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Dichtes Gedränge: Der FC Forstern hatte gleich mehrere Türme in der Abwehrschlacht.
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DFB-Pokal 

FC Forstern unterliegt SC Freiburg 1:6 – Torflut im Regen

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  • Eicke Lenz
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Der Favorit SC Freiburg wurde mit einem 6:1 (3:0)-Sieg seiner Favoritenrolle gerecht, doch Forstern erwies sich als mutiger Gegner, der sich nicht vor dem eigenen Tor verbarrikadierte.

Forstern– Ein Fußballfest war das DFB-Pokalspiel der Forsterner Fußballfrauen. Der Himmel öffnete schon gegen Mittag seine Schleusen, und so war für das große Spiel am Sonntagnachmittag vor rund 600 Zuschauern gegen den Bundesligisten SC Freiburg typisches Fritz-Walter-Wetter, das an alle Spielerinnen noch höhere Anforderungen stellte. Der Favorit wurde mit einem 6:1 (3:0)-Sieg seiner Favoritenrolle gerecht, doch Forstern erwies sich als mutiger Gegner, der sich nicht vor dem eigenen Tor verbarrikadierte.

Es gab viele Gründe, sich auf dieses Spiel zu freuen. Franzi Stimmer zum Beispiel ist seit zehn Jahren beim FCF, Stammspielerin, und war trotzdem vergangenes Jahr nicht dabei, als der VfL Wolfsburg zu Gast war. „Damals war ich verletzt. Heute aber darf ich meine Mannschaft als Kapitänin aufs Feld führen“, erzählte sie. Für Sandra Obermeier war es eine willkommene Abwechslung, denn die Studentin für Medieninformatik schreibt gerade an ihrer Masterarbeit, weshalb sie zuletzt nicht in jedem Training war. „Deshalb weiß ich nicht, ob es heute überhaupt für einen Einsatz reicht“, bangte sie. Youngster Sophia Brandmair genügte es sogar, nur am Aufwärmprogramm teilzunehmen. Gerade erst der B-Jugend entwachsen, saugt sie jede Minute bei den Frauen auf. „Die Schnelligkeit, die Ballverarbeitung – das ist schon ein Riesenunterschied zur Jugend.“

Freiburg gibt sofort Vollgas

Am Sonntag dürfte sie aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen sein, denn der SC Freiburg gab von der ersten Minute an Vollgas und schoss Chrissie Kink richtig warm. Und die Forsterner Torfrau zeigte sich von der besten Seite, kratzte erst einen Ball aus dem Kreuzeck und entschärfte nach dem anschließenden Eckball einen Kopfball aus drei Metern. Erst gegen den zweiten Nachschuss war sie machtlos. Nationalspielerin Sandra Starke täuschte zweimal an und legte für Spielführerin Rebecca Knaak auf, die verwandelte.

„Oh, so früh waren wir nicht mal gegen Wolfsburg hinten“, sagte jemand aus dem Forsterner Fanblock. Jemand antwortete: „Aber diesmal schießen auch wir ein Tor. Das Pokalspiel gegen Wolfsburg ist allen noch in bester Erinnerung. Über 2000 Zuschauer an einem herrlichen Novembertag – da war das 0:9 leicht zu verschmerzen. „Diesmal soll es schon knapper werden“, kündigte auch Steffie Kothieringer vor dem Spiel an. Und tatsächlich kam der Regionalligist nicht nur über die Mittellinie, sondern kreierte eigene Chancen. Stimmer setzte die wuselige Pija Reiniger mit einem Traumpass in Szene, die aber von den SC-Verteidigern abgedrängt wurde.

Dass sich die Gäste aufgrund ihrer Überlegenheit mal einen Lecihtsinnsfehler leisten würden, das schminkten sich die Forsternerinnen schon vor dem Spiel ab. Wieder waren da die Erinnerungen an den VfL. „Egal, wo der Ball war, meine Gegenspielerin war immer 100 Prozent konzentriert“, erzählte Obermeier.

Freiburg war da keinen Deut schlechter, vielleicht sogar noch ehrgeiziger. Abseitsentscheidungen des Schirigespanns wurden durchaus vehement diskutiert. Und so erlebten die Zuschauer bei strömendem Regen eine Vielzahl an Torraumszenen.

Forstern igelt sich nicht ein

Das lag aber auch daran, dass sich Forsterns Coach Thilo Herberholz nicht nach dem Gegner richtete, sondern das eigene Spiel gewohnt offensiv auslegete – „wobei unserer Angreiferinnen mit dem Pressing zehn Meter weiter hinten als gewohnt beginnen sollten“.

Manchmal agierte Forstern zu ungestüm. Etwa beim 0:2, als die gesamte Abwehr bis zur Mittellinie aufrückte. Über SC-Verteidigerin Lisa Karl lief ein schulmäßiger Konter, und Starke verwertete den mustergültigen Querpass zum 2:0. Mit schnellem Passspiel und guten Kombinationen setzten die Freiburger Forsterns Abwehr unter Druck, die aber cleverer wurde, auch mehrmals die schnellen Angreiferinnen in strafbare Abseitsstellungen laufen ließ. Gleichwohl nutzte Starke kurz vor der Pause ihrer Chance zum 3:0 aus.

Nach der Pause kreuzte die schnelle Hasret Kayikci den Laufweg von Luisa Schmid und ließ sich nach einer minimalen Berührung fallen. Den Strafstoß verwandelte Rebecca Knaak sicher.

Nach gut einer Stunde wurde Sandra Obermeier eingewechselt und traf gleich nach schönem Zuspiel von Theresa Eder zum 1:4. Kurz darauf hatte sie Pech, als sie Torfrau bereits überlaufen hatte, aber eine Verteidigerin kurz vor Torlinie zur Ecke rette. Als bei Forstern gegen Ende des Spiels die Konzentration schwand, traf der hohe Favorit durch Kayikci und Verens Wieder noch zum 6:1, ehe es zurück in den Breisgau ging.

Von der Pfalz angereist

Auf die Heimreise begaben sich schließlich auch noch Peter Gleisert sowie Birgit, Julia und Tobias Eitel. Sie sind Mitglied im Fanclub der SC-Frauen und waren aus Impflingen (Pfalz) angereist. Die 360 Kilometer nach Forstern nahmen sie gern für die SC-Mädels in Kauf, meint Gleisert. „Wir waren auch schon in Potsdam.“

Die Einzelkritik:

Chrissi Kink zeigte im Tor einmal mehr eine herausragende Leistung und tolle Reflexe.
In der Innenverteidigung boten Johanna Stadler und Luisa Schmidtastreine Abwehrarbeit, ergänzten sich bestens und spielten bei ihrem ersten gemeinsamen Auftreten, als ob sie dies seit Jahren praktizieren.
Verena Krumayzeigte auch unter Bedrängnis technisches Können, Ballbeherrschung und Zweikampfhärte.
Steffie Kothieringer legte links hinten schnell ihre Nervosität ab, beherrschte dank ihrer Technik auch schwierige Spielsituationen und zeigte im Spiel nach vorne Übersicht und Passgenauigkeit.
Für Helena Altenweger hat Trainer Thilo Herberholz ein besonderes Lob parat, wenn er sagt: „Die spielt immer!“ Auch gegen Freiburg hat Altenweger das Lob dank hervorragender Zweikampfwerte, riesengroßer Laufbereitschaft und toller Einsatzbereitschaft verdient.

Im Mittelfeld haben Merve Kantar und Julia Deißenböck gut nach hinten gearbeitet. Sie setzten sich gegen die bundesligaerprobte Defensive in Szene.
Franziska Stimmerverrichtete viel Laufarbeit, gewann viele Zweikämpfe und trug mit genauen Pässen auch zur Spieleröffnung bei.

Theresa Eder hatte im Sturm einen schweren Stand gegen die routinierte Freiburger Abwehr. Sie verstand es aber immer wieder, sich am Ball zu behaupten. Pija Reiningerhatte keine Angst vor den robusten Abwehrspielerinnen des Bundesligisten. Mit ihren Spurts am Flügel sorgte sie für Verwirrung in der Freiburger Abwehr und konnte mehrmals nur im Verbund gebremst werden.
Die eingewechselte Charlie Marhauser ist auf dem besten Weg, bald zur Stammspielerin aufzusteigen.
Torjägerin Evi Koppwurde nach ihrer Einwechslung in der Defensive gebraucht und zeigte auch hier Zweikampfhärte und Einsatz. Sandra Obermeier kam, sah und überraschte die erfahrene Freiburger Abwehr mit einem blitzsauberen Tor – und sie legte gleich noch nach.

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