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Klare Vorstellungen hatte der junge Andreas Voglsammer bereits mit zwölf. Lasagne dürfte es inzwischen aber selten geben.

Serie: Die 100 größten Sportler aller Zeiten im Kreis Erding:  Andreas Voglsammer

Kevin Kühnert: „Jemanden wie Vogi will jeder im Team haben“

  • Dieter Priglmeir
    vonDieter Priglmeir
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Der Juso-Chef findet Andreas Voglsammer richtig gut, 11-FREUNDE-Chefredakteur Philipp Köster ebenso. Und das erzählen Jugendtrainer Günter Sattler und die Mutter des Bundesliga-Profis:

 

„Andreas Voglsammer ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Stürmer. Schießt aus allen Lagen, wo andere lieber noch einen Haken zuviel schlagen. Hat einen stieren Blick, der jedem schottischen Hochlandkrieger in ,Braveheart’ zur Ehre gereicht hätte. Und kommt als lebenslustiger Bayer mit den wortkargen Ostwestfalen zurecht – das ist vielleicht die größte Leistung!“

Philipp Köster, Chefredakteur und Geschäftsführer des Fußballmagazins 11 FREUNDE.


Bielefeld/Dorfen – Als Zwölfjähriger schoss Andreas Voglsammer einmal einen Elfmeter so hart, dass der Keeper mit dem Ball ins Tor flog. Als er kurz darauf erneut zum Strafstoß antrat, verweigerte sich der Torwart. „Wenn der noch mal schießt, gehe ich nicht in den Kasten.“ Günter Sattler erzählt diese Geschichte. Er war Voglsammers Jugendtrainer beim TSV Dorfen, und er hatte ihn Jahr 2002 vom TSV Haag an die Isen geholt. „Wir waren damals in der Münchner Kreisliga. Dass wir da gegen den FC Bayern, 1860 und Haching spielten, hat den Andi gereizt“, erzählt der langjährige Jugendleiter des TSV über den Fußballer, den wir hiermit auch in unserer Serie „Die 100 größten Erdinger Sportler aller Zeiten“ aufnehmen. Denn schon damals sei sein Berufsziel klar gewesen: Fußballprofi. Das stand auch im Fragebogen, den der Bub damals für den TSV ausfüllte.

Und das habe er auch in jedes Freundschaftsbuch geschrieben, erzählt Josefine Voglsammer. „Unheimlich stolz“ sei sie auf ihren Sohn. „Sein Traum ist endlich in Erfüllung gegangen.“ Wie berichtet, ist der 28-Jährige nun mit Arminia Bielefeld in die 1. Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Elf Tore und fünf Assists hat er dazu beigetragen und sich auch nicht von einem Mittelfußbruch mitten in der Saison abhalten lassen.

Rückschläge überwinden – das sei schon immer eine seiner Stärken gewesen, erzählt seine Mutter. Es sei ja nicht die erste Verletzung gewesen. Aber was ist das schon gegen die Tragödie, die der Bub bereits im Alter von viereinhalb Jahren erleben muss, als sein Vater tödlich verunglückt ist. Mit seiner Mutter zieht er in den Landkreis Erding. Josefine unterstützt das Talent nach besten Kräften, und das bedeutet vor allem viel Fahrdienst. Von der C-Jugend in Dorfen wechselt der Bub zu 1860 Rosenheim, und dann in die Jugend des FC Bayern. In der U 19-Bundesliga spielt er dann für den Karlsruher SC.

„Ich habe aber immer zu ihm gesagt, dass er einen Plan B braucht“, erzählt die Mutter. Der Sohn macht eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann, die er statt in drei bereits in zwei Jahren absolviert. „Die abgeschlossene Ausbildung war mir wichtig“, sagt Josefine Voglsammer, „auch wenn ich mir absolut sicher bin, dass er nie mehr in diesen Beruf zurückkehren wird“.

Nach dem Jahr beim KSC kehrt Voglsammer 2011 nach Rosenheim zurück, wo der Youngster in der Bayernliga zwölf Tore schießt. Dann ruft die 3. Liga: Die SpVgg Unterhaching ist auf den jungen DFB-Auswahlspieler aufmerksam geworden. Zehn Treffer erzielt Voglsammer in seiner zweiten Saison. Sechs Treffer und zehn Assists sind es im darauffolgenden Jahr, als sich Zweitligist 1. FC Heidenheim meldet. Ein Jahr bleibt Voglsammer bei den Schwaben, und dann geht’s zu den Arminen. Acht Treffer in der Saison 2016/17, zweimal 13 Tore und nun schließlich das Sahnejahr 2019/20.

Das Sturmduo Fabian Klos/Andreas Voglsammer heißt jetzt nur noch „Klosammer“ und schießt Bielefeld mit insgesamt 24 Treffern zur Herbstmeisterschaft. Beim torlosen Remis in Aue zieht sich der Dorfener im Januar einen Mittelfußbruch zu. Viele schreiben ihn für den Rest der Saison ab. Doch Voglsammer beißt sich durch. Nach der Operation in Gütersloh schuftet er bis zu zehn Stunden täglich an seinem Comeback. Prompt ist er im ersten Spiel nach der coronabedingten Pause wieder im Kader und wird in der 72. Minute eingewechselt. Das, so schreibt das Sportmagazin Kicker, sei „die wohl beste Nachricht für die Ostwestfalen: Er (...) könnte in den letzten acht Spielen für die entscheidende Konsequenz sorgen“. Einige Wochen muss sich Voglsammer mit der Joker-Rolle zufrieden geben. Im Nachholspiel gegen Dynamo Dresden steht er erstmals in der Startformation und zeigt bei seinem Tor zum 2:0 genau die Qualitäten, die 11-Freunde-Chef Philipp Köster eingangs gepriesen hat: schnörkellos und mit voller Wucht. Nicht nur D-Jugend-Torhüter sind da machtlos.

Womit wir nochmals in Voglsammers Jugendzeit wären. Mehr als drei Jahrzehnte hat Sattler schon Nachwuchsfußballer trainiert. „Andi ist der einzige, bei dem ich sicher weiß, dass ich ihn nicht verschlechtert habe“, sagt er und lacht. „Riesentechnik, Superschuss, und er hat auch nach hinten gearbeitet“, so sein Urteil über das Ausnahmetalent. Was er ihm beibringen konnte? „In Haag war er in der E und F der Alleinunterhalter. Bei uns hat er das Kombinationsspiel gelernt“, erzählt er.

Es war ja auch ein außergewöhnliches Dorfener Team, in dem mit Benni Hönninger, Timo Lorant, Markus Wetzel und Andi Hartl auch Spieler standen, die feste TSV-Größen in der Bezirksliga sind oder waren. Lengdorfs Torjäger Martin Lechner sowie Bernie Heilmeier waren ebenfalls dabei wie der spätere Golfer Stefan Still und auch Tobi Maier, der als DJ Sonnengruß gerade Karriere macht. Voglsammer, dessen körperliche Wucht schon in jungen Jahren sein größter Trumpf war, sticht aus dieser Mannschaft eben noch heraus. In einer Saison schießt er 80 Tore. Für Sattler ist klar, dass ein Kicker dieser Qualität „und vor allem mit diesen Ehrgeiz und Zielstrebigkeit“, wie der Coach betont, in anderen Ligen spielen sollte. Deshalb der Wechsel.

Den Kontakt habe Voglsammer aber nie verloren. „Wenn er heimkommt, trifft sich Andi noch immer mit seinen alten Spezln. Auch wir schreiben uns ab und zu über WhatsApp. Und wenn wir mal ein Jugendturnier wie etwa den MerkurCUP haben, dann kommt er auch vorbei, ratscht mit uns und den Kindern und gibt Autogramme.“

All zu oft ist er allerdings nicht mehr in Dorfen beziehungsweise in Oberlohe, dem kleinen Weiler bei Hinterberg, wo die Mutter mit der Tochter und dem Lebensgefährten wohnt. „Ein paar Mal im Jahr ist er da – und an Weihnachten kommt er immer“, erzählt seine Mutter.

Dann lässt er sich von ihr mit Dampfnudeln und Schweinebraten bekochen? „Nichts da. Andreas ernährt sich sehr bewusst. Er ist da sehr streng, meidet auch Alkohol“, sagt seine Mutter. „So lange er Profi ist, wird er das sicher so durchziehen.“

Und das werden noch ein paar Jahre sein. Voglsammer will die Bundesliga auskosten. Der Oberbayer bleibt zwar nach außen immer cool, strahlte selbst nach seiner schweren Verletzung Zuversicht aus. Dass Bielefeld als Aufsteiger vermutlich weitere Spieler verpflichtet, macht ihn nicht bange. „Es ist klar, dass Verstärkungen kommen werden. Das gehört zum Geschäft und war noch jedes Jahr so. Ich werde mein Bestes geben, damit der Trainer an mir nicht vorbeikommt“. Aber er gibt auch zu: Nicht auf dem Platz, sondern daheim in den stillen Momenten, wenn er an die Bundesliga – an die Partien in Dortmund, auf Schalke oder in der Heimat bei den Bayern denke, da bekomme er schon eine Gänsehaut – „und zwar am ganzen Körper“.

Vor allem aber freue er sich auf die 17 Heimspiele in der Schüco-Arena, wo ihn – nach der Zeit der Geisterspiele – regelmäßig über 26 000 Arminen-Fans anfeuern werden, darunter eben auch so prominente Fans wie der Journalist Philipp Köster, Comedian und Moderator Ingolf Lück oder auch Kevin Kühnert. Der Bundesvorsitzende der Jusos ist ein bekennender Groundhopper, der sich in ganz Deutschland Fußballspiele ansieht, und großer Anhänger der Arminia. Natürlich hat auch er eine Meinung zum Aufstiegshelden. Und die fällt mit dem Schuss Humor aus, die (siehe Köster) den Arminia-Fans offenbar eigen ist: „Bulliger Typ, Teamplayer, extrem torgefährlich – jemanden wie Vogi will jeder in seinem Team haben. Dass er sich nach seinem Mittelfußbruch im Januar noch mal zurückgekämpft hat, steht sinnbildlich für den unbedingten Willen, in diesem Jahr den Aufstieg zu schaffen. Dafür verzeihe ich ihm auch seine extrem hoch sitzenden Hosen, die optisch doch etwas gewöhnungsbedürftig sind.“

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