Gegen die Löwen hielt Ampfing oft gut mit. 1987 gab es ein 2:2. Hier liefert sich Albert Ostermaier (l.) ein Laufduell mit Joachim Goldstein.
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Gegen die Löwen hielt Ampfing oft gut mit. 1987 gab es ein 2:2. Hier liefert sich Albert Ostermaier (l.) ein Laufduell mit Joachim Goldstein.

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Albert Ostermaier: Keine Angst vor 1860, FCA und Haching

Albert Ostermaier spielte in der 3. Liga und wurde zum Meistertrainer der BSG Taufkirchen. Auch beim FC Moosinning und der DJK Ottenhofen hat er Spuren hinterlassen.

Ottenhofen – Er war immer Führungsspieler und ein spielstarker Defensivstratege: Albert Ostermaier. Vom Wiesen-Kicker wurde er zum erfolgreichen Bayernliga-Fußballer und Trainer. Mit acht Jahren startet der Knirps seine Fußballkarriere. Wie heute üblich, besucht er damals schon ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ): die Herrnöder Wiesn, eine Dorfwiese zwischen seinem Heimatdorf Frauenvils und Kienraching in der Nähe von Taufkirchen. Drei bis vier Stunden wird dort jeden Tag gekickt. „Da traf sich alles im Alter zwischen acht und 16 Jahren. Da wurdest du frühzeitig für die spätere Karriere gestählt“, erinnert sich Ostermaier. Ist das NLZ wegen anstehender Heuernte gesperrt, vertreibt er sich die Zeit mit Lager bauen, Schwarzfischen und Bandenkriegen mit den Buben aus den Nachbardörfern“

Die Schülermannschaft der BSG Himolla von 1971 (stehend, v. l) Trainer Gustl Möschl, Roland Martinus, Georg Hahn, Klaus Hammerstingl, Josef Moser, Karl-Heinz Grün, Rudi Dirschl, Georg Martinus; (knieend, v. l.)n.r. Herbert Jakob, Karl-Heinz Elschker, Helmut Mank, Albert Ostermaier, Michael Hamburger.

1969 tritt er mit elf Jahren der BSG Himolla Taufkirchen bei. Damals gibt es nur zwei Altersklassen, also spielt er bis 14 in der Schülermannschaft und bis 18 in der Jugend. An die Bedingungen erinnert sich Ostermaier ungern. Trainiert wird auf dem Hartplatz neben dem Himolla-Werksgelände: „Da war untergrundtechnisch ganzjährig alles geboten, von Staubwüste über Betonboden bis zur Eispiste im Winter.“

Die Punktspiele werden auf dem TSV-Platz, dem heutigen Aspis-Platz ausgetragen. „Standesgemäß haben wir als echte Werksmannschaft, als die wir gern tituliert wurden, schon in der Schülermannschaft sämtliche Auswärtsfahrten, auch weite Reisen von Taufkirchen nach Hohenpolding oder Inning, mit dem Bus bestritten. Wenn wir dann mit zwölf Hansln im großen Himolla-Werksbus angekommen sind, hielt sich die Begeisterung der Gastgeber in Grenzen. Gewonnen haben wir trotzdem meistens“, sagt er lachend. Mit 18 Jahren geht es in den Seniorenbereich. Die BSG spielt in der Bezirksliga Ost.

Drei Monate gesperrt in Liga drei

Den Durchbruch in der Ersten schafft er schnell. „Gleich in meinem ersten Seniorenjahr wurde der damalige Spielertrainer Rudi Zeiser, Mitglied der 1860-Meistermannschaft von 1966, entlassen. Ich habe die Libero-Position übernommen und für die nächsten acht Jahre bekleidet. Wir haben damals die meisten Jahre gegen den Abstieg gekämpft.“ 1982 und 1983 läuft es besser, die BSG landet im vorderen Drittel.

Die Trainingspläne waren echte Beziehungskiller (...). Ein Tag in der Woche war frei, da konnte man dann einen Termin beim Scheidungsanwalt wahrnehmen.

Albert Ostermaier über das Pensum in der Bayernliga

1984 erhalten Ostermaier und Rainer Fleck ein Angebot vom Bayernligisten TSV Ampfing (3. Liga). Die Vereine streiten um die Ablösesummen, es kommt zu keiner Einigung. „Wir sind trotzdem gewechselt, waren aber drei Monate gesperrt.“ Die beiden spielen in der Dritten, was ihnen hoch angerechnet wird. Danach schaffen sie den Sprung in die Erste. Während Fleck in der Zentrale die Fäden zieht, spielt Ostermaier im defensiven Mittelfeld. „Die Bayernliga-Zeit war überragend, aber auch äußerst anstrengend, die meisten Spieler haben ja Vollzeit gearbeitet“, erinnert er sich. Speziell die Trainingspläne in der Vorbereitung waren „echte Beziehungskiller, wir hatten fast jeden Tag Spiel oder Training, am Wochenende wurde teilweise zweimal täglich trainiert. Ein Tag in der Woche war in der Regel frei, da konnte man dann einen Termin beim Scheidungsanwalt oder ähnliches wahrnehmen“, sagt er grinsend.

Sportlich ist es eine erfolgreiche Zeit. Im Team befinden sich Ex-Profis und künftige Profi wie Norbert Janzon, Franz Schick, Roland „Magic“ Kneißl oder Peter Közle. „Wir sind in unseren vier Jahren Bayernliga immer in der vorderen Tabellenhälfte gelandet. Im ersten Jahr sind wir nur knapp an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga gescheitert. Die Begeisterung in Ampfing war damals riesig, wir hatten bei den Heimspielen einen Schnitt von über 2000 Zuschauern“, schwärmt der Taufkirchener.

Gegen TSV 1860, FC Augsburg und Greuther Fürth

In der Liga sind damals Clubs wie der TSV 1860, FC Augsburg, SpVgg Fürth, Jahn Regensburg und die SpVgg Unterhaching. „Absoluter Höhepunkt waren natürlich die Spiele gegen 1860“, erzählt der 62-Jährige. „1986 mussten wir zur Oktoberfestzeit im Grünwalder Stadion gegen die Löwen antreten.“ Ampfings Coach Andi Singer wird im Vorbericht der BILD-Zeitung zitiert: „Gegen die Löwen-Profis haben wir mit unserer Würstlbuden-Truppe keine Chance. Wenn wir einen Punkt holen, dann besteig ich nach dem Spiel auf dem Oktoberfest den Löwen vor dem Haupteingang des Löwenbräuzelts.“ Ampfing holt vor 15 000 Zuschauern ein 3:3. „Die Besteigung des Löwen ist höhenbedingt gescheitert. Es wurde trotzdem ein launiger Abend“, sagt Ostermaier.

Auch andere Spiele bleiben unvergessen, zum Beispiel beim Aufsteiger FC Kronach. Ostermaier erzählt von der „puren Begeisterung an der Grenze zu Thüringen. Da waren Tausende von Zuschauern, ein echter Hexenkessel. Warst du in der Nähe der Auslinie, wurdest du mit dem Regenschirm oder Hagglstegga bedroht“. In Englischen Wochen müssen sie mittwochs oft nach Ober- oder Unterfranken fahren. „Jedes Mal ein Tag Urlaub, vier Stunden Anreise, abends Spiel und nach Niederlagen äußerst zähe Busheimfahrten, Ankunft im Ehebett in Siggenhofen (Gemeinde Ottenhofen, wo er jetzt wohnt; Anm. d. Red.) um 2 Uhr in der Früh. Am nächsten Tag wieder Arbeit und Training, nach schlechten Spielen häufig aber keine Regeneration, sondern Straftraining, wo wieder ordentlich Wasser und Blut geschwitzt wurde“, erinnert sich Ostermaier.

Auch gesellschaftlich ist in Ampfing was los. „Andere Vereine sind beim Vereinsausflug einen Tag Schifferl am Tegernsee gefahren, wir sind einmal in der Sommerpause für knapp drei Wochen nach Rio an die Copacabana geflogen.“

Albert Ostermaier: Der wahrscheinlich einzige Amateurkicker, der nie ein Profiangebot bekam

Gedanken an eine Profikarriere verschwendet der Mittelfeldspieler nicht. „Alle höherklassigen Spieler erzählen, dass sie von dem und dem Verein ein Angebot hatten. Ich bin ehrlich, ich habe nie ein Profiangebot erhalten“, gibt er zu. „Ich war frühzeitig in meinem Beruf als Banker fest verankert und bin auch viel zu spät in den höherklassigen Fußball gewechselt. Für einen gscheid’n Bundesligaprofi hat mir der Herrgott zudem auch die letzten paar Prozent im Bereich Technik und Schnelligkeit nicht mitgegeben.“ Über 100 Spiele macht Ostermaier in der 3. Liga, ist Stammspieler und jahrelang Kapitän der Ampfinger Bayernliga-Mannschaft. „Ich hab meine Möglichkeiten damit vollkommen ausgeschöpft.“

Landesliga, wir kommen! Die Aufstiegsmannschaft der BSG Himolla Taufkirchen von 1989 (stehend, v. l.): Dieter Rotter, Präsident Gerd Bruder, Spielertrainer Albert Ostermaier, Herbert Scholz, Walter Bart, Georg Lenz, Peter Schmidhuysen, Konrad Lechner, Franz Scheidhammer, Rainer Bitzer, Masseur Konrad Thiem, sportl. Leiter Robert Stöckl; (knieend, v. l.) Wolfgang Oberndorfer, Rainer Fleck, Anton Lechner, Manfred Schrot, Erich Thalhammer, Robert May, Manfred Heilmeier, Harald Ehrl, Gerald Kaiser.

„Aber richtig schade war, dass es mein Freund Rainer Fleck nicht probiert hat. Der war auch in der Bayernliga ein herausragender Mann. Zu unserer Zeit haben Konsorten wie der Karl-Heinz Riedle, Manni Bender, Harald Spörl oder Dietmar Beiersdorfer in der Bayernliga gespielt und haben später in der Bundesliga Karriere gemacht. Die waren damals keinen Deut besser als der Rainer.“

1988 wechseln Fleck und Ostermaier zurück zur BSG. Ostermaier wird Spielertrainer, die BSG hat sich gerade für die neu geschaffene Bezirksoberliga qualifiziert. Auf Anhieb steigt seine Mannschaft überraschend in die Landesliga auf. In den drei folgenden Spielzeiten erreicht sie einen gesicherten Mittelfeldplatz. „Die Spielertrainer-Jahre in Taufkirchen waren die schönste Zeit in meiner Laufbahn, wir hatten eine tolle Mannschaft. Es sind viele Freundschaften entstanden, die noch heute intensiv gepflegt werden.“

DJK Ottenhofen: Von der B- in die Kreisklasse

Nach vier Jahren gibt Ostermaier das Traineramt ab, springt aber 1993 und 1994 interimsmäßig für ein paar Wochen ein, da die BSG im Abstiegskampf steckt und man sich vorzeitig von den Trainern trennt. Beide Male gelingt der Klassenerhalt. Seine Kinder Laura und Tom kommen zur Welt. Ostermaier will mehr Zeit haben und kickt nur noch in der AH in Ottenhofen. In der Münchner Seniorenrunde steht die DJK zweimal im Endspiel um die Münchner Stadtmeisterschaft, verliert aber beide Male gegen den FC Bayern. „Ich hab jedes Spiel meiner Karriere genossen, sogar das unwichtigste Senioren-C-Spiel auf dem hintersten Platz einer abgewirtschafteten Münchner Bezirkssportanlage“, betont der 62-Jährige.

Von 1998 bis 2002 coacht er die F- und E-Jugend in Ottenhofen: „Für jeden Vater Ehrensache, wenn er ein bisschen Ahnung vom Fußball und einen fußballbegeisterten Sohn hat.“ Von 2002 bis 2007 trainiert Ostermaier den FC Moosinning in der Bezirksliga Nord und steigt im ersten Jahr beinahe auf. Im entscheidenden Spiel setzt es eine 0:6-Klatsche gegen den ASV Dachau. „Es war die mit Abstand schlimmste Niederlage in meiner Karriere“, erinnert er sich, „da hab ich in der Vorbereitung und Einstellung der Mannschaft wahrscheinlich etwas verkehrt gemacht.“ Im letzten Trainerjahr in Moosinning stecken seine Jungs im Tabellenkeller, und aus dem Umfeld ist deutlicher Gegenwind zu spüren. Aber Präsident Karl Thumbs hält an Ostermaier fest, der FCM wird am Ende Sechster. Die Nichtabstiegsfeier und seine Verabschiedung im Sportcafe Riff bleiben für ihn unvergesslich.

Seine letzte Trainerstation ist 2012 die DJK Ottenhofen: „Eine reine Herzensangelegenheit.“ Die Erste dümpelt im Mittelfeld der B-Klasse, die Zweite ist „ein reines Team Telekom, das für die Punktspiele erst von Donnerstagabend bis Sonntagmittag zusammentelefoniert werden musste“, meint der 62-Jährige schmunzelnd. Viele Ottenhofener, vor allem von seiner früheren F-Jugend, die inzwischen bei umliegenden Vereinen kicken, holt er wieder heim. Prompt wird die DJK zweimal in Folge Meister und steigt bis in die Kreisklasse auf. Von einem Verein zum nächsten zu wandern, sei nicht sein Ding: „Ich bin der beständige Typ, 47 Jahre gleicher Arbeitgeber, 42 Jahre gleiche Frau, 18 Jahre gleiches Auto.“ Gesellschaftlich sei es früher zünftiger gewesen. „Heute kommunizieren die Spieler gerne digital, wir sind nach Spielen die halbe Nacht zusammengehockt und konnten stundenlang über das Spiel reden. Anwesende Spielerfrauen hatten damals ein hartes Los. Sie haben nie verstanden, dass man sich über ein Spiel, das 90 Minuten dauert, im Vereinsheim drei, vier Stunden unterhalten konnte.“

Bald in Rente: „Da wird sich nicht viel ändern. Nur der Chef wird ein anderer“

Sportlichen Herausforderungen stellt sich der 62-Jährige noch immer. Etwa im Sommer, wenn er mit dem 15 Jahre alten Tourenrad von Ottenhofen nach Taufkirchen in die Arbeit fährt und sich überlegt, ob er den Berg von Haselbach nach Maierklopfen rauffahren oder doch lieber schieben soll. „Bisher bin ich noch jedes mal hochgefahren“, betont er.

Vom Rasen in den Garten: „Ich hab mich zum Buchsbaumzünslerbekämpfungsexperten entwickelt“, sagt Albert Ostermaier und hofft, dass er heuer von Ehefrau Karin die Rosenpflege übertragen bekommt.

Mit Frau Karin unternimmt er gerne Städtereisen und macht häufig mehrtägige Radtouren. Auch seine Liebe zum Garten hat er entdeckt. Ende des Jahres geht Albert Ostermaier in Rente. „Da wird sich nicht viel ändern. Ich bleib in der zweiten Führungsebene, nur der Chef wird ein anderer“, sagt er lachend und ergänzt: „Sollte ich fit bleiben und die Pandemie tatsächlich irgendwann mal zu Ende sein, übernehme ich vielleicht doch nochmal eine Mannschaft.“

Birgit Lang

Weitere Porträts aus unserer Serie Erdings Top 100 finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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