+
Fußball vor vollem Haus wie hier beim Spiel des FC Langengeisling gegen den FC Erding wird’s in nächster Zeit nicht geben. Ob die Runde vor leeren Rängen gespielt werden soll, darüber scheiden sich die Geister. 

Fußball

Geisterspiele im Landkreis Erding?

  • schließen

Viele Vereine halten nichts von Fußball ohne Zuschauer, aber es gibt auch andere Meinungen

Erding– Der Zweite fordert den Spitzenreiter raus. Für diesen Samstag war eigentlich das Spitzenspiel der Kreisliga terminiert. Der FC Langengeisling hätte den FC Lengdorf empfangen. Davor noch die Partie der Reserve. „Da gehen uns ein guter Tausender an Eintrittsgelder verloren“, sagt Sepp Kaiser, Langengeislings Vorsitzender. Vom Geld mal abgesehen – schwer vorstellbar, dass diese Partie mal ohne Zuschauer stattfinden wird, damit die Runde zu Ende gespielt wird. Aber dieses Szenario ist möglich. BFV-Präsident Rainer Koch hatte in einer Videoansprache am Donnerstag das Thema Geisterspiele im Amateurbereich angesprochen. Er wollte die Meinung der Vereine ausloten. Im Landkreis Erding gehen die Meinung dazu auseinander.

Bernhard Schöberl, 2. Abteilungsleiter des TSV Dorfenkann sich Geisterspiele nicht vorstellen, „weil es nichts bringt. Auch wenn keine Zuschauer da sind, ist das Ansteckungsrisiko bei Spielern und Verantwortlichen sehr hoch“. Und was wäre, wenn ein Spieler danach positiv getestet wird? „Lassen wir die beiden Mannschaften dann wieder zwei Wochen nicht am Spiel- und Trainingsbetrieb teilnehmen, im Anschluss wieder vorbereiten und das ganze Spiel von neuem starten?“, fragt Schöberl .

Maxi Bals: Besser als gar kein Fußball

Für Maxi Bals dagegen, Sportlicher Leiter beim Kreisligisten SC Kirchasch ist es „auf jeden Fall vorstellbar“. Zumindest sei es besser als gar kein Fußball. „Sollte das die Voraussetzung für einen Spielbetrieb sein, kann ich es mir durchaus vorstellen.“

Aus Finsing kommt dagegen ein klares Nein. Vorsitzender Dieter Heilmair:„Um Geisterspiele zu machen, muss ich erstmal die Voraussetzungen schaffen, ein ordentlichen Trainingsbetrieb zu gewährleisten.“ Er wies auch auf die logistische Herausforderung hin: „Wer übernimmt denn die Verantwortung, dass es auch Geisterspiele bleiben? Wir haben eine Sportanlage, die umlaufend offen und zugänglich ist. Wie wollen wir es der Bevölkerung vermitteln, dass man sich auf dem Spazierweg kein Fußballspiel anschauen darf, im Gegenzug aber die Aktiven im Sport dem Körperkontakt ausgesetzt sind?“

Da der FC Finsing drei Teams im Herrenbereich hat, würden sich bis zu 65 Sportler in den Kabinen tummeln. Der Gegner ist dabei noch nicht mitgezählt. Heilmair: „Wenn wir es nicht schaffen, bis Mai in den ordentlichen Spielbetrieb einzusteigen, macht es keinen Sinn, die Saison zu Ende zu spielen. Und ein ordentlicher Einstieg erfordert auch mindestens 14 Tage Vorbereitungszeit.“

Natürlich sei Fußball ohne Zuschauer nur eine halbe Sache, sagt auch Kletthams Abteilungsleiter Patrick Tischer.Die Gesundheit stehe absolut im Vordergrund. „Ich denke, das der Weg zurück in die Normalität nur stückchenweise erfolgen kann.“ Jeder Einzelne müsse verantwortungsbewusst handeln. Im oberen Amateurbereich müsse man über eine Reduzierung der Zuschauerkapazitäten nachdenken. „In unseren Klassen im Kreis Erding gibt es aufgrund der doch geringen Zuschauerzahlen bestimmt keine Probleme“, so Tischer weiter. Er persönlich hoffe sehr, „dass es bald wieder losgeht. Und wenn die Entscheidungsträger dann sagen ,Geisterspiele‘, dann machen wir das so. Es ist auf alle Fälle ein erster Schritt zurück zur Normalität“.

Heilmaier: Die Angst würde mitspielen

Sein Altenerdinger Kollege Andreas Heilmaier hingegen kann sich solche Spiele „nicht so richtig vorstellen,denn wie soll das bewältigt werden? Wer ist dann für so ein Spiel zugelassen? Wer gehört zum Staff der beiden Mannschaften? Wer ist verantwortlich dafür, dass keine Zuschauer rund um das Spielfeld stehen, und wie soll überwacht werden, dass nur Berechtigte da sind?“ Für Heilmaier sind das zu viele offenen Fragen. „Ich persönlich finde, dass man erst wieder spielen sollte, wenn alle Beschränkungen aufgehoben sind. Im Profibereich können Geisterspiele aus wirtschaftlichen Aspekten durchaus Sinn machen. Aber in unserem Bereich fehlt einfach die notwendige medizinische Betreuung, um den notwendigen Schutz bieten zu können.“

Es gehe schließlich nicht nur um die Aktiven, sondern auch um die Verantwortung gegenüber der älteren Generation, „die maßgeblich dafür gesorgt hat, dass es uns allen heute sehr gut geht. Darum sollte jede Ansteckungsgefahr vermieden werden“, so der Altenerdinger Fußballchef weiter. Ihm wäre es lieber, wenn erst wieder ohne Auflagen gespielt wird. „Ein Spielbetrieb, der von einer gewissen Angst geprägt ist, macht für alle Beteiligten keinen Spaß.“

Auch für Forsterns Fußballchef Marc Lindenblatt ist das Spielen um des Spielbetriebs willen zweitrangig.Im Amateurfußball gehe es vor allem um das gesellschaftliche Ereignis. „Das Ziel ist doch das Miteinander – vor, während und nach dem Spiel.“ Das alles wäre mit Geisterspielen nicht mehr gegeben. Lindenblatt: „Ich möchte mal unsere vielen treuen Zuschauer hören, wenn wir hier Fußball spielen, und sie dürfen da nicht mehr zuschauen. Das Spiel und die Leute drumherum – das gehört doch bei unserem Fußball zusammen.“

Schediwy: Saisonende wäre vernünftig

BSG-Abteilungsleiter Ferdinand Schediwy will es sich gar nicht erst vorstellen,„dass man bei den Amateuren Geisterspiele macht“. Der Taufkirchener hält es für die „vernünftigste Lösung, die komplette Saison einfach abzuschließen. Wenn wir bis August aus der Krise sein sollten und keine Ansteckungsgefahr mehr besteht, starten wir einfach eine neue Saison. Das Allerwichtigste ist doch die Gesundheit aller und nicht der Fußball“.

In Galgenhumor flüchtete sich Langengeislings -Vorsitzender Sepp Kaiser: „Geisterspiele? Die hat’s doch immer schon gegeben.Wie oft hat man früher vor null Zuschauern gespielt?“ Er selbst geht inzwischen davon aus, dass diese Saison nicht mehr zu Ende geführt wird.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mit Werbetafeln auf Zeitreise: Hosen von Endres, Möbel vom Angermair
Das Erdinger Stadion ist wie eine Zeitmaschine. Jetzt hofft Dieter Priglmeir in seinem Sportgeflüster fürs Wochenende auf weitere Bilder alter Werbetafel auf den …
Mit Werbetafeln auf Zeitreise: Hosen von Endres, Möbel vom Angermair
Petrovic im Entweder-Oder Teil 2: Notbremse, oder laufen lassen?
Notbremse, oder laufen lassen? FIFA, oder Pro Evolution Soccer? Diesen und weiteren Fragen stellt sich Aleksandro Petrovic im zweiten Teil des Entweder-Oder-Interviews.
Petrovic im Entweder-Oder Teil 2: Notbremse, oder laufen lassen?
 BSG Taufkirchen tauscht schon jetzt die Trainer
Der Kreisligist nutzt die Pause für den Neuanfang - und alle finden das gut.
 BSG Taufkirchen tauscht schon jetzt die Trainer
Top-Elf von Franco Soave: „Zwetschge“, „The Hammer“ und ein Vorbild als Coach
Franco Soave ist derzeit Spielertrainer beim FC Lengdorf. In seiner Laufbahn spielte er mit vielen starken Kickern zusammen. Der 38-Jährige präsentiert die Top-Elf …
Top-Elf von Franco Soave: „Zwetschge“, „The Hammer“ und ein Vorbild als Coach

Kommentare