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Moosens Tormaschine hört auf: Andreas Galler hängt nach 227 Treffern die Fußballschuhe an den Nagel

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Von: Daniela Oldach

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Schwer zu halten: Andreas Galler (gelbes Trikot) ist stark
am Boden und in der Luft.
Schwer zu halten: Andreas Galler (gelbes Trikot) ist stark am Boden und in der Luft. © Christian Riedel

„Wenn du den Standard, den du dir selbst setzt, nicht mehr erfüllst, musst du aufhören.“ Für den Moosener Fußballer Andreas Galler ist jetzt dieser Zeitpunkt gekommen – nach 333 Begegnungen und 227 Toren.

Moosen – Das Spitzenspiel in der Kreisklasse am vorletzten Spieltag gegen die Reserve des FC Moosinning war seine letzte Partie. Galler hat seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Zumindest vorerst. „Es laufen schon Wetten, wann ich wieder anfange“, sagt der 35-Jährige grinsend.

Einmal Moosener, immer Moosener. Schon als kleiner Bub war Galler begeisterter Fußballer, aber immer nur im Moosener Dress. „Ein Wechsel wäre für mich nie in Frage gekommen. Ich wollte immer mit meinen Spezln spielen und zwar dort, wo ich zuhause bin“, sagt der zweifache Papa. „Ich habe in all den Jahren auch keine anderen Angebote bekommen. Wahrscheinlich haben alle schon gewusst, dass sie sich bei mir die Zähne ausbeißen“, meint der Stürmer lachend.

Andreas Galler: vom Keeper zum Stürmer

Offensivmann war er aber nicht immer, denn Galler ist eigentlich gelernter Keeper. „Ich war in der Jugend im Tor – also mal drin und mal draußen. Aber bis zur A-Jugend war ich eigentlich fester Torwart“, blickt er zurück. Und auch im Herrenbereich stand Galler zunächst in der Reservemannschaft zwischen den Pfosten an. „Ich habe damals Schicht gearbeitet, da war es halt schwierig mit dem Training“, erzählt der Kaminkehrer.

Doch dann wurde es personell eng beim SC Moosen 2. Von SCM-Urgestein und Torwart-Kollege Arno Schuster kam der Tipp, Galler doch mal als Stürmer einzusetzen. „Ich wurde gegen Walpertskirchen 2 eingewechselt und hab’ in 20 Minuten drei Tore gemacht“, erinnert er sich. Da war die neue Position dann klar.

An sein wichtigstes Tor erinnert sich Galler noch

Regelmäßig machte Galler daraufhin seine Treffer. Pro Saison waren es mindestens zehn Tore. Am meisten in Erinnerung blieb ihm das 1:0 gegen den SC Kirchasch am 24. Mai 2009. Der SCM musste in der Spitzenpartie beim KSC antreten, es ging um die Meisterschaft in der A-Klasse 7. „Das Tor war zwar nicht besonders schön, aber wichtig. Denn damit sind wir aufgestiegen“, freut er sich noch heute. Beschreiben kann er den Treffer natürlich auch noch. Einwurf von Andreas Aigner auf Johannes Schirmbeck, der quer auf Galler legte. In Goalgetter-Manier jagte er den Ball ins linke Eck. „Jeder hat geschrien: ,Schieß, schieß!’ Das weiß ich noch, als wäre es gestern gewesen.“

Sein letztes Tor gelang ihm am 1. Mai zum zwischenzeitlichen 6:0 in Isen (Endstand 7:0). Die Kapitänsbinde trug Galler natürlich auch gegen Moosinning 2 in seinem letzten Spiel. „Mit dem 5:0 hätten wir auch nicht gerechnet. Es war schon in der Kabine eine Spannung und Motivation da. Und danach gleich die Saisonabschlussfeier“, erzählt Galler. Sein letztes Spiel genoss er. „Und jetzt ist es gut, so wie es ist“, bekräftigt er, der eigentlich schon eine Saison früher die Fußballschuhe an den Nagel hängen wollte. „Aber so mit dem ganzen Hin und Her durch Corona wollte ich so nicht aufhören. Dann habe ich mir gedacht, ich spiele halt noch ein Jahr.“ Er habe aber gemerkt, dass er immer ein wenig mehr trainieren musste, um sein Niveau zu halten.

Ehefrau Julia freut sich

Nur Lob für den Vollblutfußballer gibt es von SCM-Spielercoach Maxi Bauer. „Andi ist einfach ein Hundertprozentiger. Man hat sich immer auf ihn verlassen können. So einen Spieler wünscht sich jeder Trainer“, lobt sein letzter Trainer.

Andreas Gallers Ehefrau Julia freut’s, dass die Wochenenden im Hause Galler jetzt auch mal etwas ruhiger werden. „Sie hat mich zwar als Fußballer kennengelernt, aber sie freut sich auch, wenn wir mal einen Sonntag miteinander haben“, sagt der Ehemann Galler.

So ganz ohne Fußball aber geht’s nicht. Mit dem zweieinhalbjährigen Söhnchen Fritz werden schon Bälle im Garten gekickt. Gallers größerer Sohn Lui (9) spielt beim SV Buch in der E-Jugend. Der stolze Papa ist natürlich als Zuschauer meistens dabei. Ein Engagement im Moosener Fußball-Nachwuchsbereich kann sich Galler später durchaus vorstellen. Auch die AH freut sich schon auf den Stürmer.

Amateurfußball liegt ihm am Herzen

Den Profifußball verfolgt Galler übrigens nicht so sehr. Er ist zwar Bayern-Fan, aber der Amateursport liegt ihm viel mehr am Herzen. „Fußball läuft bei mir zuhause eher selten. Wenn ich Fußball anschaue, besteht die Gefahr, dass ich schnell einschlafe“, gesteht er. Von den Profis hat ihn Mario Gomez am meisten beeindruckt. „Er hat mit nicht so viel Talent viele Tore geschossen. Er ist halt immer goldrichtig gestanden“, beurteilt Galler den Ex-Stuttgarter.

Viel mehr interessieren ihn selbst aber neben dem SCM die Ergebnisse vom TSV Wartenberg, der SpVgg Langenpreising und dem SV Zustorf. Denn in diesen Bezirken ist der gebürtige Moosener als Kaminkehrer tätig.

SCM-Torwart und bisheriger Vize-Coach Flo Leininger ist übrigens der Chef von Galler. Die beiden pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. So geht’s am Montag in der Früh beim Kaffee in der Werkstatt erst mal über Fußball. „Das wird sich bestimmt nicht ändern“, sagt Galler lachend. So ganz aussichtslos ist es aber nicht, dass die Kreisklassen-Keeper wieder vor dem Goalgetter zittern müssen. „Jetzt sollen erst die jungen Spieler zum Zug kommen und Verantwortung übernehmen. Wenn wirklich mal personell was ist, kann ich auch in der Ersten oder Zweiten spielen“, räumt Galler ein. „Wenn Not am Mann ist, werde ich den Andi sowieso anrufen“, stellt Bauer klar. Mal schauen, wann es soweit ist. Gewettet wird ja schon.

Kaminkehrergespräche: Andreas Galler (l.) und sein Chef
Florian Leininger, der zuletzt auch sein Trainer war.
Kaminkehrergespräche: Andreas Galler (l.) und sein Chef Florian Leininger, der zuletzt auch sein Trainer war. © WK

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