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Keine stade Zeit: Die Geschichte zweier Erdinger Rangeleien

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Von: Dieter Priglmeir

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Dieter Priglmeir
Dieter Priglmeir © Privat

Nein, das dürfe keinesfalls in der Zeitung stehen, das werfe ein schlechtes Licht auf das Eishockey, meinte der Augenzeuge. „Was jetzt?“, fragten wir nach. „Dass wir drüber berichten? Oder dass die Polizei zu einem Jugendspiel gerufen wurde?“ Letzteres ist zum Glück wirklich eine Seltenheit und deshalb sehr wohl erwähnenswert. Aber was war eigentlich los?

Laut David Whitney, Pressesprecher der Erding Gladiators, sei Folgendes nach einem äußerst spannenden U 20-Spiel zwischen dem TSV Erding und dem EV Lindau (3:2 nach Penaltyschießen) passiert: „Beim sportlichen Gruß nach der Partie haben sich die Spieler gegenseitig provoziert.“ Ein Betreuer der Gäste sei dann auf die Erdinger Junioren zugegangen. „Da hat sich dann unser Trainer dazwischen gestellt.“ Eine Prügelei sei das aber nicht gewesen, „eher ein Gerangel, eine Schubserei“, so Whitney, der selbst nicht vor Ort war, sich aber das Geschehen hat schildern lassen. „Die Emotionen sind heiß gekocht, es war knapp, alle sind eben mit Herzblut dabei“, bat er um Nachsicht.

Schon verständlich, allerdings brodelte es außerhalb der Eishalle noch weiter. Der Lindauer Betreuer war mit der Gesamtsituation offenbar so unzufrieden, dass die besorgte Mutter eines Erdinger Spielers die Polizei rief. Die musste dann zwei Strafanzeigen aufnehmen, denn Betreuer und Trainer haben sich nun gegenseitig angezeigt. Jetzt geht’s zivilrechtlich weiter.

Auch der FC Erding und Türkgücü Erding waren nicht erfreut über unseren Anruf. Beim A-Klassen-Fußballspiel hat es nicht nur zwischen den Spielern gekracht, auch Zuschauer stürmten aufs Feld und hätten einen FCE-Spieler geschlagen und getreten. Das berichten mehrere Zuschauer. Jagdszenen im Stadion? „Es war ein Derby“, meint dagegen Gökmen Uluhan. Ein 4:4, „eigentlich ein geiles Spiel“, am Schluss sei es „ein bisschen hitziger geworden“. Mehr nicht. Uluhan ringt um die richtigen Worte, das kennt man von diesem rührigen und beliebten Sportsmann überhaupt nicht. Was man raushört: Es tut ihm selbst weh, „denn der FC Erding ist unser Kooperationsverein, mit dem wir sehr gut zusammenarbeiten. Er ist für uns sehr wichtig“.

Der FC Erding wollte sich erst in einer Woche dazu äußern – nach dem Treffen, das die beiden Vereine vereinbart haben. Denn es ist eben doch etwas vorgefallen, und das schildert ein Sprecher des FCE so: Kurz vor Schluss sei ein Türkgücü-Spieler bei einem Konter von einem Erdinger umgegrätscht worden. Es kam zu einem Gerangel zweier Spieler. Die beiden standen Brust an Brust, die üblichen Hahnenkämpfe eben. Der Erdinger habe geschubst, und der TG-Spieler sei umgefallen, als sei er niedergeschmettert worden. „Peinlich“, nannte der Sprecher die Einlage, „wie in der Champions League“. Aber dann seien Spieler und Fans auf den Erdinger zugerannt und hätten auf ihn eingeschlagen und – als er am Boden lag – getreten. „Kratzer, blaue Flecken, Stollenabdrücke und ein eingerissenes Trikot“ seien ein Beleg dafür.

Uluhan verweist auf den offiziellen Bericht des Schiedsrichters, wonach ein einziger „älterer Herr“ nach dem Erdinger getreten habe – „und keinesfalls einer unserer Spieler“. Dass dies eingangs erwähnte Zuschauer anders gesehen hätten, könne er nicht bestätigen. Und Uluhan hebt den Hinweis des Referees hervor, dass „speziell auf Seiten des TSV Erding im Verlauf der zweiten Halbzeit immer mehr gemeckert (wurde), was Unruhe (...) brachte“. Uluhan sagt auch, dass sich nach dem Spiel ein Erdinger für seine Provokationen entschuldigt habe. Passiert sei alles direkt vor der Erdinger Ersatzbank, weshalb „auch die Bank vom FC gleich reingelaufen ist, genau wie unsere Bank und Spieler auch“. FCE-Spieler und Ordner – und jetzt sind wir wieder bei der Darstellung des FCE – seien über den Platz gerannt, um den Kollegen zu schützen.

So schnell, wie der Sturm hereinbrach, sei das alles auch schon wieder beendet gewesen – ohne Polizei. Der Schiri pfiff nochmal an. Ein langer Ball – und Abpfiff. Nicht nur wegen des Endstands ging hier niemand als Sieger vom Platz. Jetzt dürfte es noch einiges zu besprechen geben. Man wird sich wieder vertragen, auch darüber schreiben wir dann gern.

DIETER PRIGLMEIR

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