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Zurück auf dem Platz? Den Merkur CUP (unser Foto) mussten wir schweren Herzens absagen. Die Liga-Spiele sind auch auf Eis gelegt. Wenn es nach dem DFB ginge, sollte aber zumindest Training möglich sein. 

Training während des Lockdowns

Kinder zurück auf den Fußballplatz? Das sagen Erdings Trainer dazu

  • Dieter Priglmeir
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Jugendleiter und Coaches diskutieren die Idee des DFB, den Nachwuchs zurück auf den Platz zu holen.

VON DIETER PRIGLMEIR

Erding– Die Kinder gehören an die frische Luft. Das sehen zumindest die obersten Fußballfunktionäre so.Die Präsidenten der Regional- und Landesverbände im Deutschen Fußball-Bund (DFB) haben sich gemeinsam mit DFB-Präsident Fritz Keller nachdrücklich dafür ausgesprochen, bundesweit den Trainingsbetrieb im Amateursport wieder zuzulassen. Jugendleiter und -trainer aus dem Kreis Erding sehen das sehr differenziert. In unserer Umfrage äußern sich die Praktiker auch darüber, wie sich die Nachwuchskicker derzeit fit halten.

Max Kaifel: Training ja, aber die Schulen sind wichtiger

Max Kaifel, Jugendleiter beim FC Moosinning und Trainer der Forsterner B-Juniorinnen, zweifelt daran, dass der Freistaat in der derzeitigen Situation für Lockerungen ansprechbar ist. Er selbst sei sich ja auch nicht sicher. „Den Jungs und Mädels fällt daheim die Decke auf den Kopf, aber würde Training wirklich Sinn machen? Das Wichtigste ist doch momentan, dass die Kinder in die Schule dürfen“, meint Kaifel.“

Beim FC Forstern seien auch Spielerinnen aus der Rosenheimer Umgebung. „Und von da hört man, dass schon wieder Schulen dicht machen.“ Außerdem sei es ja auch stets „ein Riesenzinnober, Training mit Hygienekonzept umzusetzen. Sollen wir den Aufwand für drei, vier Wochen betreiben? Dann kommt eh schon der Dezember.“

Und dennoch: „Grundsätzlich würden wir es mitmachen, wenn der Freistaat es erlaubt“, meint Kaifel. „Die Hygienevorschriften stören uns da weniger als die Bespielbarkeit der Plätze im Dezember und vor allem die Planung, weil es ständig Ausfälle aufgrund von Corona-Kontaktpersonen gibt.

Er rechnet auch nicht damit, dass Hallentraining möglich ist. „Wir haben täglich Kontakt. Die Mädels werden sich wieder mit Laufprogrammen, Stabis und sonstigen Übungen fit halten. Die kennen sich mit den dafür nötigen Apps besser aus als ich.“

Manfred Buchhauser: Abwechslung an der frischen Luft täte gut

Der FC Schwaig würde für seine Kleinfeldmannschaften – die C-/B- und A-Teams spielen auswärts in Spielgemeinschaften in Oberding und Eitting – das Training auch trotz des Lockdowns gerne weiter anbieten, „damit die Kinder – zumal bei aktuell sehr gutem Wetter – die Abwechslung des Trainings haben und sich sportlich an der frischen Luft betätigen können, auch wenn aktuell kein Spielbetrieb möglich ist“, erklärt Jugendleiter Manfred Buchhauser.

Parallel dazu solle aber dringend daran gearbeitet werden, die Hygienekonzepte für die Hallentrainings vorzubereiten und zu optimieren (Lüftungszeiten, Laufwege, etc.), damit ab Dezember auch in der Halle trainiert werden darf. Hier sieht Buchhauser die wesentlich größere Gefahr. „In der Halle kicken doch eigentlich alle gerne – zumal wohl kaum Hallenturniere stattfinden werden.“ Speziell für die Kinder der Kleinfeldmannschaften sei ein Fit halten über virtuelle Trainings so gut wie nicht möglich, „da ja Bambini oder F- und E-Jugend-Kicker in der Regel keine eigenen Smartphones haben. „Umso mehr wäre eine Weiterführung des Teamtrainings, solange wetterbedingt möglich, sehr wichtig“, so Buchhauser weiter.

Florian Aldinger: Sicheres Trainingdank Hygienekonzepte

Auch Florian Aldinger hält es grundsätzlich aktuell möglich, bei den Freiluftsportarten den Trainingsbetrieb wieder freizugeben. Die Vereine hätten Hygienekonzepte erstellt, unter denen man ein sicheres Training schon gewährleisten könne. „Ich denke bloß nicht, dass sich im November was ändern wird“, meint der Jugendleiter der SpVgg Altenerding. Und dann im Dezember Trainer zu erlauben, um nach ein paar Wochen in die Winterpause zu gehen? „Ich weiß nicht, ob es Sinn macht“, so Aldinger. Die Jungkicker halten sich derzeit über Online-Programme fit.

Richard Graf: Vorrunde ist ohnehin fertig gespielt

Richard Graf, D-Jugendtrainer der SG Erding/Langengeisling ist hin und her gerissen. „Zum einen haben wir dieses Jahr einige Zeit nicht oder nicht richtig trainieren und spielen können und sind entsprechend hungrig darauf,“ Außerdem sei er davon überzeugt, „dass der Sport generell im Freien keine Ansteckungsrisiken birgt und wir mit dem Kunstrasen in Langengeisling bestens ausgerüstet sind“. Zum anderen sei die Vorrunde ohnehin fertig gespielt und die Mannschaft wäre sowieso in die Hallensaison gegangen. „Und bezüglich der Halle bin ich eher der Meinung, dass wir zwar innerhalb der Mannschaft Training machen würden, aber vermutlich an keinen Turnieren teilnehmen.“

Graf hofft, dass sich sein Team schon bald mit Freundschaftsspiele („aber eher draußen“) fit halten kann. Zudem sei er bereits vor acht Wochen mit Michael Schöttner im Austausch gewesen und wird über dessen Sempt Akademie ein Home-Footballing in einer Winter Challenge anbieten.

Florian Neubert: Training draußen ist kein großes Risiko

Florian Neubert, Erdings Herren-Spielgruppenleiter und Vorstandsmitglied der JFG Speichersee, ist der Meinung, „dass Training schon möglich gemacht werden sollte und kein großes Risiko ist“. Momentan sei Pause, aber die JFG plane, mit der ein oder anderen Mannschaft in die Halle oder den Soccerpark zu gehen, wenn dies wieder erlaubt ist. Neubert: „Sport sehe ich persönlich als sehr wichtig für die Gesundheit an.“

Sascha Hofmann: Keine Infektionsketten bei Jugendteams

Sascha Hofmann würde es sehr begrüßen, „wenn Fußballtraining wieder möglich wäre“. Er ist Trainer der F2 des FC Erding und schon seit fast 20 Jahren im Nachwuchsbereich tätig: „Die Vereine haben sich mit der Erstellung der Hygienekonzepte sehr viel Mühe gegeben, und offensichtlich haben diese Konzepte bisher sehr gut funktioniert. Zumindest sind mir keine größeren Ketten-Infektionen innerhalb einer Jugendmannschaft im Landkreis bekannt.“ Außerdem halte er es für sehr wichtig, dass Kinder eine Möglichkeit bekommen, sich gezielt über den Sport austoben zu können, um einen Ausgleich zur Schule zu haben. „Für meine Mannschaft erstelle ich für jeden Dienstag und Donnerstag je drei Videos, die ich in die WhatsApp-Gruppe schicke.“ Hofmann will neben der Ballbehandlung auch Koordination und kognitive Fähigkeiten fördern.

Anderl Faltermaier: Auch die Elternsind jetzt gefragt

Anderl Faltermaier trainiert die A-Jugend der SpVgg Eichenkofen, die jüngst nach langer Durststrecke ihren ersten Sieg eingefahren hat (wir berichteten). Er plädiert für die Pause. „Es wäre jetzt eh Winterpause, und ich glaube, das ist auch gut so.“ Hallentraining müsse diesen Winter nicht sein. „Da kann man schon seinen Beitrag dazu leisten, dass die Pandemie nicht schlimmer wird.“ Er rät zur Pause und nimmt die Eltern in die Pflicht. „Ich habe selber drei Mädels und weiß, dass das nicht immer einfach ist. Aber da sind wir auch als Eltern gefragt, dass man mit den Kindern etwas unternimmt, viel Sport treibt und gemeinsam was macht.“

Gerhard Limmer: Training im Freien ja, in der Halle nein

Gerhard Limmer hält es für eine gute, durchdachte Lösung, wenn der Sportbetrieb wieder wie vor dem Lockdown durchgeführt werden könnte. „Es wurden soweit alle relevanten Hygienemaßnahmen eingehalten, und mir persönlich ist kein einziger positiver Vorfall bekannt. Außerdem sind es im Mannschaftssport, eh immer die selben Kinder, also so gesehen ein gemeinsamer Haushalt“, sagt Eittings Jugendleiter. „Inwieweit dies wirklich umgesetzt werden kann, warten wir mal ab. Zumindest wäre noch etwas Zeit, an der frischen Luft etwas Bewegung für die Kids zu bieten.“ Limmer rät allerdings ab, Training in großen Gruppen bei beengten Hallenmöglichkeiten durchzuführen, nur um etwas Sport zu bieten. Hier sei er klar dafür, nur ein Training, oder sportliche Aktivität durchzuführen, wenn eine kontrollierte Lüftung der Halle möglich ist.

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