in Ligen spielen, die wir momentan nicht anbieten können.“ Auch Köppen habe nur wenig Gegenwehr gespürt, aber auch nicht die große Euphorie: „Das wurde bei uns eher ruhig aufgenommen. Unsere Mitglieder stehen einer Fusion eher neutral gegenüber.“

Der künftige Vereinsname

SpVgg Erding, FC Altenerding oder ganz anders? Nicht das Problem. Heilmaier: „Die Namensgebung war für die Verschiebung der Zusammenarbeit nicht ausschlaggebend.“

Fusion oder Anschluss an die SpVgg

Die Erdinger Funktionäre wollten, dass die Zusammenarbeit in Form einer klassischen Fusion mit Gründung eines neuen Vereines einhergeht, „wobei dieser Schritt auch mittelfristig vorstellbar war“, erklärt Heilmaier. Für eine Fusion in einigen Jahren habe er aber keine feste Zusage geben können, weil das bei der SpVgg nicht allein die Fußballer entscheiden, sondern die Delegierten aller Sparten. Heilmaier: „Die Satzung bietet zwar jeder Abteilung die Möglichkeit, aus der SpVgg auszutreten, aber für diesen Schritt ist eine Zustimmung von mindestens 75 Prozent aller Delegierten nötig. Zum Verständnis: Bei der Jahreshauptversammlung entsendet jede Sparte – abhängig von der Mitgliederzahl – eine gewisse Anzahl von Delegierten. Die Fußballer haben zehn Stimmen, die Turnabteilung mit seinen 900 Mitgliedern zum Beispiel noch mehr. Das Abstimmungsergebnis wäre also nicht vorhersehbar. „Natürlich könnten einzelne Mitglieder aus der SpVgg rausgehen und einen eigenen Verein gründen“, sagt Heilmaier, aber das würde für die Fußballabteilung der SpVgg doch erhebliche Risiken mit sich bringen. Zum Beispiel:

Wem gehört das Sempt Pub?

„Wir haben das Vereinsheim zwar selbst finanziert, doch rechtlich liegt es im Eigentum der SpVgg“, erklärt Heilmaier. „Wenn wir also die Zustimmung nicht erhalten, können wir es nicht in einen neuen Verein übertragen, sodass wir dann ohne Vereinsheim, ohne Vermögen und letztlich auch anfangs ohne Mitglieder wären.“ Dieses Risiko sei einfach zu hoch. Man könne dann zwar rechtlich prüfen lassen, ob die Fußballer auf die Vermögenswerte, die sie erwirtschaftet haben, pochen können. Aber da sei das Ergebnis bestenfalls offen – zumal die kommunalen und staatlichen Zuschüsse für den Bau damals an den Gesamtverein gegangen waren. Statt des Rechtswegs will Heilmaier lieber eine Lösung durch Gespräche, denn das Vereinsheim werde „zu 80 oder 90 Prozent“ von den Fußballern genutzt. „Der Hauptverein hat noch ein Büro drin, und die Handballer halten ihre Abteilungssitzungen ab“, sagt Heilmaier. Mehr sei da nicht. Es gehe jetzt darum mit den Delegierten zu reden. Und dafür brauche man eben Zeit.

Zu viele Risiken für den FC Erding

„Es war ursprünglich geplant, dass wir im ersten Schritt mit unseren Mitgliedern nach Altenerding wechseln und auch zunächst unter dem Dach der SpVgg am Spielbetrieb teilnehmen“, sagt Köppen. Dies wurde auch an die Mitglieder so kommuniziert, jedoch mit der Aussicht, dass in ein paar Jahren eine klassische Fusion angedacht sei. Weil die SpVgg diesen zweiten Schritt jedoch aktuell nicht garantieren könne, sei es schwer, „unsere Mitglieder vom ersten Step – den Wechsel der Mitglieder nach Altenerding – zu überzeugen, da wir dadurch natürlich auch große Risiken eingehen würden“. Sollte die Fusion mittelfristig nicht zustande kommen und sich die Erdinger wieder unter dem Dach des TSV zum Spielbetrieb anmelden, müsste man in der C-Klasse starten. „Die SpVgg war sogar bereit, uns in diesem Falle beispielsweise die Spielklasse der zweiten Mannschaft zu überlassen, aber eine solche Vereinbarung kann laut dem Bayerischen Fußballverband so nicht umgesetzt werden“, berichtet Erdings Fußballchef.

Die weitere Zusammenarbeit

„Wir werden weiterhin Gespräche führen und versuchen, dass wir Schritt für Schritt diese Hürden meistern, um vielleicht doch in den nächsten Jahren diesen Schritt gehen können“, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung. Aber werden die aktuellen Probleme tatsächlich geringer, wenn man ein paar Jahre ins Land streichen lässt? Für Köppen ist „mehr Zeit schon ein Faktor, denn dann können wir ein Konzept erstellen, das die Mitglieder überzeugt“. Außerdem habe die SpVgg dann auch die 100-Jahrfeier von der Backe. Heilmaier spürt schon jetzt eine „sehr große Annäherung. Die Vorbehalte sind weitgehend ausgeräumt. Das haben wir in den 20 bis 30 Gesprächen, die wir inzwischen geführt haben, erreicht.“ Die von Mitgliedern geäußerte Befürchtung, dass der FCE seine Probleme aufgrund mangelnder Ehrenamtlicher auf die SpVgg abwälzen will, habe sich nicht bestätigt. „Die Erdinger haben unglaublich engagierte Leute“, sagt er und nannte dabei explizit Lothar Feuser und Kurt Müller. Allerdings räumt Köppen schon ein, „dass das Ehrenamt bei uns eingeschlafen ist. Zu wenige wollen noch helfen.“ Er habe aber schon die Hoffnung, dass durch die jüngsten Bemühungen ein Ruck durch den Verein geht. „Mein Eindruck ist schon, dass jetzt einige die Ohren gespitzt haben und sich sagen: ,Hej, in dem Verein bewegt sich was.‘“

Die aktuellen Planungen

Kurzfristig planen beide Vereine eigenverantwortlich für die neue Saison, was für die SpVgg leichter sein dürfte, da die Jugendarbeit auf festen Beinen steht und die erfolgreichste im Landkreis ist. Der FC Erding hat für die Jugend laut Köppen zwei Optionen: „Entweder machen wir eigene Mannschaften auf, oder wir gliedern uns wieder bei der JFG Sempt Erding mit ein.“ Hier stehen noch Gespräche an. Aber wird die JFG den verlorenen Sohn wieder aufnehmen, der letztlich mittelfristig doch den Ausstieg plant? Vorsitzender Christoph Greckl lässt das offen: „Wir beraten noch darüber.“ Weiter ist der FC Erding da schon bei den Herren. Laut Köppen sei bereits mit den beiden neuen Trainern Andi Ostermair und Ludwig Scheidl vereinbart worden, dass sie auch in der Saison 2020/21 das Sagen haben werden – „egal in welcher Klasse wir spielen“. Außerdem hat der FC Erding sechs Neuzugänge, mit dem der Tabellenvorletzte der Kreisliga die Klasse halten will: die Eichenrieder Marc Uscharewitz Marc und Alexander Krause, Ales Hujdanovic, Fatih Budakoglu, Maxi Ostermair, Dazian Cocea und Shkeljzen Iseni.

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