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Nicht aufzuhalten: Christian Rickhoff war acht Jahre Torjäger des FC Finsing. Jetzt übernimmt der 30-Jährige seine erste Trainerstelle beim Kreisligisten SV Anzing.

Fußball

Der Finsinger Tor-Garant ist weg

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Top-Clubs jagten ihn, doch Chris Rickhoff wählte wieder einen Club mit intaktem Vereinsleben

Finsing – Sechs Spiele hat der FC Finsing in der Bezirksliga Nord noch zu bestreiten. Er müsste dabei 14 Punkte aufholen, um noch wenigstens den Relegationsplatz zu erreichen. Mit anderen Worten: Der Abstieg für den Verein, der in den bisherigen 24 Partien nur einmal gewonnen hat, ist sicher. Deshalb kann auch Christian Rickhoff guten Gewissens bereits jetzt zum SV Anzing wechseln. Wie berichtet, wird der 30-Jährige beim Ebersberger Kreisligisten Spielertrainer.

Geplant sei dies eigentlich schon für den Sommer dieses Jahres gewesen, erzählt Rickhoff. Aber dann kam die Corona-Krise dazwischen. „Ich wollte mit Finsing die Bezirksliga-Runde noch zu Ende spielen“, erklärte er.

Seit acht Jahren spielt der Plieninger inzwischen dort, hat den Verein mit seinen Toren in die Bezirksliga geschossen, war dort in der vergangenen Jahren Co-Trainer – erst an der Seite von Thomas Eckmüller, dann bei Bernd Häfele. Doch dann setzte sich nach dem Re-Start die Pleiteserie fort. Am Abstieg zweifeln höchstens noch nerdige Wahrscheinlichkeits-Berechner. Deshalb habe er beschlossen, schon jetzt den nächsten Schritt zu machen. Die Finsinger Vereinsführung habe schon versucht, ihren Topstürmer noch bis zum Saisonende zu halten. „Aber sie verstehen meine Entscheidung.“

Das machte der FCF auch in einem Statement klar. „Natürlich sind wir nicht glücklich darüber, dass uns Christian zum Winter verlässt. Er war über Jahre hinweg einer der Spieler, der für den sportlichen Aufstieg des FC Finsing wesentlich verantwortlich war.“ Auf der anderen Seite gebe es Situationen, in denen eine sportliche Veränderung einen wichtigen Schritt zur persönlichen Weiterentwicklung darstellt.

„Selbstverständlich wollen wir so einem verdienten Spieler keine Steine in den Weg legen. Wir wünschen ihm viel Spaß und Erfolg bei seiner neuen Aufgabe. Die Türen beim FC Finsing bleiben für ihn immer offen“, sagt Vorstandsmitglied Robert Hartmann.

Christian Rickhoff steht gemeinsam mit seinem Bruder Markus sinnbildlich für den Aufschwung des FC Finsing in den vergangenen Jahren. Zweimal stieg das Team in die Bezirksliga auf. Beim ersten Mal ging es sofort wieder zurück in die Kreisliga. Nach dem zweiten Aufstieg spielte der FC eine furiose Vorrunde. Rickhoff führte lange die Torjägerliste der Bezirksliga an, hatte zahlreiche Offerten anderer Vereine, blieb aber den Finsingern immer treu.

Warum? „Weil mir es wichtig ist, dass das Vereinsleben stimmt. Ich will Fußball spielen. Aber ich möchte mich nach dem Abpfiff oder nach dem Training auch mit den Jungs zusammensetzen und ein Bier trinken.“ Das Sportliche und das Gesellschaftliche – beim FC Finsing habe das gepasst. Und es ist auch keine Überraschung, dass er deshalb nun auch in Anzing gelandet ist. „Das ist ein Verein mit einer ähnlichen Struktur“, erklärt Rickhoff. Eine Mannschaft, mit 13, 14 Spielern aus dem eigenen Ort – das sei ihm lieber als ein zusammengewürfelter Haufen, in dem vielleicht ein paar bessere Kicker dabei sind.

Sein neuer Verein habe Entwicklungspotenzial, da ist sich der 30-Jährige, der heuer den B-Schein gemacht hat, sicher. Da es seine erste offizielle Trainerstation ist, sei er froh, dass der Wechsel nun schon zum Winter stattfinden kann. „Damit haben wir eine halbjährige Kennenlernphase. Wir müssen halt schauen, dass wir nicht noch in der Tabelle hinten reinrutschen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben.“

Und dann? Will der SVA mit dem Bezirksliga-Torjäger nach oben? „Als Fußballer will ich natürlich immer aufsteigen. Aber nein, Aufstieg um jeden Preis ist nicht das Anzinger Ziel“ entgegnet Rickhoff. Es gehe dem Verein viel mehr darum, die junge Mannschaft, die eben aus vielen Einheimischen besteht, in der Kreisliga zu etablieren. Mittelfristig soll der Abstiegskampf kein Thema mehr sein. „Wir wollen schon weiter nach oben schielen“, so Rickhoff. „Aber es gibt nicht den Druck, auf Eins oder zwei zu landen,“ Erfolg auf dem Platz, Spaß bei der dritten Halbzeit – viele Jahre sei das in Finsing so gewesen. So soll es auch in Anzing werden. „Ich habe künftig genauso weit zum Trainingsplatz wie bisher. Ich fahre jetzt halt nur in die andere Richtung“, sagt er lachend.

Wer Rickhoffs Nachfolger als spielender Co-Trainer in Finsing wird, ist noch nicht geklärt. „Wir werden zeitnah erste Gespräche führen“, heißt es dazu im Statement des FC.

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