DAS SPORTGEFLÜSTER

Herr Trompke und andere Friedenspfeifen

  • Dieter Priglmeir
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Über nette, lächelnde und gestikulierende Schiedsrichter berichtet Dieter Priglmeir in seinem Sportgeflüster zum Wochenende.

Vest Kressierer ist vor wenigen Wochen verstorben. Was viele nicht wissen: Der Landwirt aus Langengeisling war einst Fußballschiedsrichter mit dem Spitznamen „Friedensengel“. Anstatt mit eiserner Hand ein Spiel zu leiten, beließ er es bei einem fast schon flehentlichen Stoßseufzer: „Jetzt gebt’s halt a Ruah.“ Wie ältere Fußballer erzählen, soll das ähnlich gut funktioniert haben wie bei Georg Maier (Jaga-Schorsch) oder Innings Hubert Weigert, der Blutgrätschen mit einem väterlichen „Jetzt bassds halt amoi auf“ kommentierte.

Das Paradebeispiel für den wohl friedfertigsten Schiedsrichter aller Zeitenwar der im Alter von 68 Jahren viel zu früh verstorbene Gerhard Brülbeck, der sich in seinen über 1500 Spielleitungen den Spitznamen „Der Lächler“ erworben hat. „Wenn er mal nicht mehr lächelte, wussten alle, dass sie sich im Grenzbereich bewegten“, meinte einmal sein Schiri-Kollege Martin Kübelsbeck.

Leicht war übrigens die Recherche nicht. Die Lauten merkt man sich eben leichter als die Stillen. Hans Bruckmeier nennt Edib Mehmedovic. „Durch seine souveräne und ruhige Art hat er nie Karten benötigt, um sich durchzusetzen“, sagt Ottenhofens Fußballtrainer, dem dann auch noch Simon Ascher einfällt. Vielleicht ist dieser als ehemaliger Eishockeyspieler eine andere Härte gewohnt. „Jedenfalls pfeift er völlig unbeeindruckt und quittiert die Schimpfkanonaden der Zuschauern (Klassikersatz nach Fouls: „Hey, der muaß am Montag wieder in d’ Arbeit“) mit einem müden Lächeln.“ Nur als Bruckmeier mal etwas grantig dreinblickte, ließ er sich zu einem Kommentar hinreißen: „Du brauchst gar nicht so zu schauen. Ihr habt bis jetzt doch eh immer gewonnen, wenn ich gepfiffen habe.“ Bruckmeier: „Und das stimmt. Ich habe ihn gern als Schiedsrichter.“

Nicht gerade zur „Kategorie Friedenspfeife“ gehört Jakob Huber. Wenn der rigorose Referee eingeteilt war, so erzählt Trainer Sebastian Held, „habe ich als Trainer immer die Strafen im Strafenkatalog verdoppelt. Somit hat sich kein Akteur mehr getraut, bei Entscheidungen zu reklamieren.“ Nur Maxi Maier habe immer wieder versucht, mit Huber zu verhandeln. Held: „Ich habe ihn nach 20 Minuten zu seiner Freude ausgewechselt.“

Und dann wartet Held mit einer Überraschung auf:„Für mich als Trainer ist Herr Trompke der Friedfertigste.“ Herr Trompke! Da hört man förmlich den Respekt heraus. Held verrät, wie man mit dem Schiedsrichter, der nicht bei allen Fußballern so wohlgelitten ist, umgeht: „Vor dem Spiel gibt’s ein Snickers samt Spezi und Apfelschorle – und die Spieler sind ruhig auf dem Platz.“ Wenn seine Mannen dann konzentriert und fair waren, gab es auch keine Karten. „Sollte das nicht der Fall sein, hat das Herr Trompke immer geregelt.“

Ähnlich sieht das auch Trainerkollege Bruckmeier. Trompke, der zwar gern in der dritten Person mit einem spreche („Komme er zu mir!“) schütze die Spieler. „Da wird keiner ein zweites Mal umgesäbelt“, sagt Bruckmeier, der sich den Hochgelobten aber durchaus als Referenten für ein Gestik-Seminar vorstellen kann. Aber nochmal: Christian Trompke hat gute Chancen für den Friedensnobelpreis.

Irgendwie schon überraschend. Andererseits: Selbst Lächler Brülbeck war nicht immer nur nett. Wir zitieren nochmal Held: „Ich habe von ihm eine Gelbe Karte wegen eines falschen Einwurfs bekommen. Seine Begründung: ,Dein Vater hat mich am Freitag beim AH-Spiel so geärgert und kritisiert. Damit hast du dir Karte verdient‘.“ Brülbeck richtete noch schöne Grüße an den Herrn Papa aus. Dann lächelte er.

 

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