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Immer Vollgas: Daniel Stangl führt mit 16 Toren die Torschützenliste der A-Klasse 8 an. Nächste Woche muss er allerdings pausieren.  )

Fußball

Erst drei Tore, dann Rot 

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Erst erzielte Isens Spielertrainer Daniel Stangl gegen Moosen  drei Tore, dann sah er Rot. „Berechtigt“, wie er selbst zugibt.

Isen– „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ – der Streifen ist längst ein Klassiker. In Moosen lief am Sonntagnachmittag ein anderer Film ab. „Drei Tore und ein Platzverweis“ – in der Hauptrolle: Daniel Stangl, Spielertrainer des TSV Isen.

„Keine Frage, die Rote Karte war berechtigt. Das darf mir nicht passieren“, sagt der 29-Jährige. „Es war ein Reflex. Ich habe aus der Drehung nachgeschlagen. Das war dumm.“ Stangl will sich gar nicht erst rausreden. Letztlich war es aber wohl die klassische Rote Karte, die ein überragender Stürmer manchmal kassiert.

Denn 77 Minuten lang war die Partie der A-Klasse-Gruppe 8 zwischen dem SC Moosen 2 und dem TSV Isen das Spiel des Daniel Stangl. 5. Minute: Jonas Adams kommt nach einem Steckpass vor SCM-Keeper Christian Gastinger an den Ball und chipt ihn zu Stangl, der mit links zum 1:0 abschließt. 16. Minute: Jonas Vitzthum bedient den Spielertrainer – 2:0. 29. Minute: Nach dem Freistoßtreffer von Tobias Stangl (24.) köpft sein Bruder Daniel eine Flanke von Andreas Oberprieler zum 4:0 ein.

Die Partie ist längst entschieden, doch ein Spaziergang ist es beileibe nicht. „In Moosen kriegst du immer ein paar auf die Füße“, sagt der dreifache Torschütze. Auch diesmal habe er schon mehrfach auf die Socken bekommen. Dann die 77. Minute: Den ersten Regelverstoß beging sein Gegenspieler. „Ich wurde festgehalten.“ Natürlich sei er genervt gewesen. „Auch weil zweite Halbzeit nicht so gut gelaufen ist.“ Nur so könne er sich seine Frustreaktion erklären. Klar, der Gegenspieler habe sich auch etwas theatralisch fallen lassen. „Aber gegen die Entscheidung des Schiedsrichters kann ich nichts sagen.“

Stangl hofft, dass er nur für das nächste Spiel gegen Aspis Taufkirchen gesperrt wird und die Partie gegen den TSV Grüntegernbach wieder bestreiten kann. „Ich bin kein Wiederholungstäter. Das war meine erste Rote Karte. Außerdem hat mir auch der Schiedsrichter bestätigt, dass es erst ein Foul an mir gewesen ist, bevor ich so dumm reagiert habe.“

Vor seiner Mannschaft habe er sich entschuldigt. „Natürlich werde ich etwas in die Mannschaftskasse einzahlen. Und wenn wir gegen Aspis gewinnen, werde ich auch noch ein paar Bier spendieren“, kündigt der Isener an. Für ihn ist klar: So ein Vorfall bringt das Team nicht auseinander.

So gut wie zurzeit lief es schließlich seit Jahren nicht mehr. Und das liegt nicht zuletzt an jenem Ur-Isener, der lange in Wasserburg. Moosinning und Taufkirchen gespielt hat, längst in München wohnt und eigentlich kürzertreten wollte. Doch dann legte der TSV in der vergangenen Saison einen kapitalen Fehlstart hin. „Auf der Hochzeit meines Bruders wurde ich bearbeitet“, erinnert sich Stangl lächelnd an den Herbst vergangenen Jahres. „Und da man seinen Heimatverein in so einer Situation nicht im Stich lässt, habe ich es eben gemacht.“ Die Fußballer-B-Lizenz hatte er ebenso schon abgeschlossen wie sein Studium (Fitness- und Personalcoaching). Seitdem gibt er beim TSV richtig Gas.

Und nicht nur er, sondern die ganze Mannschaft. „Bei uns läuft’s richtig super. Das merkt man schon an der Trainingsbeteiligung von durchschnittlich 20 Spielern“, schwärmt Stangl. Er lobt seinen Co-Trainer Andreas Januschkowetz, der mit seinem gut 20-minütigen Aufwärmprogramm dafür sorge, dass es weit weniger Verletzungen gibt als früher. Und der dann die Spieler heiß und hungrig an den Chefcoach übergibt.

Hungrig auf Erfolg sind hier alle in Isen: Die Rückkehrer, die jahrelang anderweitig höherklassig gespielt haben, aber auch Youngster wie Jonas Adams, Willi Kern sowie die beiden Cousins Lorenz und Julius Schweiger. Aber auch die Neuzugänge wie Andreas Oberprieler (TSV Grünegernbach) und Patrick Simeth (TSV Poing) „tun uns sehr gut und haben sich überragend eingefügt. Ich könnte hier noch viele andere Namen nennen“, sagt Stangl und fügt hinzu: „Wir haben einen brutalen Teamgeist. Und wir haben das Isener Publikum geweckt.“

Dieses gilt allgemein als anspruchsvoll – aber auch begeisterungsfähig. Inzwischen hat der TSV laut Stangl bei seinen Heimspielen nicht selten 150 Zuschauer. „Und auswärts sind auch immer gut 50 Leute dabei. Oft haben wir auch dann ein Heimspiel“, lacht der Coach und erinnert an die Busfahrt nach St. Wolfgang. „Das sind zwar nur fünf Kilometer, aber das sind halt Aktionen, die verbinden.“

Vor allem seien das Aktionen, die Manfred Grosse initiiert. Der Abteilungsleiter habe großen Anteil am neuen Fußballboom in Isen. Ob der im Mai nächsten Jahres mit dem Aufstieg in die Kreisklasse einen neuen Höhepunkt erfährt, weiß Stangl nicht. „Es wird wohl bis zum Ende ein Vierkampf mit Hohenpolding, Hörgersdorf und St. Wolfgang bleiben“, vermutet er. Was er allerdings weiß: „So eine Rote wird’s nicht mehr geben.“ Einen Dreier-Pack schon eher. War heuer eh schon sein zweiter.

Das erste Foul kam
vom Gegenspieler

Auf Hochzeit des Bruders überredet

Mit dem Bus
nach St. Wolfgang

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