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Freud und Leid - im Fußball liegt das nah zusammen.

DAS SPORTGEFLÜSTER

Frauenfußball ist nichts für Memmen

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Unglaublich, was sich die Spielerinnen alles anhören müssen, findet Dieter Priglmeir in seinem Sportgeflüster zum Wochenende.

Neulich auf der Couch vor dem Fernseher:Gerade forderte Michael Zorc, dass sein BVB gegen den FC Bayern endlich mal „Männerfußball“ zeigen müsse. Das brachte die Ehefrau (also nicht die vom Zorc) auf die Palme. „Frechheit, wie wir da wieder mal abgewertet werden.“ Aber das stimmt so nicht, versuchte ihr Mann zu erklären. In diesem Kontext sei es lediglich um Erwachsenenfußball gegangen. Zorc hat nur wieder mal nicht gegendert, weshalb Finanzminister Olaf Scholz vermutlich schon den Steuerbescheid von Susie (Das ist Zorcs Spitzname, kein Witz) einkassiert haben wird.

Nein, mit Frauenfußball wäre der BVB nicht so mutlos 0:4 untergegangen. Das sind keine Memmen. Wie sagte jüngst Nationaltorhüterin Almuth Schult: „Bei uns liegen nicht so viele auf dem Boden rum und versuchen, zu schauspielern.“

Sie wollen Beispiele? In Lengdorf lagen nach einem Pressschlag zwei Mädels am Boden, da schrie schon ein Fan: „Steht auf, ihr seid doch keine Jungs.“ Das haben die beiden auch gemacht. Die Taufkirchenerin Elisabeth Heilmaier, aktuell beim SV Neunfraunhofen am Ball, hat schon von einigen Schiedsrichtern gehört, dass sie lieber Frauenspiele pfeifen, „denn da wird nicht so viel rumgezickt und diskutiert“.

Es gibt aber auch die Referees, die – wie erst vergangene Woche geschehen – schon vor dem Spiel ihren Unmut äußern. „Jetzt muss ich wieder die Frauen pfeifen – ich habe überhaupt keine Lust.“ So hat er dann auch gepfiffen. „Da stehst du dann da und kannst nur noch die Augen verdrehen“, erzählt der betroffene Trainer.

Aber die Coaches und ihre Spielerinnen sind ja schon einiges gewohnt.Hier mal das „Worst of“, das Forsterns Ex-Trainer Luky Lukschanderl und seine Fußballerinnen schon zu hören bekommen haben: „Beim Frauenfußball gibt es keinen Körperkontakt, weil sie Angst haben, dass das Make-up verschmiert.“ Oder: „Frauenfußball ist wie ein Pferderennen, nur mit Esel.“ Oder die ganz besondere Variante: „Männer fallen und simulieren, um sich eine bessere Spielsituation zu ergaunern, aber so schlau sind die Frauen noch lange nicht.“ Oder die unfassbar dämliche: „Boah, kann die Alte nicht einfach die Spülmaschine ausräumen oder Fenster putzen oder so?“

Kurzum: Der Frauenfußball wird noch immer nicht von allen ernst genommen. „Wir werden oft gefragt, ob im Frauenfußball auch 90 Minuten gespielt werden, oder ob es bei uns auch Abseits gibt“, erzählt Heilmaier.

Oder da wären noch die vergifteten Komplimentewie: „Hey, ist ja wirklich toll, was ihr da macht, aber ist das nicht Zeitverschwendung? Das ist doch kein Fußball, ich bewundere Dich, dass Du hier so viel Energie reinsteckst.“ Das bekam Celli Marsic, Trainer des FC Moosinning, zu hören. „Dann bist Du auch erst einmal platt und denkst dir Deinen Teil.“

Ob’s Unterschiede zum Männerfußball gibt? Klar.Und damit meinen wir nicht die etwas unglückliche Formulierung einer Lengdorferin, die auf die schlechten Platzverhältnisse aufmerksam machen wollte: „Hi Mädels, wir haben in der Mitte ein Loch.“ Es geht eher um soziale Kompetenzen. „Nach einem harmlosen Foul kümmern sich die Frauen einfach rührend um die Gegnerin. Das kann teilweise so weit gehen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sich aufs Spiel zu konzentrieren, da sie das Wohlergehen der Gegnerin noch bewegt“, meint Marsic. Er selbst habe spätestens nach folgendem Anruf gewusst, dass er Frauen trainiert: „Hey Trainer, ich komm heute nicht ins Training, da ich schwanger bin.“ Tja, da können die Herren nicht mithalten.Das Ende einer Karriere muss das aber noch nicht bedeuten.An dieser Stelle wollen wir an die Hörgersdorferin erinnern, die ihr Baby mit zum Spiel brachte und dann sich mal für eine Stillpause auswechseln ließ.

Nein, unterschätzen sollte niemand die Frauen.Sonst ergeht es einem so wie den Jungs, die vor dem Spiel riefen: „Schaut mal, da ist ein Mädchen dabei, wir haben eh schon gewonnen, wenn die spielt.“ Das Mädchen hieß Julia Deißenböck (heute FC Forstern) und hat drei der vier Tore ihres siegreichen Teams geschossen.

DIETER PRIGLMEIR

Unglaublich, was sich
die Spielerinnen
alles anhören müssen

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