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Thomas Eckmüller steht als Coach eher selten an der Seitenlinie, sondern befindet sich als Spielertrainer meist mitten im Geschehen auf dem Platz.

Bester Trainer 2018 der Bezirksliga Nord im Interview

Finsings Eckmüller: „Die Spieler bekommen keinen einzigen Cent“

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Thomas Eckmüller ist euer Coach 2018 der Bezirksliga Nord! Den Titel sieht er jedoch nicht als Auszeichnung für seinen schwierigen Job als Spielertrainer, sondern für den ganzen Verein. Der FC Finsing besitzt in der Liga in seinen Augen einen starken Nachteil und kann stolz auf die Entwicklung der letzten Jahre zurückblicken.

In unserem Ranking holte er mit 213 Stimmen und 24 Prozent der Votings den Titel nach Finsing. Seit  2016 ist er dort Spielertrainer und schaffte in seiner ersten Saison mit der Mannschaft auf Anhieb den Wiederaufstieg in die Bezirksliga. Zur Winterpause liegt Finsing auf dem vierten Tabellenplatz, mit vier Punkten Rückstand auf den Zweitplatzierten TSV Jetzendorf.

Und das obwohl er vor Saisonbeginn im Interview mit uns betonte: „Unser Ziel ist es natürlich, die Liga zu halten und für den Klassenerhalt müssen wir ähnlich zusammenstehen und Gas geben wie in der Aufstiegssaison.“ Diese Forderung scheint sich sein Team zu Herzen genommen zu haben und mit 18 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist ihnen der Klassenerhalt schon jetzt so gut wie sicher.

Du bist in unserem Voting zum besten Trainer 2018 der Bezirksliga Nord gewählt worden. 213 Leute haben für dich gestimmt und waren der Meinung, der Titel würde dir zustehen. Was denkst du: Wieso hast du diese Auszeichnung verdient ?

Prinzipiell freue ich mich sehr über meinen Sieg und dass so viele Leute mitgemacht haben, die der Meinung sind, dass ich es verdiene, zu gewinnen. Aber ich muss ganz klar sagen: Ich sehe das weniger als eine Auszeichnung für mich als Einzelperson, als ein Verdienst des ganzen Teams. Das ist wie im Job auch: Wenn eine Abteilung ein gutes Jahresergebnis 2018 hat, dann ist dafür ja nicht nur der Chef verantwortlich, sondern die ganze Mannschaft. Wir können uns als Team über das Ergebnis des Votings freuen: Es ist eine Anerkennung für die Entwicklung, die wir bestritten haben, für den Tabellenplatz und die Punkte, die wir gemacht haben. Als Aufsteiger im zweiten Jahr, stehen wir in der Tabelle sehr gut da. Der vierte Platz ist deutlich mehr, als wir uns vorgenommen oder auch nur zu träumen gewagt haben. Darauf sind wir stolz.  Den Titel nur mir zuzuschreiben, halte ich für den falschen Ansatz, sondern mein Co-Trainer Rickhoff und natürlich das ganze Team haben großen Anteil daran.

Denkst du, dass du dir in der Liga besonders viel Respekt damit verdient hast, dass du ja nicht nur coachst, sondern als Spielertrainer gleichzeitig auf dem Platz stehst?

Das kann durchaus sein. In der Vorrunde ist es bei mir ja auch ganz gut gelaufen. Es kann schon damit zusammenhängen, dass ich in der Hinrunde das eine oder andere Tor geschossen und die eine oder andere Vorlage gegeben habe.

Welcher Moment des Jahres ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Puh, schwierig: Also 2018 war ich sehr stolz auf die Leistung auswärts beim 0:0 gegen den souveränen Aufsteiger Wasserburg in unserer ersten BZL Saison. Ein schöner Moment war auch der 4:1-Sieg gegen den TSV Eching - hier habe ich drei Tore geschossen. Auch das letzte Spiel 2018 gegen Manching war super, da ich wusste, dass jetzt erstmal Pause und Energietanken angesagt ist. Es gab also mehrere Momente, die einfach toll waren.

„Es gab mehrere Momente, die einfach toll waren“

Ist es manchmal schwierig, sowohl die Ansprüche an den Trainer als auch den Mannschaftskameraden zu erfüllen?

Das ist natürlich schon eine Herausforderung. Als Coach stehst du immer im Fokus und als Spielertrainer sogar noch ein Stück mehr: Sei es, wenn es um die Leistung geht Sei es, wenn es um bestimmte Entscheidungen geht. Wir haben es in der Vorrunde, dank des guten Austauschs zwischen den Trainern und sportlichen Leitern, gut hinbekommen, aber es ist nicht immer leicht.

Wie läuft das bei euch im Training ab? Schwitzt du da immer voll mit oder bist du mehr mit der Planung der Übungen beschäftigt?

Seit letztem Winter habe ich mit Christian Rickhoff einen Co-Spielertrainer, der mir zur Seite steht. Die Zusammenarbeit zwischen uns ist herausragend. Wir sind vor dem Training immer früh da und stimmen uns so gut ab, dass schon bevor die anderen Spieler kommen alles aufgebaut ist. Während dem Training müssen wir dann kaum noch Hütchen aufstellen, oder so. Ich trainiere bestimmt so 90 Prozent mit, obwohl man natürlich schon mal eine Übung erklären muss oder am Anfang dann nicht mitmacht. Wir schauen aber schon, dass wir mindestens zwei Trainingseinheiten die Woche mitnehmen, um am Wochenende dann fit zu sein.

Was für ein Spielsystem versuchst du mit deinem Team auf den Platz zu bringen?

Eigentlich versuchen wir immer etwas defensiver zu stehen und die Gegner dann ab der Mittellinie zu attackieren. Das spiegelt sich jetzt nicht unbedingt in unseren Gegentoren wieder, von denen wir schon einige und definitiv zu viele kassiert haben. In der Rückrunde wollen wir versuchen, in der Defensive konstanter zu werden. Nach vorne haben wir dann sehr, sehr viele Qualitäten: Alleine vier Spieler haben bisher zusammen 40 Tore geschossen. Unsere Schwächen im Abwehrverhalten konnten wir damit ausgleichen, dass wir in den richtigen Momenten die Tore geschossen haben und das eine oder andere Spiel auch in unsere Richtung gegangen ist.

Gibt es neben dem Defensivverhalten noch andere Punkte, die ihr verbessern wollt?

Das ist schwierig, wenn die Zielsetzung der Saison eigentlich der Klassenerhalt war und man jetzt auf dem vierten Tabellenplatz steht. Ich würde mir definitiv wünschen, dass die ganze Mannschaft, bis vor in die Spitze, lernt, defensiver zu denken. Unsere Spiele sind immer ein Spektakel mit vielen Toren. Das ist für die Zuschauer natürlich top, für den Trainer dagegen nicht ganz easy. 

Mir ist es wichtig, dass wir für die Rückrunde eine saubere, gute Vorbereitung machen, dass sich keiner meiner Spieler verletzt und wir ein tolles Trainingslager in der Türkei haben. Dann gilt es ansatzweise an dem anzuknüpfen, was wir uns in der Vorrunde aufgebaut haben. Weiterentwickeln können wir uns ansonsten dahingehend, dass wir zwischen den Mannschaftsteilen noch intensiver und besser arbeiten und kompakter stehen, um weniger Gegentreffer zuzulassen. 

„Mit 55 Leuten in die Türkei“

Du hast schon erwähnt, dass ihr ins Trainingslager fahren werdet. Wie genau wollt ihr euch für die Rückrunde fit machen?

Wir starten am 10. Januar in die Vorbereitung und haben dann immer Donnerstags einmal die Woche Hallentraining. Da wird dann etwas Zirkeltraining auf dem Programm stehen, aber auch mal einfach Spielen. Anfang Februar geht es dann wieder raus auf den Platz und nach drei Wochen Vorbereitung fahren wir mit drei Mannschaften (Erste, Zweite, Dritte) und insgesamt 55 Leuten in die Türkei fürs Trainingslager. Da sind wir dann wieder bei dem Thema, wieso wir stolz auf das sein können, was wir aufgebaut haben: Über 50 Spieler kommen mit und müssen sich das selber finanzieren. Und wieso machen sie das? Weil sie einfach Lust drauf haben. Obwohl ich auch mehrere Studenten im Team habe und es dadurch nicht so leicht ist, bekommen wir es doch immer irgendwie hin.

Wie bist du 2013 zum Trainieren gekommen?

Ich bin jetzt in meiner sechsten Saison als Coach und war vor Finsing drei Jahre lang in Altenerding. Dort habe ich eine Anfrage als Spielertrainer bekommen und mir dann gedacht: Machst du das eher, wenn du noch voll im Saft stehst, so mit 26/27 Jahren, oder ist es mehr eine Option für später, wenn ich nicht mehr so aktiv spiele und dann irgendwo in den unteren Ligen?  Mir hat es schon immer Spaß gemacht in meinem Beruf Mitarbeiter zu coachen und trainieren und ich dachte mir, dass sich das sicher gut auf den Fußball übertragen lässt. Dementsprechend ist meine Entscheidung gefallen und aktuell spricht auch nichts dagegen, das nicht weiterzumachen. 

Und wieso fiel 2016 deine Entscheidung auf Finsing?

Das wäre das vierte Jahr in Altenerding gewesen und ich habe dann einen Anruf von Finsings sportlichem Leiter Thomas Gasda bekommen. Sie waren damals in der Bezirksliga im Abstiegskampf. Er hat mir dann angetragen, dass sie einen neuen Trainer suchen würden. Für mich wäre es sowohl interessant gewesen, noch mal Bezirksliga zu trainieren, als auch im Falle eines Abstiegs den Neuaufbau zu leiten. Mit den jungen Spielern zu arbeiten und eventuell den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen, das war meine Motivation und das hat mich gereizt. Als ich mir den Verein angeschaut habe, hat es einfach gepasst.

Zu Saisonbeginn meintest du noch: „Unser Ziel ist es die Liga zu halten“. Mit Platz vier habt ihr dieses Ziel mehr als übertroffen. Habt ihr euch da zu Saisonbeginn falsch eingeschätzt?

Nein, so ist es nicht. Das ist einfach dem geschuldet, dass wir erst 2016 aus der Kreisliga aufgestiegen sind und dann letzte Saison Bezirksliga Ost gespielt haben. Dort haben wir einen guten Platz gemacht, der aber sicher auch der Aufstiegs-Euphorie zuzuschreiben ist. Wir haben eine coole Saison gespielt, hatten dann aber einige Abgänge und mussten uns wieder neu finden. Jetzt haben wir eine extrem junge Mannschaft. Ich habe beispielsweise 90 Prozent der Spielzeit einen Achtzehn- und Neunzehn-Jährigen auf meiner Sechser-Position an meiner Seite. 

„Wir sind eine unglaubliche Gemeinschaft“

Was macht Finsing als Verein so besonders?

Wer bei uns spielt, bekommt dafür keinen einzigen Cent: Keine Auflaufprämie, keine Siegprämie, kein Festgehalt. Die Spieler sind bei uns, weil sie wirklich Bock haben auf Fußball und wir eine unglaubliche Gemeinschaft sind. Somit haben wir natürlich schon Nachteile gegenüber den anderen Mannschaften in der Liga. Ohne es hundertprozentig zu wissen, gehe ich ganz stark davon aus, dass wir der Verein sind, der am wenigsten Budget hat und dass Spieler bei anderen Vereinen in der Bezirksliga nicht für Null auflaufen. Deshalb müssen wir uns Woche für Woche strecken und immer an unsere Grenzen gehen. Wir bauen in Finsing stark auf die Jugend und müssen das auch, weil wir uns eben keine fertigen Spieler holen können. Stattdessen bilden wir sie aus. Die jungen Spieler in die Mannschaft zu integrieren, ist uns in der Hinrunde sehr gut gelungen und das Mannschaftsgefüge passt sehr gut. Besonders wichtig ist es, dass wir uns an den schnelleren Fußball in der Bezirksliga gewöhnt haben.

Sind die personellen Neuerungen auch der Grund dafür, dass ihr eher einen durchwachsenen Saisonstart hingelegt habt? Im Laufe der Saison konntet ihr euch dann ja immer mehr stabilisieren.

Die jungen Spieler bekommen von mir Woche für Woche das Vertrauen, zu spielen und machen das auch wirklich gut. Wir mussten uns aber natürlich erst mal finden. Das ging relativ schnell und dann ist es uns auch gelungen Fehler abzustellen, die wir in den ersten Spielen gemacht haben. Die waren zum Teil wirklich haarsträubend. Das ist für die Rückrunde auch wirklich das Ziel: Nicht wieder die ersten Partien verschlafen, sondern sofort da und gefährlich sein.

Welches neue Ziel setzt ihr euch jetzt für die Rückrunde, jetzt wo der Klassenerhalt schon so gut wie sicher ist?

Das müssen wir ganz klar sagen: Mit dem Abstieg werden wir diese Saison definitiv nichts mehr zu tun haben. Dazu haben wir zu viele Punkte und sind auch zu gefestigt. Wir wollen nach einer guten Vorbereitung einfach gut aus den Startlöchern kommen und schauen, dass wir schon in den ersten ein, zwei Spielen gut bestehen und die nötigen Punkte mitnehmen können. Wenn wir es schaffen, uns auf den Plätzen drei bis fünf festzusetzen, dann hätten wir Großes geschafft und alle wären zufrieden

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